Arzttermine: 2,1 Millionen Deutsche scheitern an App-Zwang
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen führt zu einer Debatte über die Zugänglichkeit medizinischer Leistungen für ältere Menschen. Im Fokus steht dabei die zunehmende Praxis von Arztpraxen, Termine primär oder ausschließlich über mobile Applikationen zu vergeben. Fachleute und Interessenvertreter beobachten eine Entwicklung, die Teile der Bevölkerung vor erhebliche Herausforderungen stellt.
Zunehmende Kritik an der ausschließlichen App-Nutzung
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) thematisierte im September 2026 die Problematik des sogenannten Digitalzwangs bei der Vergabe von Arztterminen.
Laut Einschätzung des Verbandes führen rein digitale Buchungssysteme dazu, dass insbesondere ältere Menschen mit zunehmenden Hürden konfrontiert werden. Wenn Termine nur noch per Smartphone-App oder über Web-Portale zugänglich sind, drohe eine soziale Selektion beim Zugang zur Gesundheitsversorgung.
Der Verband betonte, dass die Digitalisierung zwar Prozesse vereinfachen könne, sie jedoch nicht dazu führen dürfe, dass Patienten ohne entsprechenden Internetzugang oder technische Expertise systematisch benachteiligt werden. Diese Entwicklung werde kritisch gesehen, da der physische Zugang zur medizinischen Versorgung ein Grundbedürfnis darstelle, das nicht an technische Voraussetzungen geknüpft sein sollte.
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Statistische Daten zur Internetnutzung in Deutschland
Die Relevanz dieser Problematik wird durch Daten des Statistischen Bundesamtes unterstrichen. Berichten aus dem September 2026 zufolge hatten im Jahr 2025 knapp 2,1 Mio. Menschen in Deutschland in der Altersgruppe zwischen 16 und 74 Jahren noch nie das Internet genutzt. Diese Gruppe der sogenannten Offliner ist besonders stark in der älteren Generation vertreten.
Die Statistik zeigt ein deutliches Gefälle innerhalb der Alterskohorten auf. Demnach gaben 10 % der Personen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren an, das Internet bisher nicht genutzt zu haben.
Für diese Bevölkerungsgruppe stellen rein digitale Angebote eine unüberwindbare Barriere dar, sofern keine alternativen Kommunikationswege offenstehen. Die Zahlen verdeutlichen, dass ein signifikanter Teil der älteren Bevölkerung von digitalen Dienstleistungen im Gesundheitssektor ausgeschlossen bleibt.
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Forderungen nach analogen Alternativen
Angesichts dieser Barrieren fordert der VZBV eine Rückbesinnung auf bewährte Kommunikationskanäle. Eine zentrale Forderung ist die Sicherstellung der telefonischen Erreichbarkeit von Arztpraxen als notwendige Alternative zur App-gesteuerten Terminvergabe. Nur durch die Beibehaltung analoger Zugangswege könne gewährleistet werden, dass die Teilhabe am Gesundheitssystem für alle Bürger unabhängig von ihrem digitalen Status gesichert bleibt.
Als eine bestehende Option für die Suche nach freien Kapazitäten und die Buchung von Terminen wird in diesem Zusammenhang der Patientenservice unter der Rufnummer 116117 genannt.
Dieser Dienst dient als telefonische Anlaufstelle, um den Zugang zu medizinischen Leistungen auch ohne die Nutzung privater Endgeräte oder spezifischer Applikationen zu ermöglichen. Experten unterstreichen die Bedeutung solcher zentralen Anlaufstellen, um die Versorgungssicherheit in einer sich digitalisierenden Infrastruktur aufrechtzuerhalten.
