Arthrose, Frauen

Arthrose bei Frauen: 60 Prozent der Fälle – Hormone als möglicher Faktor

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Frauen stellen 60 Prozent der Arthrosefälle in Belgien. Studien zeigen häufige Gelenkbeschwerden rund um die Menopause, belegen aber keine alleinige Ursache.

Arthrose betrifft Frauen häufiger: Menopause und weitere Faktoren im Fokus
Ein heller, minimalistischer Klinikflur mit weichem Tageslicht und klaren architektonischen Linien. Illustration mit AI erstellt.

In der medizinischen Berichterstattung zeichnet sich ein deutliches Bild bei der Verteilung degenerativer Gelenkerkrankungen ab: Frauen sind im Verhältnis sechs zu vier häufiger von invalidisierender Arthrose betroffen als Männer. Fachleute sehen in hormonellen Faktoren, insbesondere dem Rückgang des Östrogenspiegels während der Perimenopause, eine wesentliche Ursache für die erhöhte Gelenkbelastung bei Frauen.

Prävalenz und demografische Trends

Aktuellen Berichten zufolge leiden etwa 12,5 % der belgischen Bevölkerung an einer symptomatischen Arthrose, die eine medizinische Behandlung erfordert. Dabei entfallen 60 % der Fälle auf Frauen und 40 % auf Männer. Ein signifikanter Anteil der Betroffenen ist vergleichsweise jung: Rund 30 % der Erkrankten haben das 45. Lebensjahr noch nicht vollendet.

Die globale Belastung durch Arthrose wird laut Prognosen in den kommenden Jahrzehnten massiv zunehmen. Bis zum Jahr 2050 wird weltweit mit einer Milliarde Betroffenen gerechnet. Als Hauptursachen für diese Entwicklung benannte Yves Henrotin, Professor an der Universität Lüttich, die fortschreitende Bevölkerungsalterung sowie die zunehmende Verbreitung von Adipositas.

Die Rolle der Menopause bei Gelenkbeschwerden

Die Perimenopause, die oft bereits ab Anfang 40 beginnt, gilt als kritische Phase für die Gelenkgesundheit. In diesem Zeitraum schwanken die Spiegel von Östrogen und Progesteron stark, bevor sie dauerhaft absinken. Dieser hormonelle Umbruch geht häufig mit Veränderungen der Körperzusammensetzung und einem Verlust an Gewebeelastizität einher. In den ersten fünf Jahren nach der Menopause können Frauen schätzungsweise bis zu 30 % ihres Kollagens verlieren.

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Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026, die Daten von mehr als 93.000 Frauen auswertete, untermauert die Häufigkeit dieser Beschwerden. Demnach berichteten ca. 40 % der prämenopausalen Frauen über Muskel- oder Gelenkschmerzen.

In der Perimenopause stieg dieser Wert auf 57 % und bei postmenopausalen Frauen auf 59 %. Da die zugrunde liegenden Studien beobachtend und heterogen waren, betonen die Autoren jedoch, dass die Menopause nicht automatisch als alleinige Ursache für die Schmerzen gewertet werden kann.

Forschungsergebnisse zu Hormontherapien

Obwohl Östrogen den Erhalt der Knochendichte unterstützt, wird eine hormonhaltige Therapie laut der Menopause Society derzeit nicht explizit zur Behandlung von Gelenkschmerzen empfohlen. Eine neuere Meta-Analyse fand keinen signifikanten Gesamteffekt einer Hormontherapie auf generalisierte muskuloskelettale Schmerzen.

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In einer Analyse der Women’s Health Initiative (WHI) mit 10.739 postmenopausalen Frauen nach einer Hysterektomie berichteten nach einem Jahr 76,3 % der Teilnehmerinnen unter Östrogen-Monotherapie über Gelenkschmerzen, während der Anteil in der Placebo-Gruppe bei 79,2 % lag.

Dennoch gilt die Kombination aus Östrogen und Gestagen als wirksamste Behandlung für klassische hormonelle Beschwerden wie Hitzewallungen. Eine Sekundäranalyse von WHI-Daten zeigte, dass eine Östrogen-Monotherapie vasomotorische Symptome altersübergreifend um 41 % senken konnte.

Begleitfaktoren und Risikofaktoren

Neben hormonellen Einflüssen spielen metabolische Faktoren eine wichtige Rolle beim Fortschreiten von Gelenkerkrankungen. Eine Querschnittsstudie mit 239 Frauen ab 60 Jahren, die an primärer Kniearthrose leiden, ergab, dass 81,6 % der Probandinnen ein metabolisches Syndrom aufwiesen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Vorhandensein dieses Syndroms sowie die Anzahl seiner Komponenten eng mit dem Schweregrad der Kniearthrose korrelieren.

Im DACH-Raum befinden sich schätzungsweise 13 Millionen Frauen in der Peri- oder Menopause. Da sich dieser Übergang oft über sieben bis zehn Jahre erstreckt, raten Experten zu einer individuellen ärztlichen Nutzen-Risiko-Abwägung bei der Wahl der Therapiemöglichkeiten.

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