Arbeitsdruck: 52 Prozent mussten wegen beruflicher Belastung schon weinen
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 05:08 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie psychische Belastung am Arbeitsplatz sowie die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken rücken verstärkt in den Fokus der betrieblichen Gesundheitsvorsorge.
Laut einem Bericht vom 30. September 2026 fordert der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) wirksame Maßnahmen gegen zunehmenden Arbeitsdruck, Personalmangel und Überforderung. Dabei wird auf die gesetzliche Verpflichtung der Arbeitgeber verwiesen, psychische Belastungen im Rahmen der Arbeitsplatzevaluierung systematisch zu erheben.
Emotionale Erschöpfung und mangelnde Umsetzung der Evaluierung
Die Dringlichkeit dieser Forderungen wird durch aktuelle Umfragedaten unterstrichen. Eine Erhebung von karriere.at mit 2.235 Teilnehmenden zeigt, dass 52 Prozent der Befragten bereits mindestens einmal aufgrund beruflicher Belastungen weinen mussten.
Ein Wutausbruch am Arbeitsplatz wurde von 64 Prozent der 1.693 Antwortenden gemeldet. Besonders besorgniserregend ist die Häufigkeit der Belastung: Jeweils 31 Prozent der 1.467 Befragten gaben an, mehrmals im Monat oder mehrmals im Jahr an ihre emotionale Belastungsgrenze zu stoßen.
Als wichtigste Entlastungsmaßnahme nannten 34 Prozent der Teilnehmenden eine Verringerung der Arbeitslast. Dies rangiert in der Priorität vor Gesprächen mit Vorgesetzten (32 Prozent), professioneller Beratung (29 Prozent) und dem Austausch im Team (28 Prozent).
Trotz der seit 1995 im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) verankerten Pflicht zur Evaluierung psychischer Belastungen weist eine Studie der Arbeiterkammer aus dem Jahr 2024 Defizite in der Umsetzung auf.
Demnach evaluieren lediglich 70 Prozent der Unternehmen diese Belastungen regelmäßig. Ein Experte der Arbeiterkammer stellte fest, dass maximal ein Drittel der Betriebe einen tatsächlichen Nutzen aus diesen Erhebungen ziehe, da die gewonnenen Daten häufig ohne Konsequenzen blieben.
Bewegungsmangel und dessen Auswirkungen auf die Psyche
Ein wesentlicher Faktor für das psychische Wohlbefinden ist die körperliche Aktivität. Eine im Juli 2026 durchgeführte ASICS-Studie unter 34.000 Menschen in 31 Ländern zeigt eine ausgeprägte Tendenz zur Bewegungsarmut.
Demnach verbringen Menschen 86 Prozent ihrer Wachzeit ohne Bewegung. Rund 53 Prozent der Erwachsenen erreichen das empfohlene Bewegungsniveau nicht, während 23 Prozent weniger als 30 Minuten Sport pro Woche treiben.
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Diese Inaktivität spiegelt sich im „State of Mind-Index“ wider: Aktive Personen erreichen 71 von 100 Punkten, während Menschen mit eingeschränktem Bewegungsniveau lediglich auf 60 Punkte kommen. Letztere fühlen sich laut der Untersuchung zu 23 Prozent weniger energiegeladen und zu 16 Prozent stärker gestresst.
Besonders betroffen sind 18- bis 24-Jährige, von denen 57 Prozent die empfohlenen Bewegungsmengen unterschreiten. 92 Prozent dieser Altersgruppe berichten von Folgen wie Stress, Schlafstörungen oder schlechter Laune.
Forschungsergebnisse zu Kurzinterventionen und Arbeitsplatzgestaltung
Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass bereits geringe Anpassungen signifikante Verbesserungen bewirken können. Die ASICS-Studie legt nahe, dass schon 15 Minuten Bewegung eine messbare positive Veränderung erzielen.
Forscher der University of Tsukuba beobachteten bei einer Untersuchung mit 24 jungen Erwachsenen, dass zehn Minuten sehr langsames Laufen die kognitive Leistungsfähigkeit und die Stimmung stärker verbesserten als ruhiges Sitzen.
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Auch im Bereich des Krafttrainings zeigen sich Effekte. Eine Studie der University of Limerick mit 55 Frauen, die unter subklinischen Angststörungen litten, belegte eine Senkung depressiver Beschwerden durch acht Wochen Krafttraining. In der Gruppe mit mittlerer bis hoher Intensität sank die Belastung um 54 Prozent, bei sehr leichten Gewichten um 43 Prozent.
Neben sportlicher Aktivität gewinnt die Berücksichtigung von Chronotypen an Bedeutung. In der Klinik Wartenberg führte eine Anpassung der Schichtzeiten an den biologischen Rhythmus der Mitarbeitenden dazu, dass die Tagesmüdigkeit um 72 Prozent sank und die Zahl der Beschäftigten mit mehr als drei Krankheitstagen um 48 Prozent zurückging.
Ein norwegisches Unternehmen berichtete zudem von einer Steigerung der Zufriedenheit von 48 auf 95 Prozent, nachdem Besprechungen grundsätzlich erst ab zehn Uhr angesetzt wurden.
Diese Erkenntnisse fließen auch in die Ausbildung ein. Mitte September 2026 befassten sich rund 200 Lernende aus dem Gastgewerbe beim Luzerner Lernendenforum in Workshops mit Resilienz und psychischer Gesundheit. Der Luzerner Regierungsratspräsident betonte in diesem Rahmen, dass die Förderung der psychischen Widerstandskraft keine Nebensache, sondern eine grundlegende Voraussetzung für die berufliche Leistungsfähigkeit sei.
