Arthrose: Bewegungstherapie schlägt Operationen bei acht Millionen
12.06.2026 - 20:42:06 | boerse-global.de
Die Gelenkerkrankung gilt weiterhin als nicht heilbar – doch moderne Therapieansätze zeigen neue Wege zur Schmerzlinderung.
Primäre und sekundäre Arthrose
Mediziner unterscheiden zwei Hauptformen. Bei etwa 80 Prozent der Fälle ist die Arthrose genetisch bedingt (primäre Arthrose). Die sekundäre Form entsteht dagegen durch Verletzungen, Fehlstellungen oder Stoffwechselerkrankungen.
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Besonders betroffen: Menschen über 65 Jahre. Rund 90 Prozent dieser Altersgruppe haben mit Gelenkabnutzung zu kämpfen.
Diese Risikofaktoren begünstigen die Erkrankung
Neben dem Alter gelten Bewegungsmangel und Übergewicht als Hauptrisiken – vor allem ab einem BMI von über 30. Auch unbehandelte Verletzungen sind gefährlich: Eine nicht therapierte Kreuzbandverletzung erhöht das Arthrose-Risiko um das Fünffache.
Die Symptome zeigen sich zunächst durch Anlaufschmerzen, Belastungsschmerzen und zunehmende Bewegungseinschränkungen. Knackende Gelenke sind dagegen meist harmlos – sie entstehen durch Luftbläschen in der Gelenkflüssigkeit oder Sehnen, die über Knochen gleiten. Kritisch wird es erst bei Schwellungen, Entzündungen oder stechenden Schmerzen.
Bewegung als zentrale Therapiesäule
In der konservativen Behandlung spielt Bewegungstherapie die Hauptrolle. Das wissenschaftlich fundierte GLA:D®-Programm setzt auf gezielte Übungen und Wissensvermittlung. Patienten sollen zwei- bis dreimal pro Woche schmerzfrei trainieren – etwa mit sitzendem Beinheben oder Fersenheben.
Die Forschung zeigt zudem Regenerationspotenzial. Eine Studie des UMC Utrecht aus dem Jahr 2011 untersuchte die Kniedistraktion: Ein Metallgestell entlastete das Gelenk zwei Monate lang. Ergebnis: Nachwachsender Knorpel und verbesserte Beweglichkeit. Aktuelle US-Forschung deutet darauf hin, dass körpereigene Botenstoffe Heilprozesse im Knorpel steuern könnten.
Minimalinvasive Verfahren als Alternative
Reichen konservative Maßnahmen nicht mehr aus, kommen operative Verfahren in Frage. Ein neuer Ansatz ist die Embolisation. Dabei verschließen Ärzte schmerzverursachende Blutgefäße an der Gelenkkapsel per Katheter – ein risikoarmer Eingriff.
Auch beim Gelenkersatz setzen sich minimalinvasive Techniken durch. Dr. Andreas Hachenberg vom Ortho-Campus in Krefeld plant für Mitte Juni 2026 ein Verfahren zum Hüftgelenkersatz über einen vorderen Zugang, der Muskeln schont. Dass selbst im hohen Alter komplexe Eingriffe gelingen, zeigt der Fall einer 82-Jährigen: Sie erhielt einen doppelten Kniegelenkersatz und war kurz nach der Operation wieder mobil.
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Prävention und soziale Angebote
Ergänzend zur medizinischen Behandlung wachsen Angebote zur Alltagsbewältigung. Die Deutsche Rheuma-Liga in Thüringen startete im Juni 2026 einen neuen Stammtisch in Bad Liebenstein. Themen: Ernährung und soziale Teilhabe.
Präventive Sportangebote wie Outdoor-Yoga in Kunrau oder Senioren-Yoga-Kurse in Wolfhagen und Bad Emstal fördern die Beweglichkeit. Fachleute warnen jedoch vor Überlastung. Die Leitlinien empfehlen primär die Erreichung eines Normalgewichts und raten von passiven Anwendungen wie Kurzwellen- oder Stoßwellentherapien bei Kniearthrose ab – sofern diese nicht Teil eines umfassenden Bewegungskonzepts sind.
