ArtCraft, Open-Source-Apps

ArtCraft: 13 kostenlose Open-Source-Apps als Alternativen zu Adobe und Office

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Brandon Thomas’ Open-Source-Programme laufen offline, sind teils noch im Alpha-Stadium und werfen rechtliche Fragen auf.

ArtCraft veröffentlicht 13 kostenlose KI-gestützte Softwarealternativen
Ein minimalistischer Arbeitsplatz mit einem leeren Schreibtisch aus Mahagoniholz und einer abstrakten Skulptur. Illustration mit AI erstellt.

Der Softwareentwickler Brandon Thomas aus dem US-amerikanischen Atlanta hat über das Projekt ArtCraft kostenlose Nachbauten etablierter Programme der Adobe Creative Suite sowie der Microsoft-Office-Reihe veröffentlicht.

Wie unter anderem Berichte von Mitte Oktober 2026 darlegen, stellte der Entwickler die Anwendungen über Reddit und GitHub als quelloffene Software bereit. Zum Portfolio zählen unter anderem Nachbildungen von Bildbearbeitungs-, Dokumenten- und Tabellenprogrammen, darunter PhotoCraft und PdfCraft sowie WordCraft, DeckCraft und GridCraft.

Entwicklung mit KI und Rust nach Ärger über Abogebühren

Als Auslöser für das Vorhaben nannte Thomas eine Gebühr wegen vorzeitiger Beendigung eines Adobe-Abonnements. Auf der Plattform X erklärte er, damit eine jahrelang aufgestaute Rechnung zu begleichen. Die Anwendungen wurden laut Berichten mithilfe des KI-Modells Claude Opus 5.5 des Anbieters Anthropic und der Programmiersprache Rust in wenigen Monaten erstellt.

Thomas stufte die Programme als sogenannten Clean-Room-Ersatz ein. Auf dem Portal YCombinator vertrat er die Ansicht, dass die Ära klassischer Software vorbei sei, und äußerte weitergehende Pläne, wie die Entwicklung eigener Smartphones sowie Alternativen zur Websuche.

Insgesamt umfasst ArtCraft Medienberichten zufolge 13 kostenlose Open-Source-Apps, darunter Nachbauten von Photoshop, Illustrator, Premiere, Lightroom, After Effects, InDesign und Acrobat Pro. Mitgründer Michael Caffrey erklärte gegenüber Medienvertretern, die Klone hätten intern überraschend gut funktioniert, weshalb man sich für die freie Veröffentlichung entschieden habe.

Finanziert wird das Projekt unter anderem über den optionalen Verkauf von Credits für die KI-Bild- und Videogenerierung. Ein praktischer Vorzug gegenüber webbasierten Bürolösungen besteht darin, dass die eigenständigen Programme vollständig offline lauffähig sind.

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Funktionsumfang im Alpha-Stadium und technische Details

Trotz der schnellen Bereitstellung befinden sich die Programme noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Berichten zufolge erreicht WordCraft, das auf GitHub bereits mehr als 12.000 Sterne verzeichnete, rund 88 Prozent der Ribbon-Funktionen von Microsoft Word, sei für die praktische Arbeit aber erst zu etwa 60 Prozent einsatzbereit.

GridCraft decke 513 von 523 Excel-Tabellenfunktionen und 89 Prozent der Ribbon-Befehle ab, liege beim praktischen Reifegrad jedoch bei rund 50 Prozent. Die Präsentationssoftware DeckCraft erfülle knapp 79 Prozent der PowerPoint-Funktionen sowie 93 Prozent der Kernfunktionen, habe die Alpha-Phase aber noch nicht erreicht.

Alle Anwendungen des Projekts lassen sich über das Model Context Protocol direkt durch KI-Agenten steuern. Als nächstes Vorhaben soll nach Angaben von Thomas Software des Anbieters Autodesk geklont werden.

Kostendruck auf etablierte Anbieter und juristische Fragen

Das Aufkommen solcher KI-gestützten Softwarekopien setzt etablierte Geschäftsmodelle unter Druck. Die regulären Kosten für die Adobe Creative Suite belaufen sich auf 779,99 US-Dollar pro Jahr bei Einmalzahlung oder 69,99 US-Dollar monatlich im Jahresvertrag.

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Microsoft Office kostet je nach Modell zwischen 19,99 und 199,99 US-Dollar jährlich, während Microsoft 365 Personal bei 99,99 US-Dollar und die Family-Variante bei 129,99 US-Dollar pro Jahr liegen.

Im Vergleich dazu investierte Adobe allein im vergangenen Geschäftsjahr 4,3 Milliarden US-Dollar in Forschung und Entwicklung, was fast einem Fünftel des Jahresumsatzes entspricht; das Unternehmen weist eine Marktkapitalisierung von 92 Milliarden US-Dollar auf.

Branchenbeobachter verweisen jedoch auf offene Hürden bezüglich Sicherheit, fortlaufender Wartung und rechtlicher Tragfähigkeit. Bislang blieben Unterlassungserklärungen gegen ArtCraft zwar aus, Rechtsexperten bezweifeln jedoch, ob die Entwicklung tatsächlich den strengen juristischen Kriterien eines sauberen Clean-Room-Verfahrens entspricht.

Urheberrechts-, Marken- und Geschäftsgeheimnisfragen variieren je nach Rechtsraum erheblich, weshalb das langfristige Bestehen solcher Projekte unklar bleibt.

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