Arbeitslosigkeit, Frauen

Arbeitslosigkeit 61-Jähriger: Frauen in Österreich um 1.238% gestiegen

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Anhebung des Pensionsalters führt zu einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit bei älteren Frauen in Österreich. Besonders betroffen sind 61-Jährige.

Österreich: Arbeitslosigkeit bei 61-jährigen Frauen explodiert um 1.200 Prozent
Eine nachdenkliche ältere Frau in Österreich blickt aus einem Fenster, was die Herausforderungen des Arbeitsmarktes für ältere Frauen widerspiegelt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

200 Prozent gestiegen. Grund ist die schrittweise Anhebung des Pensionsalters.

Die aktuellen Daten für Juni 2026 zeigen eine dramatische Entwicklung. In Oberösterreich stieg die Arbeitslosigkeit bei 60- bis 64-jährigen Frauen um 31,9 Prozent. Besonders krass trifft es den Jahrgang der 61-Jährigen: Von 34 auf 455 Arbeitslose – ein Plus von 1.238,2 Prozent.

Zum Vergleich: Bei den Männern im selben Alter legte die Arbeitslosigkeit nur um 3,8 Prozent zu. Bundesweit fällt der Unterschied noch deutlicher aus: 1.252,4 Prozent Plus bei den Frauen gegenüber 0,8 Prozent bei den Männern.

Pensionsalter-Anhebung als Hauptgrund

Experten sehen die Ursache klar in der schrittweisen Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters für Frauen. Sie müssen länger dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen – doch die nötigen Arbeitsplätze und Förderprogramme fehlen.

Auch in Salzburg zeigt sich der Trend. Die Arbeitslosenquote lag im ersten Halbjahr 2026 bei 4,7 Prozent. Während sie bei Männern stagnierte, stieg sie bei Frauen um 7,5 Prozent. Bei den Über-50-Jährigen gab es ein Plus von 5,6 Prozent.

Wiedereinstieg wird zur Geduldsprobe

Mit dem Alter sinken die Chancen auf einen schnellen Jobwechsel rapide. 69 Prozent der 20- bis 24-Jährigen finden in unter drei Monaten eine neue Stelle. Bei den 60- bis 64-Jährigen schaffen das nur 31 Prozent.

Das Arbeitsmarktservice (AMS) verweist auf anhaltende Vorurteile in vielen Betrieben gegenüber älteren Arbeitskräften. Die Folge: Immer mehr Frauen rutschen in die Langzeitarbeitslosigkeit. Hier stiegen die Zahlen um 44,3 Prozent – bei Männern waren es 17,9 Prozent.

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Altersarmut droht durch Pflege und Kürzungen

Die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich schlägt Alarm. Ältere Frauen seien überproportional von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Gefordert wird eine aktive Arbeitsmarktpolitik gegen Altersdiskriminierung.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Pflege von Angehörigen schmälert die Rentenansprüche erheblich. Eine Studie im European Journal of Ageing zeigt, dass Rentenpunkte nur unter strengen Auflagen angerechnet werden – etwa bei mindestens zehn Stunden Pflege pro Woche. Ein aktueller Referentenentwurf sieht zudem vor, die Beiträge für pflegende Angehörige auf 70 Prozent zu kürzen.

Kritik an Förderkürzungen

AK-Präsident Stangl fordert verstärkte Maßnahmen gegen die Diskriminierung älterer Frauen. Besonders kritisch: Im Zuge von Budgetentscheidungen wurden Eingliederungsbeihilfen gekürzt – genau jene Förderungen, die benachteiligten Gruppen den Wiedereinstieg erleichtern sollen.

Doch nicht nur ältere Frauen haben es schwer. Eine AK-Wien-Analyse zur Praktikumssituation zeigt: Der Anteil an Pflichtpraktika stieg seit 2019 von 24 auf 29 Prozent – aber nur jedes dritte wird bezahlt. Besonders in weiblich dominierten Bereichen wie Gesundheitswesen und Lehramt ist unbezahlte Arbeit weit verbreitet. Das Geschlechtergefälle ist enorm: 63 Prozent der männlichen Studenten erhielten Geld für ihr Praktikum, aber nur 42 Prozent der Studentinnen. Die AK fordert eine gesetzliche Neuregelung für faire Bedingungen ab dem ersten Berufstag.

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