Archive, Nachlässe

Archive erschließen Nachlässe: Dresdner Stadtarchiv zeigt KI-gestützte Ausstellung

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Dresden nutzt KI für Claudia Reichardts Nachlass, während Archive in Bonn und Duisburg weitere Künstlerbestände öffentlich erschließen.

Archive öffnen private Nachlässe mit KI und neuen Ausstellungen
Ein stiller Archivraum mit ordentlich aufgereihten Archivkartons in Metallregalen in einer kontrollierten Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die systematische Erschließung und öffentliche Präsentation privater Nachlässe bildet eine wesentliche Säule der institutionellen Erinnerungskultur. Aktuelle Projekte in deutschen und internationalen Archiven verdeutlichen dabei den Wandel von der rein konservatorischen Lagerung hin zu einer multimedialen Aufbereitung, die auch technologische Innovationen wie Künstliche Intelligenz (KI) einbezieht.

Ein zentrales Beispiel hierfür ist die Arbeit des Dresdner Stadtarchivs am Nachlass der im Alter von 59 Jahren verstorbenen Galeristin Claudia „Wanda“ Reichardt.

Multimediale Aufarbeitung im Dresdner Stadtarchiv

Die Bewahrung des Lebenswerks von Claudia Reichardt findet in einer multimedialen Ausstellung im Dresdner Stadtarchiv ihren Ausdruck. Die Schau, die bis Ende Januar für die Öffentlichkeit zugänglich ist, nutzt moderne technische Verfahren, um die handschriftlichen Dokumente der Verstorbenen zugänglich zu machen. Ein besonderes Merkmal dieser Aufarbeitung ist der Einsatz von KI-generierten Zitaten, die auf Reichardts ursprünglicher Handschrift basieren.

Laut Berichten vom September 2026 würdigte die Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch das Wirken der Galeristin im Rahmen der Ausstellungseröffnung. Das Archiv ermöglicht bei freiem Eintritt einen Einblick in die Korrespondenzen und das künstlerische Umfeld der Verstorbenen, wobei die Kombination aus physischen Exponaten und digitalen Rekonstruktionen neue Wege der Archivpädagogik beschreitet.

Zeithistorische und künstlerische Einordnung in Bonn und Duisburg

Neben der regionalen Kulturförderung übernehmen Bundesinstitutionen Nachlässe von gesamtgesellschaftlicher Relevanz. Das Bonner Haus der Geschichte integriert derzeit den Nachlass des 1979 verstorbenen Unterhaltungskünstlers Heinz Erhardt in seine Bestände. Die Sammlung umfasst 19 Tagebücher, persönliche Briefe sowie die Schreibmaschine des Künstlers.

Sammlungsdirektor Manfred Wichmann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass derartige Dokumente einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der deutschen Nachkriegszeit leisten. Eine umfassende Ausstellung zu diesem Neuzugang ist für das Jahr 2029 vorgesehen.

Parallel dazu widmet sich das Museum Küppersmühle in Duisburg der künstlerischen Hinterlassenschaft von Rolf-Gunter Dienst. In einer Ausstellung, die bis zum 23.04.2027 läuft, werden über 100 Exponate aus der Zeit zwischen 1960 und 2014 erstmals öffentlich gezeigt.

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Die von Katharina Zimmermann und Julia Sonnenfeld-Wurthmann kuratierte Schau umfasst unter anderem das Werk „Sweets for Ladies, Mints for Men“ und dokumentiert die Entwicklung der abstrakten Kunst in Deutschland.

Spezialisierte Archive und pädagogische Ansätze

Die Vielfalt der Archivlandschaft zeigt sich auch in spezialisierten Sammlungen und Forschungseinrichtungen:

  • Bauhaus Bernau: Das Besucherzentrum des UNESCO-Welterbes präsentiert die Bau- und Nutzungsgeschichte der ehemaligen ADGB-Bundesschule, die zwischen 1928 und 1930 errichtet wurde. Die Dauerausstellung ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
  • Kulturarchiv Oberengadin: In Zuoz wurde die private Musiknotenbibliothek der Familie Pult aus dem 18. Jahrhundert erschlossen. Die 281 bibliografischen Einheiten enthalten Werke von Komponisten wie Boccherini und J.C. Bach. Einzelne, bisher unbekannte Stücke sollen im Jahr 2028 beim Engadin Festival aufgeführt werden.
  • HfG-Archiv Ulm: Mit der Neubesetzung der Kuratorenstelle durch Viktoria Lea Heinrich wird die wissenschaftliche Bearbeitung von Design-Nachlässen intensiviert. Im Fokus steht dabei unter anderem die Aufarbeitung ikonischer Entwürfe wie des Stuhls „Swing“ von Herbert Ohl.
  • Oberschlesisches Landesmuseum: In Ratingen wird das 200-jährige Jubiläum von Joseph von Eichendorffs Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ zum Anlass genommen, in der Sonderausstellung „Ans Licht!“ seltene Erstausgaben von 1826 zu präsentieren.

Zusätzlich gewinnen partizipative Projekte an Bedeutung. Die Ruhrtriennale führt mit „Archiving Future“ ein Vorhaben durch, bei dem Jugendliche durch künstlerische Verfahren wie Fotografie und Sound eigene Ansätze zur Archivierung entwickeln.

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