Arthrose-Behandlung, Kliniken

Arthrose-Behandlung: Kliniken melden Rekordzahlen, Kassen droht Defizit

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 12:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kliniken melden steigende Fallzahlen, während die gesetzlichen Krankenkassen auf ein Milliardenloch zusteuern. Bewegungstherapie gilt als wirksame Alternative.

Arthrose-Versorgung: Rekordzahlen, neue OP-Modelle und Kassen-Defizit
Eine ältere Person bei physiotherapeutischen Übungen in einer modernen Praxis zur Förderung der Gelenkbeweglichkeit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Arthrose-Behandlung in Deutschland steht vor einem Umbruch: Kliniken melden Rekordzahlen, neue OP-Modelle entlasten Patienten – doch die Krankenkassen steuern auf ein Milliarden-Defizit zu.

Gelenkersatz: Entlassung nach einem Tag

Das Rhön-Klinikum verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 ein Plus von neun Prozent bei den Behandlungen. Rund 513.700 Fälle bedeuten auch finanziell einen Schub: Der Umsatz stieg auf 863,6 Millionen Euro.

Neue Wege geht man in der Lausitz. In Cottbus erprobt ein Pilotprojekt die Ambulantisierung von Gelenkersatz-Operationen. Orthopäde Michael Schierack begleitet das Modell, bei dem Patienten bereits am ersten Tag nach dem Eingriff entlassen werden. Das könnte zum Vorbild für Brandenburg werden – mit dem Ziel, stationäre Kapazitäten zu entlasten.

Warum Bewegung oft besser hilft als gedacht

Nicht immer muss es das Skalpell sein. Medizinische Untersuchungen bestätigen: Moderate Bewegung lindert Schmerzen bei Kniearthrose. Schwimmen, Radfahren, sanftes Yoga und angeleitetes Krafttraining stärken die Muskulatur und verbessern die Flexibilität. Die Lebensqualität steigt messbar.

Der Preis für solche Therapien steigt allerdings. 2025 gaben die Krankenkassen 14,45 Milliarden Euro für Heilmittel aus – zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders Ergotherapie legte auf 2,55 Milliarden Euro zu. Grund sind unter anderem Blankoverordnungen, die Therapeuten mehr Freiheit bei der Behandlungswahl geben.

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Die finanzielle Schieflage der Krankenkassen

Für viele Betroffene hat Arthrose auch berufliche Folgen. Wer wegen der Beschwerden weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann, hat Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Der Grad der Behinderung liegt bei Knie- oder Hüftbeeinträchtigungen meist zwischen 10 und 50. Und: Gonarthrose kann als Berufskrankheit anerkannt werden, wenn sie nach dem 30. September 2002 aufgetreten ist.

Doch die Kassen kämpfen mit massiven Finanzproblemen. Das am 10. Juli beschlossene GKV-Stabilitätsgesetz sieht Einsparungen ab 2027 vor – vor allem im hausärztlichen Bereich und bei der Psychotherapie. Experten rechnen für 2027 mit einem Defizit von 19 Milliarden Euro. Bis 2030 könnten es bis zu 40 Milliarden sein.

Vorsorge: Wo die Lücken klaffen

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung fordert deshalb eine Präventionsoffensive. KBV-Chef Gassen verlangt, Gesundheitsvorsorge bereits in Kitas und Schulen zu verankern. Auch höhere Steuern auf Tabak und Alkohol stehen im Raum.

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Die Kassen setzen derweil auf Daten: Rund 1,5 Millionen Versicherte erhielten Hinweise auf Gesundheitsrisiken oder anstehende Vorsorgetermine, darunter 90.000 Empfehlungen zur Krebsfrüherkennung. Doch die AOK-Auswertungen zeigen eklatante Defizite: In Krefeld und Mönchengladbach nutzt nur etwa jede dritte Frau die Krebsvorsorge – bei Männern fällt die Quote noch niedriger aus.

Die Formel für die Zukunft liegt auf der Hand: innovative OP-Konzepte, konsequente Bewegungstherapie und eine bessere Inanspruchnahme von Vorsorgeangeboten. Ob die Strukturen das mitmachen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

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