Arzneimittel-Abrechnung, Barmherzige

Arzneimittel-Abrechnung: Barmherzige Brüder mit 1230% Aufschlag

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 11:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Prüfbericht beanstandet hohe Arzneimittelaufschläge bei den Barmherzigen Brüdern und stößt länderübergreifende Kontrollen der Abrechnung an.

Steiermark prüft Medikamentenabrechnung der Barmherzigen Brüder
Ein leerer, steriler Krankenhausflur mit glänzendem Boden und kühler Beleuchtung in einer medizinischen Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Die Verrechnungspraxis von Arzneimitteln in Gesundheitseinrichtungen steht infolge einer detaillierten Untersuchung des Gesundheitsfonds Steiermark unter intensiver Beobachtung.

Ein Prüfbericht vom 9. September 2026 legt erhebliche Diskrepanzen bei der Preisgestaltung von Medikamenten offen, die durch die Barmherzigen Brüder (BHB) abgerechnet wurden. Die Analyse der internen Abläufe und Finanzströme deutet auf eine systematische Überhöhung der Kosten hin, die weitreichende finanzielle Folgen für die öffentliche Hand nach sich ziehen könnte.

Enorme Differenzen bei den Arzneimittelaufschlägen

Im Zentrum der Untersuchung standen 34 ausgewählte Arzneimittel, deren Verrechnungspreise einer genauen Prüfung unterzogen wurden. Der Bericht dokumentiert dabei gravierende Unterschiede zwischen verschiedenen medizinischen Einrichtungen.

Während in einem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Preisaufschläge von bis zu 1230,36 % festgestellt wurden, fielen diese in einem zum Vergleich herangezogenen externen Sanatorium mit 15,03 % deutlich moderater aus.

Diese massiven Preisspannen führen laut dem Prüfbericht des Gesundheitsfonds Steiermark zu einem unmittelbaren finanziellen Schaden für das Land Steiermark. Die Verrechnungspraxis stehe in der Kritik, da die öffentlichen Mittel, die zur Deckung der Gesundheitskosten bereitgestellt werden, durch diese Form der Preisgestaltung über Gebühr belastet würden.

Langfristige Gewinnentwicklung und Rücklagen

Die finanzielle Dimension der beanstandeten Verrechnungsmethoden wird durch eine Auswertung der Gewinne über einen Zeitraum von mehr als anderthalb Jahrzehnten verdeutlicht. Für die Jahre 2009 bis 2025 weist der Prüfbericht spezifische Summen aus, die aus der Verrechnungspraxis der Barmherzigen Brüder resultieren.

Demnach wurden in der Apotheke Gewinne in Höhe von 12,7 Mio. € erzielt. Ein zugehöriges Profitcenter verzeichnete im selben Zeitraum Gewinne von 23 Mio. €. Darüber hinaus identifizierten die Prüfer einen Betrag von 10 Mio. €, der auf einem Bankkonto geführt wurde.

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Diese Zahlen verdeutlichen die wirtschaftliche Tragweite der internen Preispolitik. Die Akkumulation dieser Mittel steht nun im Fokus der behördlichen Bewertung, da die Refinanzierung von Krankenhausleistungen in der Regel auf dem Prinzip der Kostendeckung und nicht auf der Erzielung hoher Margen bei Medikamenten basiert.

Überregionale Auswirkungen und historische Parallelen

Die Erkenntnisse aus der Steiermark beschränken sich nicht auf die regionale Ebene. Das Land Steiermark hat den Prüfbericht bereits mit anderen Bundesländern geteilt, um eine koordinierte Untersuchung der Verrechnungspraktiken zu ermöglichen. Als direkte Folge dieser Informationsweitergabe haben andere Bundesländer begonnen, die dortigen Abrechnungsmodelle der Barmherzigen Brüder kritisch zu hinterfragen und eigene Prüfungsverfahren einzuleiten.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Preisgestaltung der Ordensgemeinschaft im Gesundheitssektor Gegenstand von Auseinandersetzungen ist. Bereits im Jahr 2019 gab es im Burgenland einen Konflikt zwischen der Landesregierung und den Barmherzigen Brüdern.

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Damals standen ebenfalls zu hohe Medikamentenpreise sowie Fragen der Abgangsdeckung im Mittelpunkt der Debatte. Nach intensiven Verhandlungen konnte im Burgenland damals eine Einigung erzielt werden.

Die aktuelle Analyse aus der Steiermark legt jedoch nahe, dass die zugrunde liegenden Mechanismen der Medikamentenverrechnung weiterhin ein systemisches Risiko für die Budgetplanung der Länder darstellen. Die nun eingeleitete bundesländerübergreifende Prüfung könnte dazu führen, dass die vertraglichen Grundlagen zwischen der öffentlichen Hand und privaten Klinikbetreibern grundlegend neu bewertet werden müssen.

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