Apple-Patenturteil: Jury spricht Taction 5,72 Milliarden US-Dollar zu
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 01:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine US-Bundesjury in San Diego hat Apple zu einer Schadensersatzzahlung von 5.721.961.750 US-Dollar verurteilt. Grund ist die Verletzung zweier Patente des kalifornischen Unternehmens Taction Technology zur Haptik- und Vibrationstechnologie, wie sie im Taptic Engine von iPhones und Apple Watches zum Einsatz kommt.
Das Urteil des US-Bezirksgerichts für den südlichen Bezirk Kaliforniens gilt laut Law360 als das größte Patenturteil der US-Geschichte. Der bisherige Rekord lag bei 2,18 Milliarden US-Dollar gegen Intel im Jahr 2021 im Verfahren mit VLSI – jenes Urteil wurde später aufgehoben.
Zwei Patente, ein langer Rechtsstreit
Im Zentrum des Verfahrens stehen die US-Patente Nr. 10,659,885 und 10,820,117, beide 2020 erteilt und betitelt „Systeme und Verfahren zur Erzeugung gedämpfter elektromagnetisch betätigter planarer Bewegung für Audiofrequenz-Vibrationen“. Klägerin ist Taction Technology aus San Diego, gegründet 2017 von Dr. Silmon James Biggs.
Das Unternehmen entwickelte den sogenannten „Taction Transporter“, eine Kombination aus Flexuren, Spulen, Magneten und magnetischem Ferrofluid, die unter anderem in den Taction-Kannon-Kopfhörern sowie im Corsair-HS60-Haptic-Gaming-Headset verbaut ist. Taction wirft Apple vor, die Technologie aus zwei Kannon-Headsets zurückentwickelt und ohne Lizenz übernommen zu haben.
Der Rechtsstreit reicht bis in den April 2021 zurück, als Taction Klage einreichte. 2023 entschied ein Richter in San Diego zunächst zugunsten von Apple, doch 2025 hob der Federal Circuit dieses Urteil auf, da unzulässig gestrichene Expertenaussagen den Prozess beeinflusst hatten.
Der neu aufgerollte Prozess begann am 14. September 2026. Sieben Geschworene berieten nach der Verhandlung zwei Tage lang, bevor sie am 25. September 2026 ihr Urteil verkündeten. Die Jury stellte zwar eine Patentverletzung fest, jedoch keine vorsätzliche – weshalb die Schadensersatzsumme nicht durch Strafschadensersatz erhöht wurde.
Tactions Anwalt Lance Yang bezeichnete das Urteil als überfällige Bestätigung der Patentrechte seines Mandanten nach fünf Jahren Rechtsstreit. Apple wies die Vorwürfe zurück: Die Taptic Engine unterscheide sich grundlegend von der Taction-Technologie, was durch Tactions eigene im Prozess vorgelegte Tests belegt werde.
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Der zugesprochene Schadenersatz entbehre jeder sachlichen Grundlage. Der Konzern kündigte Berufung an. Nach dem Urteil vom Freitag reichte Apple bereits Schriftsätze ein, die seine Argumente für eine Aufhebung darlegen, darunter ein Damages Brief sowie entsprechende Anträge.
Prozessfinanzierer mit hohen Erwartungen
Der Fall wurde von Burford Capital finanziert. Der Prozessfinanzierer rechnet im Falle eines unveränderten Urteils mit einer Auszahlung von rund 1,4 Milliarden US-Dollar, die sich hälftig auf die eigene Bilanz und verwaltete Fonds verteilen würde. Gleichzeitig warnte Burford vor einer möglichen Kürzung im Berufungsverfahren und schloss einen vollständigen Ausfall nicht aus. Laut Reuters stieg die Burford-Aktie im Anschluss um über 6 Prozent.
Kläger-Anwälte rechnen selbst damit, dass Apple versuchen wird, den Betrag in Nachverhandlungen oder im Berufungsverfahren zu reduzieren oder das Urteil ganz aufheben zu lassen. Für Nutzer von iPhones und Apple Watches ergeben sich aus dem Urteil zunächst keine unmittelbaren Produktänderungen.
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Einordnung in Apples Patentgeschichte
Sollte das Urteil in seiner jetzigen Höhe bestehen bleiben, wäre es die bislang größte Zahlung in der Unternehmensgeschichte von Apple – deutlich über dem Vergleich von 4,5 Milliarden US-Dollar, den der Konzern einst mit Qualcomm schloss.
Zum Vergleich: Im November 2025 hatte ein Richter Apple zur Zahlung von 634 Millionen US-Dollar an Masimo wegen dessen Blutsauerstoff-Technologie verurteilt – eine summe, die die aktuelle Forderung von Taction um ein Vielfaches übersteigt wird.
Die Taptic Engine selbst wurde erstmals 2014 mit der Apple Watch eingeführt und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Der weitere Verlauf des Verfahrens, insbesondere die angekündigte Berufung Apples, dürfte darüber entscheiden, in welcher Höhe die Zahlung letztlich Bestand hat.
