Arbeitsmodelle, Flexibilität

Arbeitsmodelle: 75% wünschen sich Flexibilität nach Lebensphase

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine PwC-Studie zeigt den Wunsch nach lebensphasengerechter Arbeit. Homeoffice kann die Produktivität erhöhen, während Überlastung früh erkannt werden sollte.

Flexible Karrierewege: Wie kleine Schritte Arbeit und Leben verändern
Minimalistischer, moderner Schreibtisch in einem hellen Büro mit Notizbuch und Pflanze vor einem unscharfen Fensterblick. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Gestaltung beruflicher Laufbahnen unterliegt einem deutlichen Wandel, der weg von starren, langfristigen Zielsetzungen hin zu flexibleren Modellen führt.

In ihrem im Jahr 2026 im Redline Verlag erschienenen Buch „Tiny Experiments“ legt die Neurowissenschaftlerin Anne-Laure Le Cunff dar, dass der Verzicht auf lineare Karriereziele zugunsten kleiner, kontrollierter Erprobungen zu nachhaltigerem Erfolg führen könne. Erfolg werde dabei nicht primär durch äußere Meilensteine, sondern durch ein Leben im Einklang mit den eigenen Bedürfnissen definiert.

Lebensphasen und psychische Belastung im Fokus

Dass der Wunsch nach flexiblen Rahmenbedingungen kein Nischenthema ist, unterstreicht eine im August 2026 veröffentlichte PwC-Studie mit dem Titel „Arbeiten im Wandel der Lebensphasen“. Von den 1.092 befragten Erwerbstätigen in Österreich gaben 75 Prozent an, Arbeitsmodelle zu bevorzugen, die sich an der jeweiligen Lebensphase orientieren.

Die Untersuchung verdeutlicht zudem den Druck auf die Arbeitnehmerschaft: 63 Prozent der Befragten berichteten von einer gestiegenen psychischen Belastung. Besonders drastisch zeige sich dies bei Personen mit Pflegeverantwortung, von denen 83 Prozent eine erhöhte Belastung angaben. Auch beim Blick in die Zukunft zeigen sich Unterschiede je nach Lebensabschnitt.

Während 70 Prozent der Befragten optimistisch auf den Karriereaufbau blicken, sinkt dieser Wert in der späten Berufsphase auf 59 Prozent und bei bestehender Pflegeverantwortung auf 48 Prozent. Zudem besteht eine Lücke bei der finanziellen Absicherung: Lediglich 48 Prozent der Frauen sehen klare Verhältnisse für ihre Pension, während dies bei den Männern 62 Prozent sind.

Alternative Wege zur Leistungsspitze

Die Abkehr von vorgezeichneten Wegen lässt sich auch an individuellen Biografien nachvollziehen. Nancy Jorgensen beschrieb im August 2026 den Werdegang ihrer Tochter Gwen Jorgensen, die 2016 olympisches Gold im Triathlon gewann. Der Weg dorthin verlief nicht geradlinig: Nachdem sie kein Schwimmstipendium erhalten hatte, war sie zunächst als Wirtschaftsprüferin tätig.

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Erst sieben Jahre nach ihrem Einstieg in den Triathlon erreichte sie den Olympiasieg, nachdem sie drei Jahre zuvor noch den 38. Platz belegt hatte. Der Fokus habe hierbei auf der Ausbildung von Selbstständigkeit und dem Umgang mit Rückschlägen gelegen.

Ähnliche Flexibilität zeigt sich am Ende der Erwerbsbiografie. Ein Beispiel aus den USA belegt, wie George Crabtree nach einer 40-jährigen Karriere durch ein Modell der flexiblen Teilzeit aus dem Ruhestand zurückgeholt wurde. Dieser „Teilruhestand“ ermögliche eine fließende Grenze zwischen Erwerbsarbeit und Freizeit.

Produktivität und die Rolle der Führung

Moderne Arbeitsformen wie das Homeoffice haben laut aktuellen Daten erheblichen Einfluss auf die Effizienz. Eine Studie unter Beteiligung der Techniker Krankenkasse zeigt, dass ein Homeoffice-Anteil von bis zu 60 Prozent die Produktivität um 20 Prozent steigern könne.

Dennoch bleibt die Umsetzung oft ein Streitthema in Unternehmen. Eine sechsjährige Untersuchung der Wharton School unter mehreren Hundert Führungskräften identifizierte Narzissmus als den einzigen Persönlichkeitszug, der die Ablehnung von Homeoffice-Lösungen statistisch vorhersage.

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Experten raten im Umgang mit narzisstischen Führungsmustern dazu, gezielt das Verhalten statt die Person anzusprechen und Verbündete im Team zu suchen. Warnsignale seien hierbei Egozentrik, übermäßige Empfindlichkeit und ein Mangel an Empathie.

Prävention von Erschöpfungszuständen

Wenn die Anpassung der Arbeitsbedingungen fehlschlägt, drohen gesundheitliche Konsequenzen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Burnout im ICD-11 als rein arbeitsbezogenes Phänomen, das durch Erschöpfung und wachsende Distanz zur Arbeit gekennzeichnet ist. Der Prozess verlaufe typischerweise in vier Phasen – von Überengagement über Erschöpfung und Distanzierung bis zum Zusammenbruch.

Ein frühes Eingreifen bereits in der zweiten Phase der Erschöpfung sei entscheidend, um schwerwiegende Folgen wie Depressionen oder Suchterkrankungen zu vermeiden. Das Modell der „winzigen Experimente“, wie es Anne-Laure Le Cunff vorschlägt, bietet hierbei einen präventiven Ansatz, um die berufliche Entwicklung fortlaufend zu justieren und Überlastungen frühzeitig entgegenzuwirken.

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