Arthrose, Milliarde

Arthrose weltweit: Bis 2050 könnte fast eine Milliarde Menschen betroffen sein

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine internationale Roadmap skizziert Präventions- und Versorgungsprioritäten angesichts steigender Arthrosezahlen und hoher wirtschaftlicher Belastungen.
Ein heller, leerer Therapieraum mit moderner Architektur und einfallendem Sonnenlicht auf einem Holzboden. Illustration mit AI erstellt.

Internationale Forschungsteams warnen vor einer massiven Zunahme von Arthrose-Erkrankungen auf globaler Ebene. Eine in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet im Oktober 2026 vorgestellte gesundheitspolitische Roadmap prognostiziert, dass bis zum Jahr 2050 fast eine Milliarde Menschen weltweit von dieser chronischen Gelenkerkrankung betroffen sein könnten.

Die Erhebung verdeutlicht eine kontinuierliche Beschleunigung des Trends: Im Jahr 2023 lebten global bereits rund 600 Millionen Menschen mit Osteoarthritis, nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für das Jahr 2019 rund 528 Millionen Betroffene verzeichnet hatte.

Starker Anstieg der Krankheitslast und ökonomische Folgen

Zwischen 1990 und 2023 stieg die globale Krankheitslast durch Osteoarthritis laut Erhebungen des Global Burden of Disease um 65 Prozent. Prof. Lyn March vom australischen Kolling Institute ordnete diesen Zuwachs der Behinderungslast als den höchsten unter mehr als 350 analysierten Erkrankungen ein.

Die unter Federführung der Curtin University in Australien erarbeitete Roadmap entstand in Zusammenarbeit mit internationalen Wissenschaftlerinnen, darunter Prof. Krysia Dziedzic von der Keele University.

Hauptautor Prof. Andrew Briggs von der Curtin University betonte, dass Gesundheitssysteme weltweit bislang unzureichend auf die Prävention und das Management der steigenden Fallzahlen vorbereitet seien. Dies gelte in besonderem Maße für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

Laut Briggs leide Osteoarthritis unter einem gravierenden Wahrnehmungsproblem: Da die Gelenkerkrankung fälschlich als unausweichliche Begleiterscheinung des Alterns abgetan werde, blieben präventive und therapeutische Maßnahmen häufig vernachlässigt.

Zugleich bezifferte Briggs die weltweiten wirtschaftlichen Kosten der Erkrankung auf rund 1 Prozent bis 2,5 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Kernprioritäten für Gesundheitspolitik und Prävention

Die am 12. Oktober 2026 anlässlich des Welt-Arthritis-Tages publizierte Roadmap formuliert drei zentrale Handlungsfelder für nationale Gesundheitssysteme:

  • Priorität 1: Die formelle Erfassung von Arthrose über belastbare nationale Überwachungsdaten zu Fallzahlen und Kosten sowie die feste Integration der Muskel-Skelett-Gesundheit in politische Rahmenkonzepte.
  • Priorität 2: Der flächendeckende Aufbau einer bezahlbaren, personenzentrierten Versorgungsstruktur mit einer stärkeren Verankerung in der Primär- und Chronikerversorgung.
  • Priorität 3: Die Dämpfung des Fallzahlwachstums durch gezielte Reduktion veränderbarer Risikofaktoren.

Als wesentliche Ansatzpunkte nennt die Roadmap Übergewicht sowie Gelenkverletzungen im Berufs- und Sportbereich. Insbesondere Übergewicht und Verletzungen wie Risse des vorderen Kreuzbands im Knie gelten als die am besten belegten und zugleich beeinflussbaren Risikofaktoren für Kniearthrose.

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Defizite in der Versorgung und therapeutische Perspektiven

Die medizinische Versorgung steht vor strukturellen Hürden. Bislang ist kein Arzneimittel verfügbar, das eine Osteoarthritis heilen, stoppen oder in ihrem Verlauf verlangsamen kann. Gleichzeitig dokumentierte die historische CareTrack-Studie Defizite im Versorgungsalltag: In den Jahren 2009 und 2010 entsprachen lediglich 43 Prozent der Arztkonsultationen wegen Osteoarthritis den Standards guter medizinischer Praxis.

Mitautorin Prof. May Arna Risberg von der Norwegischen Sporthochschule und dem Universitätsklinikum Oslo forderte daher eine deutlich intensivere Einbindung der Primärversorgung. Als praktische Modelle nannte sie das AktivA-Programm, das strukturierte Patientenschulungen mit Bewegungstherapie bei Knie- und Hüftarthrose verknüpft, sowie die neue Aktivplattform.

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Die epidemiologische Dimension spiegelt sich auch auf nationaler Ebene wider. Prof. Berenbaum, Leiter der Rheumatologie am Pariser Hôpital Saint-Antoine (AP-HP), verwies auf WHO-Zahlen, wonach weltweit über 350 Millionen Menschen von Knie-Osteoarthritis betroffen sind.

In Frankreich leiden 9 bis 10 Millionen Menschen an Arthrose, darunter 65 Prozent der über 65-Jährigen und mehr als 80 Prozent der über 80-Jährigen. Angesichts dieses ungedeckten Bedarfs wird für den Arthrose-Markt künftig unter anderem die Einführung von GLP-1-Agonisten diskutiert.

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