Apple-Tracking, Sammelklage

Apple-Tracking: Sammelklage in London fordert 2,3 Milliarden Euro

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 07:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine britische Sammelklage fordert 2 Milliarden Pfund von Apple. Entwickler kritisieren ATT, während der Konzern die Vorwürfe zurückweist.

Apple wegen ATT in Großbritannien mit Milliardenklage konfrontiert
Ein modernes Gerichtsgebäude mit Glas- und Stahlfassade unter einem bewölkten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Anfang September haben deutsche Verleger und Werbeverbände kartellrechtliche Maßnahmen gegen den US-Konzern Apple gefordert. Der Vorwurf richtet sich gegen das sogenannte App Tracking Transparency-Framework (ATT), welches nach Ansicht der Branchenvertreter den Wettbewerb verzerrt.

Flankiert wird diese Forderung durch eine am 3. September 2026 eingereichte Sammelklage in London, die das Volumen von 2 Milliarden Britischen Pfund (ca. 2,3 Milliarden Euro bzw. 2,7 Milliarden US-Dollar) erreicht.

Massive Entschädigungsforderung in Großbritannien

Die Organisation ATT Collective Action Ltd hat die Klage beim Competition Appeal Tribunal eingereicht. Geleitet wird das Vorhaben von Ann Pope, einer ehemaligen Senior-Direktorin der britischen Wettbewerbsbehörde CMA. Die rechtliche Vertretung übernimmt die Anwaltskanzlei Hausfeld. Das Verfahren zielt darauf ab, Entschädigungen für schätzungsweise 13.000 betroffene Entwickler zu erstreiten.

Hintergrund der juristischen Auseinandersetzung ist das im Jahr 2021 eingeführte ATT-System. Dieses verpflichtet Drittentwickler dazu, eine explizite Zustimmung der Nutzer einzuholen, bevor deren Aktivitäten über verschiedene Apps und Websites hinweg nachverfolgt werden können.

Die Kläger werfen Apple vor, für Drittanbieter deutlich strengere Regeln – ein sogenanntes doppeltes Opt-in – anzuwenden als für die konzerneigenen Dienste. Dies habe zur Folge, dass Werbeeinnahmen der Entwickler sanken, während die Kosten für die Akquise neuer Nutzer stiegen.

Wirtschaftliche Verschiebungen im Werbemarkt

Die Auswirkungen dieser Richtlinien spiegeln sich laut den Klägern auch in den Geschäftszahlen wider. Während externe Entwickler mit Umsatseinbußen zu kämpfen hatten, verzeichnete Apple in seinem eigenen Werbegeschäft ein signifikantes Wachstum. Im Zeitraum von 2020 bis 2025 stiegen die entsprechenden Umsätze des Konzerns von 1,5 Milliarden US-Dollar auf 7,4 Milliarden US-Dollar.

Anzeige

Wer sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen der digitalen Welt befasst, steht oft vor neuen Herausforderungen durch geänderte Gesetze. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt kennen müssen. KI-Gesetze und Cyberrisiken: Kostenlosen Report anfordern

Apple weist die Vorwürfe zurück und betont, dass der Konzern an dieselben Anforderungen gebunden sei wie alle anderen Marktteilnehmer. Das Framework diene primär dem Datenschutz und solle den Anwendern die Kontrolle über ihre persönlichen Informationen zurückgeben. Zu der spezifischen Klage in London gab das Unternehmen bisher keine Stellungnahme ab.

Europäische Aufsichtsbehörden erhöhen den Druck

Die Forderungen der deutschen Verleger stehen in einem Kontext verschärfter regulatorischer Aufsicht in ganz Europa. Bereits in der Vergangenheit wurde Apple wegen wettbewerbsrelevanter Praktiken sanktioniert. In Frankreich belief sich eine Geldbuße auf 150 Millionen Euro, während die italienischen Behörden eine Strafe von rund 100 Millionen Euro verhängten.

Anzeige

Während große Plattformen über Datenschutz-Frameworks streiten, müssen kleine Unternehmen ihre IT-Sicherheit oft mit begrenzten Ressourcen bewältigen. Dieses Gratis-E-Book enthüllt, wie Sie Sicherheitslücken schließen und gleichzeitig neue gesetzliche Anforderungen erfüllen. IT-Sicherheit stärken ohne teure Investitionen

Aktuell laufen zudem Untersuchungen in Polen, Frankreich, Italien und Deutschland. Die deutsche Regulierungsbehörde hatte Apple bereits zuvor den Missbrauch seiner Marktmacht vorgeworfen. Als Reaktion darauf stimmte der Konzern im August bestimmten Anpassungen zu, um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken auszuräumen.

Die neue Sammelklage in Großbritannien schließt an ein früheres Verfahren wegen App-Store-Provisionen in Höhe von rund 1,5 Milliarden Britischen Pfund an, gegen das Apple derzeit Berufung eingelegt hat. Das aktuelle Verfahren zum Tracking-Framework benötigt für den Fortgang zunächst eine offizielle Zulassung (Certification).

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70052706 |