Apple-Spähwarnungen: BSI stuft Angriffe auf iPhones als glaubwürdig ein
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 22:05 Uhr | Redaktion boerse-global.deNach den jüngsten Warnungen vor gezielten Spähangriffen auf Apple-Geräte in Deutschland hat Grünen-Chefin Franziska Brantner am Dienstagmorgen bestätigt, ebenfalls betroffen zu sein. Sie gehört damit zu dem Kreis politischer Persönlichkeiten, die eine direkte Bedrohungswarnung des Herstellers erhalten haben.
Auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte bestätigte den Eingang eines entsprechenden Hinweises auf seinem Diensttelefon. Die Benachrichtigung erreichte ihn an einem Donnerstagnachmittag, als er noch das Amt des Bundesratspräsidenten innehatte.
Bovenschulte aktivierte umgehend den Blockierungsmodus; das Gerät wurde am Dienstag zur forensischen Prüfung an den IT-Dienstleister Dataport übergeben und durch die Zentralstelle für Cybersicherheit untersucht.
Apple verschickt Warnungen in Dutzende Länder
Auslöser der aktuellen Entwicklung sind sogenannte Bedrohungsbenachrichtigungen, die Apple seit dem 29. Oktober 2026 weltweit verschickt hat. Nach Angaben des Konzerns gingen die Warnungen an Nutzer in 99 Ländern.
Insgesamt hat Apple solche Mitteilungen bereits in 150 Staaten abgesetzt, zuletzt im August. In Deutschland richteten sich die Meldungen an mehrere Bundestagsabgeordnete sowie Regierungsmitglieder. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums erhielten zudem auch Privatpersonen die Hinweise.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stufte die Meldungen als glaubwürdig ein und informierte die Abgeordneten am 30. Oktober 2026 in einem gesonderten Schreiben. Die Behörde warnte vor kommerziell entwickelter Söldner-Spähsoftware. Solche hochmoderne Spyware sei in der Vergangenheit wiederholt im Auftrag staatlicher Stellen gegen gezielt ausgewählte Personen eingesetzt worden.
Gefahr durch Zero-Click-Schwachstellen
Nach Einschätzung des BSI basieren die Angriffe mutmaßlich auf Zero-Click-Lücken über präparierte Nachrichten, die ohne Zutun der Betroffenen wirksam werden können. Die dabei ausgenutzten Schwachstellen sind nicht öffentlich bekannt.
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Gelingt eine Infektion, droht den Betroffenen ein weitreichender Kontrollverlust über das Endgerät: Angreifer können auf Nachrichten, inklusive verschlüsselter Messenger, Anruflisten, Kontakte, Kalenderdaten und Standortinformationen zugreifen sowie Mikrofon und Kamera unbemerkt fernaktivieren.
Bislang ist unklar, ob die betroffenen Geräte tatsächlich kompromittiert wurden oder ob es sich lediglich um Angriffsversuche handelte. Das BSI empfiehlt den Betroffenen jedoch, vorsorglich von einer erfolgreichen Infektion auszugehen. Die Risikostufe stuft das Amt als hoch ein, bei mittlerem Handlungsbedarf.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger bestätigte den Vorfall in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin. Er betonte, das BSI habe schnell reagiert und alle betroffenen Personen kontaktiert. Zugleich verwies er darauf, dass Erkenntnisse zu Hintergründen oder der konkret eingesetzten Software derzeit rein spekulativ seien.
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Ein Sprecher des Digitalministeriums hob hervor, dass eine Warnmeldung von Apple noch keinen sicheren Beweis für eine erfolgreiche Infektion darstelle. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte, die Bundesregierung nehme den Vorfall sehr ernst. Ob auch Bundeskanzler Friedrich Merz betroffen ist, blieb offen.
Umfassende Schutzmaßnahmen empfohlen
Apple weist darauf hin, dass die Entwicklung komplexer Angriffsketten für moderne mobile Betriebssysteme Millionen US-dollar auf dem Graumarkt kostet. Sie zielten meist auf einen eng begrenzten Personenkreis aus Politik, Diplomatie, Medien und Aktivismus ab.
Dem Unternehmen sei bislang kein Fall bekannt, in dem ein Gerät bei aktiviertem Lockdown-Modus erfolgreich kompromittiert werden konnte. Zudem hatte Apple am 27. Oktober 2026 mit der Aktualisierung auf iOS 27.2 insgesamt 329 Sicherheitslücken geschlossen.
Der Forscher John Scott-Railton von der Organisation Citizen Lab sprach angesichts der Vorfälle von einer unbehandelten Epidemie durch Söldner-Spähsoftware in Europa. Das Thema dürfte auch international weiter an Bedeutung gewinnen: Für den 11. und 12. November 2026 ist in Paris ein Treffen im Rahmen des Pall-Mall-Prozesses angesetzt.
Betroffenen rät das BSI, die Echtheit von Warnhinweisen stets über die offizielle Kontoseite bei Apple zu prüfen und Sicherheitsfachleute hinzuzuziehen. Neben der Aktivierung des integrierten Blockierungsmodus und zügigen Betriebssystem-Updates sollten Gerätecodes erneuert, Passwörter geändert und eine Zwei-Faktor-Authentifizierung eingerichtet werden.
Für Messenger wie Signal und WhatsApp wird das Setzen von Registrierungs- beziehungsweise Verifikationssperren empfohlen. Im Zweifelsfall sei der vollständige Austausch des Telefons samt neuer Rufnummer ratsam.
