Apple-ID-Betrug, KI-Anrufe

Apple-ID-Betrug: KI-Anrufe erbeuten Passcodes von Millionen

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 01:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

SOCRadar und Group-IB dokumentieren KI-gestützte Phishing-Dienste gegen Apple-Nutzer. Auch SMS, QR-Codes und SVG-Dateien bergen Gefahren.

Apple-ID im Visier: KI-Betrug nutzt gefälschte Support-Anrufe
Ein minimalistisch eingerichteter Raum bei Nacht mit Blick auf ein verschwommenes, beleuchtetes Stadtpanorama. Illustration mit AI erstellt.

Apple-Nutzer geraten zunehmend ins Visier spezialisierter Betrüger, die es auf Apple-ID-Daten und die Umgehung von Aktivierungssperren abgesehen haben. Die Angriffe erfolgen insbesondere nach Diebstählen von Geräten oder im Umfeld von Vorbestellungen. Dabei nutzen Kriminelle gefälschte Nachrichten, um sensible Informationen abzugreifen und die Sicherheitsmechanismen der Smartphones außer Kraft zu setzen.

Automatisierter Betrug über Phishing-Plattformen

Sicherheitsanalysten von SOCRadar identifizierten in diesem Zusammenhang die Phishing-as-a-Service-Plattform (PhaaS) „AnonyMousKIT“, die bereits seit Anfang 2024 aktiv ist. Der Dienst ermöglicht es Kriminellen, gegen ein Entgelt professionelle Betrugskampagnen durchzuführen.

Die Preisstruktur ist dabei nach Kommunikationskanälen gestaffelt: Eine E-Mail wird mit 1,50 Credits berechnet, während SMS, WhatsApp-Nachrichten oder aufgezeichnete Anrufe jeweils 1 Credit kosten. Besonders fortschrittliche KI-Voice-Agents, die den Apple-Support imitieren, schlagen mit 2 Credits zu Buche.

Diese KI-gestützten Stimmen-Assistenten werden eingesetzt, um Geräte-Passcodes von den Opfern zu erbeuten. Zwischen August 2025 und Mai 2026 wurden rund 200 solcher Anrufe dokumentiert, wobei die Plattform auf 506 Domains und ein Netzwerk von 168 Wiederverkäufern zurückgreifen konnte. Ein Großteil der Aktivitäten ist geografisch fokussiert; rund 90 Prozent der dokumentierten Anrufe zielten auf Nutzer in Brasilien ab.

Parallel dazu analysierte Group-IB das Modul „CallFlow“ der Plattform „Balonx“. Dieses System nutzt eine Kombination aus GPT-4o-mini, der ElevenLabs-Stimme „Carolina“ sowie OpenAI Whisper und OpenAI Voice, um autonome Vishing-Anrufe (Voice Phishing) durchzuführen.

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Aktuell konzentrieren sich diese Angriffe vor allem auf Mexiko, wobei gezielt Kunden verschiedener Banken adressiert werden. Die Vermarktung der Dienste erfolgt über soziale Medien und Messenger-Dienste wie Telegram.

Steigende Qualität der Täuschungsversuche

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) weist darauf hin, dass klassische Merkmale wie Rechtschreibfehler oder ungewöhnlicher Sprachgebrauch zur Identifikation von Phishing-Versuchen nicht mehr ausreichen.

Generative Künstliche Intelligenz ist mittlerweile in der Lage, grammatikalisch korrekte Texte in kürzester Zeit zu erstellen. Dies spiegelt sich auch in den Meldungen des Phishing-Radars der Verbraucherzentrale wider, der im August 2026 vermehrt Betrugsfälle im Namen von Banken, Spotify oder dem Steuerportal ELSTER registrierte.

Die Methoden verlagern sich dabei zunehmend auf mobile Kanäle wie SMS (Smishing) oder QR-Codes (Quishing). Auch bei Mobilfunkanbietern wurden verdächtige Aktivitäten festgestellt.

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So meldete eine Kundin von 1&1 im August 2026 einen WhatsApp-Account, der unter der offiziellen Mailbox-Nummer 015566000333 auftrat und ein vermutlich KI-generiertes Profilbild nutzte. Ein Sprecher des Unternehmens stellte klar, dass kein WhatsApp-Account für die Kundenkommunikation unter dieser Nummer existiere und riet dazu, solche Kontakte zu sperren.

Empfehlungen zur Erkennung und Prävention

Sicherheitsexperten und Behörden haben Checklisten entwickelt, um Nutzer für die Gefahren zu sensibilisieren. Zu den Warnzeichen gehören künstlicher Zeitdruck, die Abfrage von PIN- oder Einmalcodes sowie Links, die auf abweichende Domains oder automatisierte Bots führen.

Auch das SVG-Dateiformat wird verstärkt für Angriffe genutzt. Check Point entdeckte Phishing-Mails mit bösartigen SVG-Anhängen, die bereits mehr als 7.800 Organisationen betrafen. Diese Anhänge können Anmeldeseiten fälschen und Nutzerdaten automatisiert erfassen.

Das Ausmaß der Bedrohung verdeutlichen aktuelle Zahlen aus Belgien. Laut dem Branchenverband IBPT fingen belgische Telekommunikationsanbieter im ersten Halbjahr 2026 rund 103 Millionen betrügerische Anrufe ab.

Davon entfielen etwa 74 Millionen auf sogenanntes Spoofing, bei dem die Absendernummer gefälscht wird. Zusätzlich wurden 7,2 Millionen SMS und 419 Millionen E-Mails als betrügerisch identifiziert, was die Notwendigkeit erhöhter Wachsamkeit bei Smartphone-Nutzern unterstreicht.

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