Arzttermine: GKV-Spitzenverband fordert Vergabe nach medizinischem Bedarf
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 15:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung verlangt eine grundlegende Neuausrichtung bei der Terminvergabe in Arztpraxen. Der Chef des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, forderte in einem Interview mit den Funke-Medien, den Zugang zur ambulanten Versorgung künftig streng am medizinischen Bedarf und nicht länger am Versicherungsstatus der Patienten auszurichten.
Die gängige Praxis bei der Terminvergabe bezeichnete Blatt als eine himmelschreiende Ungerechtigkeit gegenüber den 75 Millionen gesetzlich Versicherten. Diese finanzierten zwar den allergrößten Teil der ärztlichen Honorare, würden bei der Zuteilung von Terminen jedoch häufig das Nachsehen haben.
Den Begriff einer Zwei-Klassen-Medizin lehnte der Verbandschef dennoch ab. Im Krankenhaus sowie bei den allermeisten Ärztinnen und Ärzten würden gesetzlich Versicherte qualitativ genauso gut versorgt wie Privatpatienten. Zudem gestalte sich die Abrechnung für Praxen teils sogar einfacher.
Digitale Plattform gegen ungleiche Wartezeiten
Die faktische Ungleichbehandlung zeige sich laut Blatt vor allem bei den Wartezeiten. Es stehe Praxen zwar weiterhin frei, Privatpatienten zu behandeln, sie sollten diese jedoch nicht automatisch bevorzugen. Ein gesetzlich Versicherter dürfe nicht allein aufgrund seines Versicherungsstatus zwei Wochen länger auf eine Behandlung warten müssen.
Um dieses Problem zu lösen, schlägt der GKV-Spitzenverband die Einführung einer tagesaktuellen Plattform vor. Alle Praxen sollten verpflichtet werden, einen festen Anteil ihrer Termine in dieses System einzustellen. Bei der Buchung über dieses Portal dürfe dann keine Abfrage mehr darüber erfolgen, ob jemand gesetzlich oder privat versichert ist.
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Debatte um Reform des dualen Gesundheitssystems
Mit seinen Forderungen greift Blatt eine Debatte auf, die zuletzt auch von der Bundespolitik thematisiert worden war. Vor knapp einem Monat hatte Bundeskanzler Friedrich Merz von einem Gerechtigkeitsproblem gesprochen, falls Privatversicherte unverzüglich jede medizinische Leistung erhielten, während gesetzlich Versicherte über Wochen und Monate hinweg warten müssten.
Am Freitag hatte sich zudem TK-Chef Jens Baas für einen grundlegenden Umbau des dualen Systems ausgesprochen und gefordert, sowohl die private als auch die gesetzliche Krankenversicherung in ihrer bisherigen Form abzuschaffen.
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Weitergehenden Plänen wie einer Zusammenlegung der Systeme begegnet Blatt derweil mit Zurückhaltung. Ein einheitliches Vergütungssystem für Ärzte wäre vor allem die Konsequenz aus einer Verschmelzung beider Versicherungszweige. Dies stelle jedoch eine hochkomplexe und vor allem politische Aufgabe dar.
Eine solche Reform dürfe zudem keinesfalls dazu führen, dass gesetzlich Versicherte am Ende noch höhere Beiträge zahlen müssten. Eine Bürgerversicherung hält Blatt unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen nicht für realistisch.
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