Arzneimittelengpässe, Italien

Arzneimittelengpässe in Italien: AIFA zählt weniger als 2.600 Präparate

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fast 2.000 knappe Präparate haben in Italien eine Alternative; AIFA sieht derzeit keine gesundheitliche Notlage.

AIFA-Dossier: Italien als EU-Modell bei Arzneimittelengpässen
Moderne, sterile Produktionsumgebung einer pharmazeutischen Fertigungsanlage ohne Personen oder Beschriftungen. Illustration mit AI erstellt.

Die italienische Arzneimittelbehörde AIFA hat ein Dossier zu Arzneimittelengpässen veröffentlicht, das Italien als Modellfall innerhalb der Europäischen Union positioniert.

Laut einem Bericht vom 28. September 2026 führt das Land in diesem Bereich als Best-Practice-Beispiel EU-Projekte durch, darunter die Joint Action CHESSMEN. Das Dossier liefert zugleich einen differenzierten Blick auf ein Thema, das in der öffentlichen Wahrnehmung häufig dramatischer erscheint, als es die Zahlen der Behörde nahelegen.

Zahlen statt Wahrnehmung

Nach Angaben der AIFA verzeichnen die Knappheitslisten der Behörde mit Stand September 2026 weniger als 2.600 Arzneimittel. Davon verfügen fast 2.000 über ein Äquivalent oder eine therapeutische Alternative auf dem nationalen Markt.

Für die verbleibenden rund 600 Arzneimittel, die etwa 280 Wirkstoffen entsprechen, ist eine Importgenehmigung aus dem Ausland vorgesehen – überwiegend handelt es sich dabei um ältere Krankenhausmedikamente. Tatsächlich importiert werden laut Dossier jedoch nur rund 20 Präparate.

Nur wenige Dutzend Arzneimittel gelten demnach als wirklich alternativlos; statistisch hat nur eines von fünf knappen Arzneimitteln kein Äquivalent. Zur Einordnung: In Italien sind insgesamt über 20.000 Arzneimittel zugelassen und vermarktet.

AIFA-Präsident Robert Nisticò betonte laut Berichten vom 28. September 2026, es gebe derzeit keine gesundheitliche Notlage in Italien. Das Phänomen der Engpässe dürfe jedoch nicht unterschätzt werden, da die Verfügbarkeit von Medikamenten ein strategisches Gut sei. Er verwies dabei auf die Notwendigkeit, sich an Zahlen statt an Wahrnehmungen zu orientieren.

Globale Ursachen der Engpässe

Als Ursachen nennt das AIFA-Dossier Produktionsprobleme, die Abhängigkeit von importierten Wirkstoffen – insbesondere aus Asien –, logistische Schwierigkeiten, geopolitische Krisen, plötzliche Nachfragespitzen sowie Parallelhandel.

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Weniger als 2.600 Präparate stehen in den Engpasslisten der italienischen Behörde — doch fast 2.000 davon haben ein Äquivalent oder eine therapeutische Alternative auf dem nationalen Markt. Wer im Alltag entscheiden muss, braucht keine Schlagzeilen, sondern einen klaren Ablauf: erkennen, dokumentieren, umstellen. Kostenlosen Praxisleitfaden zu Lieferengpässen anfordern

Besonders ins Gewicht fällt dabei die globale Konzentration der Wirkstoffproduktion: Laut Dossier entfallen etwa zwei Drittel, rund 70 Prozent, der weltweiten Produktionskapazität für pharmazeutische Wirkstoffe auf China und Indien.

Als weiterer Risikofaktor wird der im Mai 2025 eingeführte Most-Favored-Nation-Mechanismus der USA genannt, der die Preise in den Programmen Medicare und Medicaid betrifft. Er könnte laut dem Dossier die Einführung innovativer Arzneimittel in acht Referenzländern – darunter Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Kanada, Japan, Dänemark, die Schweiz und Italien – bremsen. Preisdruck und sinkende Margen könnten demnach Investitionen sowie die Zahl der Anbieter verringern.

Instrumente und Gegenmaßnahmen

Italien setzt laut AIFA verschiedene Instrumente ein, um Engpässen zu begegnen. Dazu zählt der seit 2015 gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium betriebene Tavolo Tecnico Indisponibilità sowie die 2019 von der Apothekerorganisation SIFO und AIFA eingerichtete Plattform DrugGhost. Ergänzend kommen Fast-Track-Renegoziationen, Exportstopps sowie europäische Instrumente wie der Critical Medicines Act und HERA zum Einsatz.

Auf nationaler Ebene wurde zudem eine gemeinsame Mitteilung von AIFA und Apothekerverbänden zum Direktbezug in Apotheken veröffentlicht. Eine öffentliche Konsultation befasst sich mit den Kriterien, nach denen Packungen künftig als „kritisch“ vom Engpass bedroht eingestuft werden sollen.

Fehlt ein Äquivalent, kann der behandelnde Arzt ein Alternativpräparat verordnen. Die zuständige Gesundheitsbehörde ASL kann zudem auf Antrag den Import eines im Ausland zugelassenen Analogpräparats beantragen. Produzenten sind verpflichtet, ein nicht auf Lager befindliches Arzneimittel binnen 48 Stunden an Apotheken zu liefern.

Über 2.500 Präparate auf der Liste

Zum Stichtag 25. September 2026 umfasste die AIFA-Liste der temporär knappen Medikamente laut einem Bericht über 2.500 Arzneimittel. Trotz dieser Größenordnung betonen Beobachter, dass keine aktuelle gesundheitliche Notlage bestehe.

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Die Engpässe gelten jedoch als Zeichen für die Fragilität globaler Lieferketten und Gesundheitssysteme – ein Befund, der über den italienischen Fall hinausweist und die Diskussion um strategische Unabhängigkeit in der Arzneimittelversorgung auf europäischer Ebene weiter befeuern dürfte.

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