Arzneimitteltherapie: 1140 Sterbefälle könnten vermieden werden
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 10:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anlässlich des Welttags der Patientensicherheit am 17. September 2026 rückt die Sicherheit der Arzneimitteltherapie (AMTS) verstärkt in den wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Fokus. Fachverbände und medizinische Institutionen nutzen den Aktionstag, um auf die besonderen Risiken für chronisch Kranke hinzuweisen und die Implementierung verbindlicher Standards entlang der gesamten Behandlungskette einzufordern.
Standardisierung der Schnittstellen im Krankenhaus
Der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA), der über 90 % der deutschen Krankenhausapotheker vertritt, betont die zentrale Bedeutung einer lückenlosen Arzneimitteltherapiesicherheit. Im Zentrum stehen dabei standardisierte Prozesse für das Aufnahme-, Stations- und Entlassmanagement. Diese Standards sollen sicherstellen, dass die Medikation von der Klinikaufnahme bis zur Entlassung konsequent begleitet wird.
Das vorrangige Ziel dieser Maßnahmen ist die Vermeidung von Medikationsfehlern an den kritischen Schnittstellen zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor.
ADKA-Präsident Dr. Jochen Schnurrer unterstrich in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, über den gesamten Behandlungsverlauf hinweg die richtigen Arzneimittel in der korrekten Dosierung und zum exakten Zeitpunkt sicherzustellen. Die ADKA fordert eine flächendeckende Umsetzung dieser Management-Standards, um die Versorgungsqualität nachhaltig zu erhöhen.
Spezifische Risiken bei Diabetes und Multimorbidität
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) weist auf die hohe Relevanz des Themas für Diabetiker hin. Statistisch gesehen leidet jede fünfte Person im Krankenhaus an Diabetes, jedoch verfügt bisher nur ein Drittel der Kliniken über eine entsprechende DDG-Zertifizierung.
Den Analysen der Fachgesellschaft zufolge könnten jährlich 1140 Sterbefälle vermieden werden, sofern eine flächendeckende Zertifizierung aller Kliniken bestünde. Patienten wird geraten, Therapiepläne, Insulinschemata und benötigte Medikamente bereits vor einer geplanten Klinikaufnahme bereitzustellen.
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Ergänzend dazu widmet sich die Landesärztekammer Hessen der Gesundheitsversorgung der Generation 65plus. Im Rahmen eines Fach-Webinars am 16. September 2026 werden Themen wie Polypharmazie und Arzneimitteltherapiesicherheit in der Altersmedizin behandelt. Ein begleitendes CME-zertifiziertes Podcast-Angebot zum Thema „Peer Review in der Medizin“ soll zudem die Fehlerkultur und Sicherheit in der ärztlichen Praxis stärken.
Beratung und digitale Unterstützung in der Nachsorge
Auch die Apothekerschaft vor Ort trägt wesentlich zur Patientensicherheit bei. Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg, der über 2.000 Apotheken im Bundesland repräsentiert, hebt die Bedeutung der korrekten Einnahme hervor.
Wechselwirkungen mit Lebensmitteln wie Grapefruit, Kaffee, Tee, Milch oder Alkohol könnten die Wirkung von Arzneimitteln massiv beeinflussen. Experten empfehlen eine Nüchtern-Einnahme in der Regel 30 bis 60 Minuten vor oder zwei Stunden nach den Mahlzeiten. Bei Unsicherheiten nach vergessener oder doppelter Einnahme solle stets die Apotheke konsultiert werden.
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Im Bereich der kardiologischen Nachsorge zeigt die im April 2026 gestartete Initiative KONSENS der Uniklinik Freiburg Fortschritte. Über 100 Patientinnen und Patienten nutzen bereits die digitale Plattform myoncare, um nach einem Herzinfarkt Vitalparameter wie Blutdruck, Puls und Gewicht zu erfassen. Das kostenlose Angebot soll die Sicherheit in der häuslichen Nachsorge durch engmaschiges Monitoring verbessern.
Für den Bereich der Onkologie fordert die Initiative Vision Zero e.V. umfassende Reformen. In einem 7-Punkte-Plan werden strukturelle Veränderungen angemahnt, um die Sicherheit der betroffenen Patienten zu gewährleisten. Parallel dazu thematisiert Gilead Sciences Deutschland den Beitrag der pharmazeutischen Industrie zur Patientensicherheit, wobei insbesondere die Rolle spezialisierter Abteilungen für Patient Safety hervorgehoben wird.
