Arzttermine, Zugang

Arzttermine: 71 Prozent finden schwer Zugang zu Fachleuten

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine SBK-Studie dokumentiert erschwerte Terminsuche, Zustimmung zu digitalen Angeboten und politische Pläne für eine neue Patientensteuerung.

SBK-Umfrage zeigt Hürden bei Arztterminen und Reformbedarf
Leerer Wartebereich einer modernen Arztpraxis mit hellen Möbeln und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Verfügbarkeit ärztlicher Leistungen und die Effizienz der Terminvergabe stehen zunehmend im Fokus der gesundheitspolitischen Debatte. Eine Ende August 2026 bekannt gewordene Analyse der Umfragedaten des Instituts YouGov im Auftrag der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) verdeutlicht die wachsende Unzufriedenheit der Versicherten.

Demnach gaben 71 Prozent der Befragten an, dass es oft schwierig sei, freie Arzttermine zu erhalten. Die Erhebung, die im Zeitraum vom 24. bis 27. Juli 2026 unter 2032 Teilnehmern durchgeführt wurde, liefert detaillierte Einblicke in die wahrgenommenen Defizite des aktuellen Systems.

Schwieriger Zugang und wahrgenommene Ungleichheiten

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist der hohe zeitliche Aufwand, den Patienten für die Organisation ihrer medizinischen Versorgung investieren müssen. 58 Prozent der Befragten empfinden die Suche nach einem passenden Termin als zeitaufwendig.

In diesem Zusammenhang wird auch eine strukturelle Ungleichheit thematisiert: 80 Prozent der Umfrageteilnehmer sind der Überzeugung, dass privat Versicherte bei der Vergabe von Terminen Vorteile genießen.

Angesichts dieser Hürden artikulieren die Versicherten einen deutlichen Wunsch nach digitalen Lösungen. So sprachen sich 74 Prozent für einen besseren Überblick über verfügbare Termine aus. Ein zentrales Online-Portal zur Terminvergabe stieß ebenfalls auf hohe Akzeptanz; 73 Prozent der Befragten erklärten, ein solches Angebot nutzen zu wollen.

Die SBK reagierte auf diese Ergebnisse mit der Forderung nach einem digital gestützten Primärversorgungssystem, um die Steuerung der Patientenströme zu optimieren und den Zugang zu vereinfachen.

Belastung der Praxen und politische Gegenmaßnahmen

Die Kritik an der Versorgungssituation wird durch Warnungen aus der verfassten Ärzteschaft ergänzt. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, wies Ende August auf die zunehmende Belastung der Arztpraxen hin. Er sieht die Ursachen unter anderem im GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz, das seiner Einschätzung nach zu spürbaren Einschnitten führt und die Terminvergabe zusätzlich erschwert.

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Um das System zu entlasten, forderte der Ärztepräsident eine stärkere Patientensteuerung. Er sprach sich dafür aus, dass Patienten grundsätzlich zuerst eine Hausarztpraxis aufsuchen sollten. Werde dieser Weg umgangen und direkt ein Facharzt aufgesucht, müssten längere Wartezeiten oder finanzielle Mechanismen die Folge sein.

Auch der Hausärzteverband unterstützt diese Position und fordert Konsequenzen, wenn die Lotsenfunktion des Hausarztes ignoriert wird. Die Basis für ein solches Modell könne die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) bilden, an der bereits 11 Millionen Menschen teilnehmen.

Die Politik hat auf diese Entwicklungen reagiert: Die Koalition plant, ab dem Jahr 2028 ein verbindliches Primärversorgungssystem einzuführen. Während die Ärzteschaft hierin eine notwendige Entlastung sieht, warnt der Patientenschutz vor möglichen Zusatzkosten für die Versicherten durch die diskutierten finanziellen Steuerungsmechanismen.

Personalmangel als strukturelles Risiko

Die Herausforderungen bei der Terminvergabe treffen auf eine angespannte Personalsituation. In Deutschland sind derzeit bereits 5000 Hausarztsitze unbesetzt. Prognosen deuten darauf hin, dass sich diese Lücke bis zum Jahr 2040 auf 12000 fehlende Stellen vergrößern könnte. In diesem Kontext betonte Ärztepräsident Reinhardt die Unverzichtbarkeit ausländischer Mediziner für die Aufrechterhaltung der Versorgung.

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Trotz der beklagten Zugangshürden weist das deutsche System eine hohe Inanspruchnahme auf. Statistisch werden pro Jahr 9,7 Arzt-Patienten-Kontakte verzeichnet, zudem kommen 220 stationäre Fälle auf 1000 Einwohner.

Die Diskrepanz zwischen dieser hohen Kontaktfrequenz und der gefühlten Schwierigkeit, zeitnah Termine zu erhalten, unterstreicht die Notwendigkeit der diskutierten Reformen zur Steuerung der Patientenwege und zur Digitalisierung der Verwaltungsprozesse.

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