Arthritis-Forschung: Zwei Phase-2-Studien schließen Versorgungslücken
16.06.2026 - 16:20:16 | boerse-global.de
Die Forschung zu chronisch-entzündlichen Erkrankungen fokussiert sich zunehmend auf bislang vernachlässigte Folgeerscheinungen. Mitte Juni 2026 starteten gleich zwei Phase-2-Studien, die medizinische Versorgungslücken schließen sollen.
Leramistat gegen Muskelschwund bei Arthritis
Ein großes Problem bei rheumatoider Arthritis: Die Entzündung frisst nicht nur die Gelenke, sondern auch die Muskeln. Die sogenannte Sarkopenie – übermäßiger Verlust an Muskelmasse und -funktion – betrifft viele Patienten. Bisher gibt es keine zugelassene Therapie dagegen.
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Das britische Unternehmen Istesso will das ändern. Wie das Unternehmen am 16. Juni mitteilte, hat die Phase-2-Studie IST-03 begonnen. Erste Patienten erhalten bereits den Wirkstoff Leramistat.
Die Studie ist randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert. Ziel ist es, den Einfluss von Leramistat auf Muskelqualität, Regenerationsfähigkeit und Funktion zu messen. Die Rekrutierung läuft in Zusammenarbeit mit der Newcastle University, den Newcastle Hospitals und dem National Institute for Health and Care Research (NIHR).
Börse reagiert verhalten
Hinter Istesso steht die IP Group mit einem Anteil von 56,5 Prozent. Am Tag der Bekanntgabe reagierte die Aktie der Beteiligungsgesellschaft mit einem leichten Minus von 1,5 Prozent auf 65,50 Pence.
Das mag enttäuschend klingen. Doch für Beteiligungsgesellschaften im Life-Sciences-Bereich ist der Eintritt in fortgeschrittene klinische Phasen ein entscheidender Meilenstein. Die Sarkopenie gilt als wachsendes medizinisches Problem – der Erfolg solcher Studien hätte hohe strategische Bedeutung.
Neuer Ansatz bei Wirbelsäulenentzündung
Parallel dazu gibt es Fortschritte bei der axialen Spondyloarthritis. Diese chronische Entzündung der Wirbelsäule betrifft vor allem jüngere Menschen und kann zu Versteifungen führen.
Das Unternehmen XBiotech gab am 15. Juni bekannt: Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat den Antrag für eine klinische Prüfung des Wirkstoffs Vilamakitug ohne Einwände genehmigt.
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Die geplante V-SPINE-Studie (PT064) ist ebenfalls doppelblind und placebokontrolliert angelegt. 150 Probanden sollen über 16 Wochen wöchentliche Injektionen von entweder 400 mg Vilamakitug oder einem Placebo erhalten. Der primäre Endpunkt: ein ASAS40-Ansprechen in Woche 16 – ein Standardmaß für klinische Verbesserung. Anschließend folgt eine 12-wöchige offene Verlängerungsphase für weitere Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten.
Der Trend geht über die Entzündungshemmung hinaus
Beide Studien zeigen: Die Pharmaindustrie denkt um. Es reicht nicht mehr, nur Entzündungen zu unterdrücken. Die Forschung zielt zunehmend darauf ab, die physische Funktionalität der Patienten zu verbessern und spezifische Krankheitsverläufe gezielt zu beeinflussen. Ob Leramistat oder Vilamakitug – die nächsten Jahre werden zeigen, ob diese Ansätze halten, was sie versprechen.
