App, Store

App Store: Apple erfasst jeden Tap, Wisch und Buchstaben

18.06.2026 - 01:25:35 | boerse-global.de

Sicherheitsforscher kritisieren Apples neue personalisierte App-Empfehlungen als zu datenintensiv und kritisieren mangelnde Opt-Out-Möglichkeiten.

App Store Update: Apple unter Beschuss wegen Datensammlung
App - A smartphone screen with glowing lines of data flowing out, representing data collection and personalized recommendations. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Sicherheitsforscher kritisieren die Datensammlung scharf.

Der iPhone-Konzern führte mit dem Update unter anderem die sogenannten „Personalisierten Sammlungen" ein. Die Funktion soll Apps vorschlagen, die auf die individuellen Interessen und das Nutzungsverhalten jedes Einzelnen zugeschnitten sind. Was nach einem praktischen Feature klingt, entpuppt sich aus Sicht von Experten als datenschutzrechtliches Problem.

Anzeige

Viele iPhone-Nutzer sind verunsichert, welche Daten ihr Gerät im Hintergrund sammelt und was nach einem System-Update passiert. Apple-Experte Detlef Meyer erklärt in diesem kostenlosen Ratgeber, wie Sie Ihre Privatsphäre schützen und wichtige Sicherheitseinstellungen überprüfen. Gratis-Ratgeber: iOS-Updates & Datenschutz sicher meistern

Intensive Tracking-Mechanismen identifiziert

Die personalisierten Empfehlungen, die Apple bereits Anfang Juni auf der Entwicklerkonferenz WWDC 2026 vorstellte, basieren auf detaillierten Nutzerprofilen. Forscher des Sicherheitsteams Mysk veröffentlichten im Juni 2026 ihre Analyse: Demnach zeichnet der App Store in Echtzeit ein breites Spektrum an Nutzerinteraktionen auf.

Die Liste der erfassten Daten ist lang. Jeder Tap, jedes Wischen und jeder Suchbegriff wird protokolliert. Besonders brisant: Das System erfasst sogar die Eingabe Buchstabe für Buchstabe. So lassen sich exakte Tippgeschwindigkeiten und die Zeitabstände zwischen einzelnen Anschlägen berechnen. In einem dokumentierten Fall vom 9. Juni 2026 führte die Suche nach einem bestimmten Namen dazu, dass zehn einzelne Zeitstempel – einer für jeden getippten Buchstaben – an Apple übermittelt wurden.

Die Tracking-Aktivitäten umfassen zudem die genauen Positionen der Berührungen auf dem Bildschirm und die verwendete Betriebssystemversion. Die gesammelten Daten sind laut den Forschern identifizierbar. Nutzer können sie einsehen, wenn sie über Apples Datenschutzportal eine Anfrage stellen.

Grenzen der Opt-Out-Möglichkeiten

Ein zentraler Kritikpunkt: Es gibt keine umfassende Möglichkeit, die Datenerfassung selbst zu deaktivieren. Apple bietet zwar eine Option, die Nutzung der Daten für personalisierte Empfehlungen auszuschalten. Doch das, so die Forscher von Mysk, stoppt die zugrundeliegende Erhebung der Analysedaten nicht.

Selbst wenn die personalisierten Funktionen ausgeschaltet sind, zeichnet der App Store weiterhin Interaktionsdaten auf und übermittelt sie an die Server des Konzerns. Apple hat sich bislang nicht öffentlich dazu geäußert, wie lange diese Daten gespeichert werden, wie sie verschlüsselt sind oder auf welche Weise sie mit den einzelnen Apple-IDs verknüpft werden.

Anzeige

Ob AirDrop, iOS-Updates oder Tracking-Einstellungen – wer die Apple-Fachsprache versteht, kann sein Gerät deutlich sicherer bedienen. Dieses kostenlose Lexikon erklärt die 53 wichtigsten Begriffe verständlich und hilft Ihnen, bei Technik-Themen endlich mitzureden. Kostenloses iPhone-Lexikon jetzt anfordern

Die Datensammlung betrifft derzeit vor allem Nutzer in den USA, wo die personalisierten Sammlungen auf Englisch ausgerollt werden. Kritiker weisen darauf hin, dass Nutzer außerhalb der Europäischen Union in der Regel keinen Zugang zu alternativen App-Stores haben. Die Datenpraxis des App Store wird damit zu einem verpflichtenden Bestandteil des iOS-Ökosystems.

Regionale Einführung und Neuerungen für Entwickler

Die personalisierten Entdeckungsfunktionen sind Teil eines größeren Updates für den App Store, das Mitte Juni 2026 veröffentlicht wurde. Neben den Sammlungen hat Apple neue Marketing-Werkzeuge und sogenannte „App Notes" eingeführt, die Nutzern bei der Suche helfen sollen.

Für die Entwickler-Community umfasst das Update:
* Kreative Assets: Neue Ressourcen zur Verwaltung der App-Einträge.
* Mac-App-Kompatibilität: Unterstützung für Mac-Anwendungen, die ausschließlich auf Apple-Silicon laufen.
* Prüfprozess: Ein optimiertes App-Review-Verfahren zur Verkürzung der Wartezeiten.
* Kindersicherung: Ein aktualisierter Altersfreigabe-Fragebogen, der in die Einstellungen von iOS 27 integriert ist.

Während die personalisierte Empfehlungsfunktion derzeit auf den US-Markt beschränkt ist, hat Apple angekündigt, dass die Unterstützung für weitere Sprachen und Regionen folgen soll.

de | wissenschaft | 69567344 |