Apple-Urteil, Milliarden

Apple-Urteil: 5,7 Milliarden Dollar Schadenersatz für Taptic-Engine-Patente

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 07:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Jury sprach Taction Schadenersatz zu; Apple bestreitet die Patentverletzung und will gegen das Urteil vorgehen.

Apple soll wegen Taction-Patenten 5,7 Milliarden Dollar zahlen
Nahaufnahme von zerlegten elektromagnetischen Bauteilen und Spulen auf einem sterilen Labortisch in einer Forschungseinrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Eine US-Geschworenenjury am District Court for the Southern District of California in San Diego hat entschieden, dass Apple wegen der Verletzung von zwei Haptik-Patenten des Unternehmens Taction Technology Schadenersatz in Höhe von 5,7 Milliarden US-Dollar zahlen muss.

Der exakte Betrag beläuft sich auf 5.721.961.750 US-Dollar, was aktuell gut fünf Milliarden Euro entspricht. Es handelt sich um den höchsten Schadenersatz, der jemals in einem Patentverfahren in den Vereinigten Staaten festgesetzt wurde.

Streit um Technologie der Taptic Engine

Gegenstand der Entscheidung ist die von Apple genutzte Taptic Engine, die für taktile Rückmeldungen und Vibrationsalarme sorgt. Sie ist in jedem iPhone seit dem Modell iPhone 6s sowie in jeder Apple Watch verbaut. Jährlich werden über 200 Millionen dieser Geräte abgesetzt.

Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass Apple drei Patentansprüche aus zwei Schutzrechten von Taction Technology verletzt hat. Konkret geht es um die US-Patente Nummer 10,659,885 und 10,820,117, die taktile Transducer betreffen.

Beide Schutzrechte weisen noch eine Restlaufzeit von rund neun Jahren auf. Das erste Patent wurde im Mai 2020 erteilt; für die Schadensberechnung sind daher erst Verkäufe ab diesem Zeitpunkt relevant. Ein vorsätzliches Handeln Apples stellte die Jury nicht fest. Wäre Vorsatz festgestellt worden, hätte das Gericht den Schadenersatz verdreifachen können.

Taction Technology hat seinen Sitz ebenfalls in San Diego und stellt Audio- und Gaming-Peripherie mit Haptic Feedback her, darunter Kopfhörer und Gaming-Headsets. Finanziert wird die Klage durch Gronostaj Investments und Kenosha Investments, ein Tochterunternehmen von Burford Capital.

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Jahrelanger Rechtsstreit vor Gericht

Das Urteil erging an einem Freitag nach zweitägigen Beratungen der Jury. Der Prozess hatte am 14. September 2026 begonnen. Zuvor lief die juristische Auseinandersetzung bereits über fünfeinhalb Jahre. Taction Technology hatte die Klage im April 2021 beim zuständigen US-Bezirksgericht eingereicht.

Der Rechtsstreit hatte zwischenzeitlich eine Wendung genommen: Im August 2023 wies Richter Todd W. Robinson die Klage nach einer engen Auslegung des Begriffs einer hochgedämpften Ausgabe ab.

Der Federal Circuit hob diese Abweisung jedoch im August 2025 auf und verwies das Verfahren zur Neuverhandlung an die Vorinstanz zurück. Ein Vertreter der Kanzlei Quinn Emanuel, die Taction vertritt, verwies darauf, dass man fünf Jahre auf diesen Ausgang gewartet habe.

Apple kündigt Berufung an

Apple wies die Vorwürfe umgehend zurück und kündigte Rechtsmittel an. Der Konzern betonte, keine Technologie von Taction zu nutzen, und werde Berufung einlegen. Zudem bezeichnete das Unternehmen die Berechnung der Schadenssumme als nicht faktenbasiert; die eigene Taptic Engine sei grundlegend verschieden aufgebaut. Nach dem Spruch der Geschworenen schließt sich nun zunächst ein reguläres Nachurteil-Verfahren an.

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Die Rekordentscheidung übertrifft das bisherige Höchsturteil im Streit zwischen VLSI und Intel aus dem Jahr 2021 mit 2,18 Milliarden US-Dollar um etwa das Zweieinhalbfache.

Beobachter verweisen auf frühere Fälle mit extrem hohen Summen, darunter die Auseinandersetzungen zwischen Idenix und Gilead aus dem Jahr 2016 über 2,54 Milliarden US-Dollar oder der Fall von Caltech gegen Apple und Broadcom aus dem Jahr 2020 mit 1,1 Milliarden US-Dollar.

In sämtlichen dieser Verfahren wurden die ursprünglichen Urteile in der Berufungsinstanz aufgehoben oder zurückverwiesen. Vor diesem Hintergrund gilt als wahrscheinlich, dass eine tatsächliche Zahlung im vorliegenden Fall im Milliardenbereich niedriger ausfallen könnte.

Mehr zum Thema bei Süddeutsche Zeitung: „Technik-Streit - Patent-Urteil: Apple soll 5,7 Milliarden Dollar zahlen - Wirtschaft“

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