Arthrose bei Frauen: Hormonwandel kann Beschwerden schon ab 40 begünstigen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gelenkbeschwerden gelten lange als reines Alterungsphänomen. Zunehmend richtet sich der Blick jedoch auf hormonelle Veränderungen und Stoffwechselfaktoren, die insbesondere bei Frauen eine frühzeitige Arthrose begünstigen können.
Weltweit leben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 528 Millionen Menschen mit Arthrose, wobei Frauen 60 Prozent der Betroffenen stellen. Nach klinischer Erfahrung treten erste Diagnosen bei Frauen teils bereits in den 40ern auf.
Klimakterium und Menopause als Wendepunkt
Als Risikofaktoren gelten neben genetischer Veranlagung, Bewegungsmangel und früheren Verletzungen vor allem hormonelle Veränderungen in Klimakterium und Menopause, außerdem Muskelverlust, Übergewicht beziehungsweise Adipositas und Diabetes. Der Rückgang des Östrogenspiegels kann demnach Knorpelabbau und Entzündungsprozesse begünstigen – ein Mechanismus, der erklären könnte, warum Beschwerden bei Frauen häufig in dieser Lebensphase einsetzen.
Besonders deutlich zeigt sich die geschlechtsspezifische Häufung bei Handarthrose: Vor dem 85. Lebensjahr sind laut einem Bericht etwa die Hälfte aller Frauen betroffen, bei Männern rund ein Viertel. In Deutschland waren laut Robert Koch-Institut 2025 insgesamt 16,5 Prozent der Erwachsenen von Arthrose betroffen.
Ernährung und Gewicht rund um die Menopause
Eine prospektive Kohortenanalyse im Rahmen der Nurses' Health Study II untersuchte 38.283 Frauen über ein zwölfjähriges Zeitfenster rund um die natürliche Menopause – jeweils sechs Jahre davor und danach, bei einem mittleren Alter von 45,6 Jahren zu Beginn.
Im Vergleich des günstigsten mit dem ungünstigsten Ernährungsquintil fiel die jährliche Gewichtszunahme bei niedrig-insulinämischer Ernährung um 0,28 Kilogramm geringer aus, beim Plant-based Diet Index um 0,23 Kilogramm, bei mediterraner Ernährung um 0,19 Kilogramm, beim Planetary Health Diet Index um 0,17 Kilogramm und bei DASH-Ernährung um 0,15 Kilogramm pro Jahr.
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Für neu auftretende Adipositas ergaben sich Hazard Ratios von 0,46 für die Planetary Health Diet und 0,51 für niedrig-insulinämische Ernährung im Vergleich zum niedrigsten Quintil.
Da es sich um eine Beobachtungsstudie mit selbst berichteten Angaben zu Ernährung und Gewicht handelt, lässt sich daraus keine Kausalität ableiten – die Ergebnisse liefern aber Hinweise darauf, dass Ernährungsmuster den Gewichtsverlauf in der Übergangsphase mitbeeinflussen können, was wiederum für die Gelenkbelastung relevant sein dürfte.
Frühe Diagnose und Lebensstil als Stellschrauben
Fachleute betonen, dass eine frühe Diagnose sowie Bewegung, Krafttraining und Gewichtskontrolle Symptome lindern und den Krankheitsverlauf bremsen können. Angesichts des Zusammenspiels aus hormonellen Veränderungen, Muskelabbau und metabolischen Faktoren gilt die Phase rund um Klimakterium und Menopause als besonders relevantes Zeitfenster, um präventiv gegenzusteuern.
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Geschlechtsspezifische Forschung als übergeordneter Trend
Die verstärkte Aufmerksamkeit für hormonelle Einflüsse auf Gelenkerkrankungen fügt sich in eine breitere Entwicklung ein, geschlechtsspezifische Unterschiede in Medizin und Arzneimittelforschung systematischer zu berücksichtigen.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) veranstaltete demnach am 28. und 29. September einen Workshop mit Behörden, Wissenschaft, Industrie, Gesundheitsberufen und Patientenvertretungen, um geschlechtsspezifische Aspekte in Arzneimittelentwicklung und -versorgung stärker zu verankern.
Im Fokus stehen dabei laut EMA die Repräsentation von Frauen in klinischen Studien und die Auswertung entsprechender Daten aus dem Clinical Trials Information System, geschlechtsspezifische Unterschiede bei Dosierung, Wirksamkeit und Sicherheit von Medikamenten, die Evidenzlage zu Schwangerschaft und Stillzeit sowie die Nutzung von Real-World-Daten über die Plattform DARWIN EU. Die Ergebnisse des Workshops sollen in einem gesonderten Bericht veröffentlicht werden.
Für Frauen, die sich mit ersten Gelenkbeschwerden im mittleren Lebensalter konfrontiert sehen, unterstreicht diese Entwicklung, dass hormonelle Übergangsphasen künftig stärker in Diagnostik und Prävention einbezogen werden dürften – auch wenn viele Wirkmechanismen im Detail noch Gegenstand laufender Forschung sind.
