Arbeitsstress: 52 Prozent haben wegen des Jobs schon einmal geweint
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Psychischer Druck am Arbeitsplatz macht sich bei vielen Erwerbstätigen durch deutliche emotionale Reaktionen bemerkbar. Wie eine Befragung des Karriereportals karriere.at unter seinen Nutzerinnen und Nutzern zeigt, die zwischen dem 16. März und dem 1. Mai 2026 durchgeführt wurde, stoßen zahlreiche Beschäftigte im Berufsalltag an ihre Grenzen.
Laut einem Bericht vom 29. September 2026 gaben 52 Prozent von 2.235 befragten Personen an, bereits mindestens einmal wegen der Arbeit geweint zu haben. Zudem berichteten 64 Prozent von 1.693 Teilnehmenden von mindestens einem arbeitsbedingten Wutausbruch.
Regelmäßige Belastungsgrenzen im beruflichen Alltag
Die Umfragedaten von karriere.at verdeutlichen, dass emotionale Überlastung für viele Arbeitnehmer kein seltenes Phänomen darstellt. Von 1.467 Befragten gaben jeweils 31 Prozent an, mehrmals im Monat oder zumindest ein paar Mal im Jahr an ihre persönliche emotionale Belastungsgrenze zu geraten.
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Hinsichtlich der benötigten Hilfestellungen äußerten 1.189 Antwortende konkrete Vorstellungen. Am häufigsten nannten die Beschäftigten eine Reduzierung der Arbeitslast, die sich 34 Prozent der Befragten wünschen.
Für 32 Prozent steht ein klärendes Gespräch mit der Führungskraft an vorderer Stelle. Eine professionelle Beratung erachten 29 Prozent als sinnvoll, während 28 Prozent den regelmäßigen Austausch im Team als wichtige Unterstützung zur Bewältigung der Anforderungen ansehen.
Lücken zwischen betrieblicher Erfassung und konkreten Maßnahmen
Dass die Wahrnehmung psychischer Belastungen in Unternehmen eine gesetzliche Pflicht darstellt, zeigt der Blick auf das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG). Laut einer Studie der Arbeiterkammer aus dem Jahr 2024 evaluieren rund 70 Prozent der Betriebe die psychischen Belastungen regelmäßig, da entsprechende Erhebungen gesetzlich vorgeschrieben sind.
Gleichwohl zeigt sich in der betrieblichen Praxis eine deutliche Diskrepanz zwischen Datenerhebung und Umsetzung. Nach Einschätzung eines Arbeitspsychologen ziehe höchstens ein Drittel der Unternehmen einen echten Nutzen aus den durchgeführten Evaluierungen. Häufig bleibe das gesammelte Datenmaterial liegen, ohne dass konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Belegschaft abgeleitet oder umgesetzt würden.
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Betriebliche Gesundheitsförderung als betrieblicher Hebel
Ergänzende Untersuchungen zur betrieblichen Praxis weisen darauf hin, dass gezielte Maßnahmen das Wohlbefinden und die Produktivität messbar beeinflussen können.
In der Studie „Gesunde Arbeit“ der Krankenkasse Barmer unter 550 Entscheidungsträgern aus dem Mittelstand berichteten Unternehmen über spürbare Effekte des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Fast ein Drittel der befragten Betriebe konnte durch BGM die Fehlzeiten messbar verringern.
Darüber hinaus verzeichneten 59 Prozent der teilnehmenden Unternehmen ein besseres Betriebsklima und 56 Prozent eine höhere Arbeitszufriedenheit. Jeweils 40 Prozent bemerkten eine gestiegene Arbeitgeberattraktivität und 34 Prozent eine höhere Produktivität.
Die Gesundheit der Mitarbeitenden stufen 94 Prozent der Betriebe als wesentlichen Erfolgsfaktor ein, was dem Stellenwert von Produktqualität (96 Prozent) und Kundenzufriedenheit (97 Prozent) nahekommt.
Gleichzeitig verharren Kurzzeit-Krankmeldungen seit 2023 bei 44 Prozent der Unternehmen auf unverändertem Niveau, stiegen bei 33 Prozent an und gingen bei rund 20 Prozent zurück. Fast die Hälfte der Firmenvertreter vertritt zudem die Ansicht, Beschäftigte meldeten sich bei Bagatellen zu schnell krank – eine Wahrnehmung, der 28 Prozent widersprechen.
