Arthrose, Millionen

Arthrose weltweit: 600 Millionen Betroffene, bis 2050 eine Milliarde

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bis 2050 könnte Arthrose rund eine Milliarde Menschen betreffen; Fachleute setzen auf Früherkennung und konservative Behandlung.
Ein sonnendurchfluteter Waldweg, der zu Bewegung und körperlicher Aktivität anregt. Illustration mit AI erstellt.

Experten betonen zunehmend, dass eine frühzeitige Diagnose, eine ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige Bewegung essenziell sind, um die Gelenkfunktion bei chronischen Beschwerden langfristig zu erhalten. Gelenkerkrankungen gelten in der Medizin längst nicht mehr als unvermeidbare Begleiterscheinung des Älterwerdens.

Sowohl auf internationaler Ebene als auch in der ambulanten und klinischen Praxis rücken präventive Ansätze und konservative Therapiemaßnahmen in den Mittelpunkt, um irreversible Schäden zu verhindern und Operationen zu vermeiden.

Globale Zunahme und ökonomische Dimension der Arthrose

Die gesundheitspolitische Relevanz von Gelenkerkrankungen wächst stetig. Laut einem am 11. Oktober 2026 im Fachjournal Lancet vorgestellten Konzept für eine neue globale Roadmap betrifft Arthrose derzeit rund 600 Millionen Menschen weltweit.

Bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg auf etwa eine Milliarde Betroffene prognostiziert. Zwischen 1990 und 2023 stieg die Zahl der durch die Erkrankung verlorenen gesunden Lebensjahre um 65 Prozent. Zudem belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten in Marktwirtschaften auf 1 bis 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Dennoch erhält laut dem Fachbericht aktuell nur etwa die Hälfte aller Betroffenen eine angemessene medizinische Versorgung. Um dem entgegenzuwirken, definieren die Autoren drei wesentliche Prioritäten: die Erhebung verlässlicher nationaler Daten zu Krankheitslast und Kosten, die Etablierung einer integrierten Primärversorgung sowie die Verlangsamung des Krankheitsverlaufs durch Prävention von Übergewicht und Gelenkverletzungen in Sport und Beruf.

Frühwarnzeichen und differenzierte Diagnostik

In Deutschland leiden nach Schätzungen über fünf Millionen Menschen an Beschwerden durch Arthrose, bei etwa zwei Millionen treten die Schmerzen täglich auf. Laut Fachärzten wie Prof. Dr. Christian Flamme, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Krankenhaus Buchholz, hat jeder dritte Mensch über 60 Jahre entsprechende Symptome.

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Dr. Will Harvey, Rheumatologe am Tufts Medical Center und Präsident des American College of Rheumatology, weist darauf hin, dass Schmerzen und Einschränkungen ärztlich abgeklärt werden sollten und nicht als normale Alterserscheinung hingenommen werden dürfen. Dies bekräftigen auch die Orthopäden Dr. Pawan Kumar Chajed, Dr. Mihir Tanvi, Dr. Sudhanshu Verma und Dr. Krishan K Gupta, die betonen, dass Gelenkschmerz insbesondere dann Aufmerksamkeit erfordert, wenn er das Gehen, die Arbeit oder den Alltag verändert.

Zu den typischen Warnzeichen einer beginnenden Erkrankung zählen:
- Belastungsschmerz beim Gehen, Treppensteigen oder Hocken, der sich in Ruhephasen bessert
- Morgensteifigkeit, die bei Arthrose in der Regel unter 30 Minuten anhält, bei entzündlichen Erkrankungen jedoch länger besteht
- Knirschen im Gelenk in Verbindung mit Schmerzen, Steifigkeit oder einem Blockadegefühl
- Eine messbar eingeschränkte Beweglichkeit, etwa beim Strecken des Knies oder Beugen der Finger
- Schwellungen, die mit Schmerz, Steifigkeit oder Überwärmung einhergehen

Während bei entzündlicher oder rheumatoider Arthritis eine frühzeitige Intervention irreversible Gelenkschäden verhindern kann, stehen bei der degenerativen Osteoarthritis angepasste Bewegungsprogramme und Gewichtsmanagement im Vordergrund.

Konservative Maßnahmen vor operativen Eingriffen

Dr. Jeffrey Zarin hebt hervor, dass Gelenkknorpel kaum regeneriert und derzeit keine Methoden zu dessen vollständiger Wiederherstellung existieren. Umso wichtiger seien gezielter Muskelaufbau, angepasste Aktivität und die Reduktion von Übergewicht, insbesondere zur Entlastung von Hüft- und Kniegelenken.

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Erkenntnisse einer Fachexpedition nach Schweden im September 2026 unterstreichen zudem die Rolle von Lebensstil, Stoffwechselgesundheit und pflanzenbetonter Ernährung mit Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkorn und gesunden Fetten.

Eine Reduktion entzündungsfördernder Arachidonsäure, die unter anderem in Eigelb, Schweineschmalz und fettreichem Fleisch vorkommt, sowie die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren aus Fischen wie Lachs oder Hering können Beschwerden lindern.

Ein chirurgischer Gelenkersatz bildet erst die letzte Option. Wie PD Dr. Johannes Schauwecker von der Münchner Dr. Lubos Klinik Bogenhausen betont, sollte ein operativer Eingriff nur bei klarer Notwendigkeit erfolgen. Zuvor sind nicht-operative Optionen wie Physiotherapie, Orthesen sowie medikamentöse Therapien auszuschöpfen.

Prof. Johannes Beckmann vom Münchner Krankenhaus der Barmherzigen Brüder erläutert, dass eine Operationsindikation erst dann gestellt wird, wenn konservative Ansätze erfolglos bleiben, starke Ruheschmerzen auftreten und der Knorpelverschleiß in bildgebenden Verfahren weit fortgeschritten ist.

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