Arthrose, Gelenkschmerz

Arthrose und Gelenkschmerz: 48,1% der Frauen ab 65 betroffen

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 16:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Krankenstand sinkt leicht, während psychische Erkrankungen häufiger werden. Zugleich steigen die Lohnfortzahlungskosten der Arbeitgeber auf 85,6 Milliarden Euro.

Krankenstand 2026: Psychische Leiden überholen Muskel-Skelett-Erkrankungen
Ein leerer, ergonomischer Bürostuhl vor einem aufgeräumten Schreibtisch in einem hellen, modernen Büro. Illustration mit AI erstellt.

Die gesundheitliche Lage der Erwerbstätigen in Deutschland zeigt in aktuellen Erhebungen eine Verschiebung der Krankheitsschwerpunkte. Während Muskel-Skelett-Erkrankungen über Jahre hinweg die Statistiken dominierten, weisen Daten für das erste Halbjahr 2026 auf eine veränderte Dynamik hin.

Dennoch bleiben Beschwerden des Bewegungsapparates ein zentraler Faktor für die wirtschaftliche Belastung von Unternehmen und die individuelle Lebensqualität im Alter.

Dynamik im Krankenstand und regionale Unterschiede

Laut einer Halbjahresauswertung der DAK-Gesundheit vom Juli 2026 sank der allgemeine Krankenstand leicht auf 5,3 Prozent, verglichen mit 5,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Eine markante Entwicklung zeigt sich in der Gewichtung der Krankheitsursachen: Muskel-Skelett-Erkrankungen fielen in der Statistik auf den dritten Rang zurück.

Erstmals entwickelten sich psychische Erkrankungen mit einem Zuwachs von 9 Prozent zum häufigsten Grund für Krankschreibungen. Atemwegserkrankungen verzeichneten hingegen einen deutlichen Rückgang um 21 Prozent.

Regional ergeben sich differenzierte Bilder. In Nordrhein-Westfalen registrierte die DAK-Gesundheit bei Muskel-Skelett-Erkrankungen 184 Fehltage je 100 Beschäftigte, was einem Anstieg von 4 Prozent entspricht. Die AOK PLUS berichtete für Thüringen im ersten Halbjahr von einem Krankenstand von 7,4 Prozent.

Obwohl 56,7 Prozent der dortigen Versicherten mindestens einmal krankgeschrieben waren, lag der Anteil der Muskel-Skelett-Erkrankungen an den Fehltagen bei 13,0 Prozent. In Rheinland-Pfalz meldete die dortige AOK einen Krankenstand von 6,4 Prozent, wobei Muskel-Skelett-Erkrankungen hier mit 20,5 Prozent weiterhin den größten Anteil an den Ausfalltagen stellten.

Wirtschaftliche Folgen der Lohnfortzahlung

Die finanziellen Auswirkungen des Krankenstandes für die Arbeitgeber haben in den letzten 15 Jahren massiv zugenommen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert die Kosten für die Lohnfortzahlung im Jahr 2025 auf insgesamt 85,6 Milliarden Euro.

Anzeige

Wer sich mit den steigenden Belastungen durch Muskel-Skelett-Erkrankungen befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber 17 einfache Übungen, die in nur 3 Minuten täglich Beschwerden vorbeugen können. 17 Übungen für maximale Ergebnisse jetzt kostenlos herunterladen

Zum Vergleich: Im Jahr 2010 beliefen sich diese Ausgaben noch auf 36,9 Milliarden Euro. Dieser Anstieg um rund 33 Prozent seit dem Jahr 2020 wird unter anderem auf eine gestiegene Zahl der Beschäftigten – von 33,3 Millionen im Jahr 2010 auf 34,9 Millionen im Jahr 2025 – sowie auf gestiegene Löhne zurückgeführt.

Der Anteil der Lohnfortzahlung an der gesamten Wirtschaftsleistung hat sich in diesem Zeitraum von 1 Prozent auf 2 Prozent verdoppelt. Die IW-Studie hebt hervor, dass Langzeiterkrankungen eine besondere Belastung darstellen. So verursachen etwa 4,2 Prozent der Fälle rund 40 Prozent der gesamten Fehltage. Psychische Erkrankungen machen zwar nur 5 Prozent der Fälle aus, sind aber für 13 Prozent der Ausfalltage verantwortlich.

Langfristige Perspektiven und die Morbiditätslücke

Ein globaler Blick auf die Gesundheitsdaten unterstreicht die langfristige Bedeutung von Muskel-Skelett-Problemen. Eine im Fachmagazin Lancet Public Health veröffentlichte Untersuchung für den Zeitraum von 1990 bis 2023 zeigt, dass die Lebenserwartung weltweit auf 73,8 Jahre gestiegen ist. Die gesunde Lebenserwartung hinkt mit 63,1 Jahren jedoch hinterher, was zu einer wachsenden Morbiditätslücke führt.

Anzeige

Um die gesunde Lebensspanne trotz steigender Verschleißerscheinungen zu verlängern, empfiehlt ein renommierter Orthopäde gezielte Übungen für die Muskulatur und Gelenke. Kostenlosen Ratgeber mit 17 Wunderübungen hier anfordern

In Deutschland beträgt diese Lücke zwischen allgemeiner und gesunder Lebenserwartung 11,9 Jahre. Muskel-Skelett-Erkrankungen sind dabei für fast 60 Prozent der durch Beeinträchtigungen geprägten Lebensjahre verantwortlich. Besonders im Alter nehmen diese Leiden zu: Laut Daten des Robert Koch-Instituts sind 48,1 Prozent der Frauen und 31,2 Prozent der Männer ab 65 Jahren von Arthrose betroffen.

Therapieansätze und betriebliche Prävention

Angesichts der hohen Relevanz starten im September 2026 neue Fortbildungsprogramme für Fachpersonal in Apotheken, um die Beratung bei Gelenkschmerzen zu intensivieren.

Im Fokus stehen dabei neben medikamentösen Therapien mit NSAR oder Glucocorticoiden auch pflanzliche Optionen wie Teufelskralle, Weidenrinde oder Curcumin. Experten verweisen zudem auf die Bedeutung der Basistherapie, die Bewegung, Gewichtsreduktion und eine mediterrane Ernährung umfasst.

In der politischen Debatte wird derzeit über die Einführung einer Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag diskutiert. Während Teile der Union diese fordern, äußerte Arbeitsministerin Bas Bedenken, dass dies dazu führen könnte, dass bereits leichte Infekte zu längeren, pauschalen Krankschreibungen für eine gesamte Woche führen könnten. Zudem steht die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung zur Diskussion.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70037325 |