Arbeitsstress, Milliarden

Arbeitsstress: 119 Milliarden Euro Folgekosten durch innere Kündigung

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen hohe digitale Belastung, geringe Mitarbeiterbindung und Milliardenkosten psychischer Probleme. Klare Arbeitsregeln sollen gegensteuern.

Arbeitswelt unter Druck: Digitale Erreichbarkeit belastet Beschäftigte
Ein minimalistischer, ruhiger Arbeitsplatz bei Sonnenuntergang mit einem geschlossenen Notizbuch und einer leeren Tasse auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Fachpublikationen und Arbeitsmarktexperten analysieren verstärkt Methoden, mit denen sich durch gesteigerte Verbindlichkeit und klaren Fokus die Wirksamkeit im Arbeitsalltag erhöhen lässt. Gleichzeitig rückt die Notwendigkeit in den Mittelpunkt, psychische Belastungen durch eindeutige Grenzen und geregelte Arbeitsweisen wirksam einzudämmen.

Digitaler Stress durch permanente Erreichbarkeit

Untersuchungen verdeutlichen, dass mangelnde Abgrenzung im Berufsleben direkte Auswirkungen auf das Wohlbefinden hat. Die Studie „Always-on: Digitaler Stress in Deutschland“ der IU Internationalen Hochschule zeigt, dass sich 44,2 Prozent der Befragten gedanklich ständig auf Empfang fühlen und 46,9 Prozent innerlich angespannt sind.

Rund 81,0 Prozent schauen mindestens ein- bis zweimal pro Stunde ohne konkrete Benachrichtigung auf ihre Endgeräte; bei den 16- bis 30-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 90,6 Prozent.

Zudem geben 51,7 Prozent der Befragten an, dass ihre Aufmerksamkeit kontinuierlich springt, während 44,3 Prozent sich von der reinen Informationsmenge überfordert zeigen. Beruflich wie privat fühlen sich 42,2 Prozent der Arbeitnehmer permanent erreichbar, 32,9 Prozent auch außerhalb der regulären Arbeitszeit.

Vor diesem Hintergrund äußern 56,0 Prozent den Wunsch, häufiger offline zu sein. Zu den praktizierten Gegenmaßnahmen zählen das Deaktivieren von Push-Benachrichtigungen bei 38,4 Prozent der Befragten und die Nutzung des Nicht-stören-Modus bei 29,5 Prozent.

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Fehlende Bindung verursacht hohe Folgekosten

Mangelnde Klarheit und unzureichende Führungsprozesse wirken sich auch auf die emotionale Bindung der Beschäftigten aus. Nach Erkenntnissen des Gallup Engagement Index Deutschland 2025 weisen lediglich 10 Prozent der Beschäftigten eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber auf, während 13 Prozent innerlich gekündigt haben. Die Folgekosten aus Produktivitätsverlusten und innerer Kündigung beziffert Gallup für das Jahr 2025 auf mindestens 119 Milliarden Euro.

Führungsqualität entstehe dabei nicht zufällig, sondern erfordere gestaltbare Rahmenbedingungen. Experten empfehlen Unternehmen, Führungsqualität systematisch über Befragungen zu erfassen, Ergebnisse auf Teamebene zu analysieren und verbindliche Entwicklungsmaßnahmen abzuleiten.

Betriebliche Prävention und institutioneller Gesundheitsschutz

Auch auf gesundheitlicher Ebene wird die Dringlichkeit organisatorischer Leitplanken unterstrichen. Das Bundesamt für Gesundheit führt arbeitsbezogenen Stress und Burnout als gravierende Risiken, deren Erholungsphasen Wochen bis Monate in Anspruch nehmen können. Als präventive Maßnahmen gelten verbindliche Arbeitszeiten, definierte Erreichbarkeitsfenster sowie feste Erholungsphasen.

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Die Relevanz betrieblicher Rahmenbedingungen spiegelt sich ebenfalls in Erhebungen der Schweizer Wirtschaft wider: Auf einer Veranstaltung in Zürich bezifferte Roman Sonderegger, CEO der Krankenkasse Helsana, die jährlichen Kosten psychischer Probleme in der Schweizer Arbeitswelt auf rund 6,5 Milliarden Franken, verbunden mit durchschnittlich 150 Tagen Absenz bei betroffenen Personen.

Cosima Dorsemagen von der Fachhochschule Nordwestschweiz wies darauf hin, dass mehr als die Hälfte der Krankschreibungen aus psychischen Gründen unmittelbar mit Konflikten am Arbeitsplatz zusammenhängt.

Dass betriebliche Gesundheitsförderung dennoch auf Hürden stößt, belegt die BARMER-Studie „Gesunde Arbeit. Anspruch und Wirklichkeit im Mittelstand“ aus dem Frühjahr 2026. Zwar bewerten 94 Prozent der 550 befragten Führungskräfte die Mitarbeitergesundheit als zentralen Erfolgsfaktor, das häufigste praktische Hindernis bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen bleibt jedoch fehlende Zeit im operativen Alltag.

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