Arbeitszeiterfassung, Bas

Arbeitszeiterfassung: Bas plant elektronische Pflicht ab Juli

20.06.2026 - 19:13:13 | boerse-global.de

Bundesministerium plant Pflicht zur digitalen Arbeitszeitdokumentation. Wirtschaft protestiert gegen neue Bürokratie, Gewerkschaften begrüßen den Vorstoß.

Arbeitszeit-Reform: Streit um elektronische Zeiterfassung
Arbeitszeiterfassung - Nahaufnahme einer digitalen Zeiterfassungsuhr oder Stechuhr, mit unscharfem Hintergrund von Büroangestellten. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Arbeitsministerin Bärbel Bas will die Arbeitszeiterfassung neu regeln – und stößt damit auf heftigen Widerstand.

Verpflichtende elektronische Zeiterfassung

Kernstück der Pläne ist die Einführung einer strikten Pflicht zur elektronischen Arbeitszeiterfassung. Das Ministerium verspricht sich davon mehr Transparenz und besseren Gesundheitsschutz für Beschäftigte.

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Die Wirtschaft reagiert empört. Vertreter der bayerischen Wirtschaft (vbw) und der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie sprechen von einem neuen Bürokratiepaket. Für sie kommt die Regelung einer faktischen Abschaffung der Vertrauensarbeitszeit gleich. Auch der Verband Südwesttextil lehnte die Pläne ab und warnte vor zusätzlicher administrativer Belastung.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hingegen verteidigt den Vorstoß. Die Einhaltung des Acht-Stunden-Tages sei unverzichtbar für den Gesundheitsschutz, so die Argumentation.

Flexibilisierung nur mit Tarifvertrag

Interessant ist die geplante Lockerung der starren täglichen Höchstarbeitszeit. Statt des bisherigen Acht-Stunden-Limits soll künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten – im Jahresdurchschnitt maximal 48 Stunden.

Allerdings gibt es einen Haken: Diese Flexibilisierung ist an enge Voraussetzungen geknüpft. Nur Betriebe mit Tarifbindung oder entsprechender Betriebsvereinbarung dürfen vom täglichen Limit abweichen.

Arbeitgeberpräsident Dulger fordert den Rückzug des Papiers. Er wirft dem Ministerium Klientelpolitik vor. Der Grund: Nur rund 49 Prozent der Beschäftigten arbeiten in tarifgebundenen Unternehmen. Der Rest hätte keinen Zugang zu flexibleren Modellen.

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Koalition streitet über Reform

Die politischen Fronten sind verhärtet. Die Union wirft der Arbeitsministerin einen Bruch des Koalitionsvertrags vor. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann bezeichnete den Entwurf als keine geeignete Grundlage für die weitere Zusammenarbeit. Auch Gitta Connemann von der Mittelstands- und Wirtschaftsunion kritisierte die Pläne scharf.

Die SPD stellt sich hinter ihr Ministerium. Der Abgeordnete Klose betonte die Unverzichtbarkeit von Tarifverträgen für faire Arbeitsbedingungen.

Das Ministerium selbst wiegelt ab: Es handle sich um einen internen Referentenentwurf, der noch abgestimmt werden müsse. Die Entscheidung über die strittigen Punkte fällt voraissentlich beim Koalitionsgipfel am 1. Juli. Bis dahin dürfte die Debatte noch weiter an Fahrt gewinnen.

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