Arbeitsbelastung, Fehlzeiten

Arbeitsbelastung: Fehlzeiten auf 8,2 Tage gestiegen, 6,5 Mrd. Euro Kosten

04.06.2026 - 14:18:24 | boerse-global.de

Krankheitstage steigen auf Rekordniveau, psychische Belastung nimmt zu. Meta führt umstrittenes Überwachungstool ein, Politik plant Reformen.

Arbeitsbelastung: Fehlzeiten auf 8,2 Tage gestiegen, 6,5 Mrd. Euro Kosten - Bild: über boerse-global.de
Arbeitsbelastung: Fehlzeiten auf 8,2 Tage gestiegen, 6,5 Mrd. Euro Kosten - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Daten zeigen: Fehlzeiten steigen, die mentale Gesundheit leidet.

Fehlzeiten auf Rekordniveau

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Das Bundesamt für Statistik (BFS) dokumentiert einen Anstieg der Krankheitstage bei Vollzeitstellen von 7,2 Tagen (2019) auf 8,2 Tage (2025). Bereits 2022 fühlten sich 28,2 Prozent der Erwerbstätigen gestresst – über 30 Prozent litten unter emotionaler Erschöpfung. Die volkswirtschaftlichen Kosten: rund 6,5 Milliarden Schweizer Franken allein für 2022.

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Die Techniker Krankenkasse stellte 2021 fest: Jeder vierte Befragte fühlt sich häufig gestresst. Moderne Stressoren sind Mental Load, Perfektionismus – und vor allem Techno-Stress durch permanente Verfügbarkeit. Berichte über nächtliche Arbeitsanweisungen und 24/7-Erreichbarkeit verdeutlichen den Druck.

Die Folgen zeigen sich auch in den Kündigungszahlen. Laut Gallup-Daten von 2023 kündigen 59 Prozent der Beschäftigten innerlich – bekannt als „Quiet Quitting“. Hauptgrund: Druck durch das Management.

Wenn Veränderung krank macht

Nicht nur die Erreichbarkeit belastet. Ständige Umstrukturierungen in Unternehmen fordern ihren Tribut. Eine Umfrage der TU Dresden unter über 2.800 Beschäftigten ergab: Mehr als ein Drittel leidet unter „Transformation Fatigue“ – Erschöpfung durch fortwährende Veränderungsprozesse.

Meta überwacht eigene Mitarbeiter

Besonders brisant: die technologische Überwachung am Arbeitsplatz. Im April 2026 führte Meta ein internes Programm namens „Model Capability Initiative“ (MCI) ein. Das Tool erfasste Tastatureingaben, Mausbewegungen und Screenshots in über 200 Anwendungen.

Nach massiven Mitarbeiterprotesten lenkte der Konzern ein. Beschäftigte können das System nun für bis zu 30 Minuten pausieren. Datenschutzorganisationen wie NOYB kritisieren das Vorgehen scharf – mögliche Verstöße gegen die DSGVO stehen im Raum, besonders bei der Erfassung europäischer Mitarbeiterkommunikation.

Politik plant Arbeitszeit-Reform

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat für Juni 2026 einen Reform-Entwurf angekündigt. Kern: Umstellung von täglicher auf wöchentliche Höchstarbeitszeit – maximal 48 Stunden pro Woche.

Ein Bündnis aus 14 Wirtschaftsverbänden – darunter DEHOGA und der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) – unterstützt die Flexibilisierung. Die Ruhezeit von elf Stunden soll erhalten bleiben.

Weiter gehen Vorstöße in der Schweiz. Dort diskutiert das Parlament eine Verkürzung der Ruhezeit auf neun Stunden oder Arbeitstage von bis zu 17 Stunden. Auch die Lockerung des Arztgeheimnisses gegenüber Arbeitgebern steht auf der Agenda.

Betriebliches Eingliederungsmanagement lohnt sich

Angesichts steigender Krankenstände gewinnt das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) an Bedeutung. Eine Civey-Studie zeigt: 58,7 Prozent der Erwerbstätigen nehmen eine gestiegene Arbeitsbelastung wahr. Fast die Hälfte der HR-Verantwortlichen berichtet über steigende Krankenstände.

Das BEM-Verfahren – gesetzlich verankert für Beschäftigte, die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind – rechnet sich. Modellrechnungen der Hochschule Aalen ergeben einen Return on Investment von 1:4,80.

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Neue Berufskrankheiten erkannt

Die Politik reagiert auch auf physische Risiken. Ende Mai 2026 beschloss das Bundeskabinett die Aufnahme des Parkinson-Syndroms durch Pestizide in die Liste der Berufskrankheiten. Besonders betroffen: die Land- und Forstwirtschaft.

Und der Klimawandel hinterlässt Spuren. Analysen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) belegen: Längere Hitzeperioden lassen die Krankmeldungen statistisch signifikant ansteigen – mit zusätzlichen Kosten für die Lohnfortzahlung.

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