Apothekensterben, Honorarerhöhung

Apothekensterben stoppen: Honorarerhöhung auf 9,00 Euro ab Juli

07.06.2026 - 23:31:38 | boerse-global.de

Die Bundesregierung will das Apothekensterben mit höheren Honoraren und neuen Dienstleistungen wie Impfungen und Tests stoppen.

Bundesregierung plant Apotheken-Rettung mit neuen Leistungen
Apothekensterben - Eine Apothekerin berät einen Kunden in einer modernen Apotheke, hält eine Medikamentenschachtel in der Hand. 07.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Bundesregierung will die Apothekenlandschaft mit einem Paket aus neuen Dienstleistungen und höheren Vergütungen retten. Das Apothekensterben soll gestoppt werden.

Mehr Kompetenzen für die Apotheker

Apotheken dürfen künftig deutlich mehr als nur Medikamente abgeben. Die im Juni 2026 verabschiedeten Pläne sehen vor, dass Pharmazeuten Totimpfstoffe verabreichen und Vorsorgeuntersuchungen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes durchführen dürfen.

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Auch Schnelltests auf Influenza oder Noroviren sowie Blutabnahmen bei Erwachsenen werden ermöglicht. Bei akuten Erkrankungen dürfen Apotheker künftig bestimmte Medikamente ohne Rezept abgeben – ausgenommen sind Antibiotika und missbrauchsanfällige Substanzen.

Die Politik verspricht sich davon eine Entlastung der Hausärzte. Ärztevertreter sehen das kritischer: Sie warnen vor Risiken für die Patientensicherheit und bezeichnen die Reform als „krampfhaften Versuch“, die Apothekenstrukturen zu stützen.

Das Apothekensterben in Zahlen

Hintergrund der Reform ist ein anhaltender Rückgang der Betriebszahlen. Ende 2025 gab es bundesweit noch 16.601 Apotheken. Bis zum Frühjahr 2026 sank die Zahl weiter auf 16.541 – der niedrigste Stand seit Jahrzehnten.

Um die wirtschaftliche Basis zu stabilisieren, hat das Bundeskabinett Anfang Juni eine zweistufige Erhöhung des Apothekenhonorars beschlossen. Der Fixbetrag pro verschreibungspflichtiger Packung lag seit 2013 bei 8,35 Euro. Zum 1. Juli steigt er auf 9,00 Euro, zum 1. Januar 2027 auf 9,50 Euro.

Ob das reicht? Experten des IGES-Instituts warnten im März: Von der pauschalen Erhöhung profitieren vor allem große Standorte und Versandapotheken. Für kleine Apotheken auf dem Land bleibe die Wirkung ungewiss.

Der Kampf gegen den Versandhandel

Ein weiterer Konfliktpunkt ist der Wettbewerb mit ausländischen Versandapotheken wie DocMorris oder Shop Apotheke. Branchenverbände werfen der Aufsicht Untätigkeit bei illegalen Rabattmodellen vor.

Das Problem: Deutsche Vor-Ort-Apotheken sind an die Preisbindung geboten. Versender nutzen dagegen europarechtliche Spielräume für Bonus-Systeme. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten liegt ihr Marktanteil bei etwa zwei Prozent. Bei rezeptfreien Arzneien sind es bereits rund 25 Prozent.

Zusätzliche Verunsicherung bringt das E-Rezept. Der Sozialverband VdK kritisiert, dass nicht alle Praxen die gesetzlich vorgesehenen Einlösevarianten anbieten – insbesondere den Papierausdruck als Alternative zur Gesundheitskarte oder App.

Pharmaindustrie schaltet auf Sparkurs

Anzeige: Während der Marktanteil von Versandapotheken bei rezeptfreien Arzneien bereits bei 25 Prozent liegt, kämpfen Vor-Ort-Apotheken mit Preisbindung. Die neue Honorarerhöhung allein wird das Apothekensterben nicht stoppen – aber mit den richtigen Dienstleistungen und einer durchdachten Finanzplanung können auch kleine Apotheken überleben. Strategie-Report jetzt sichern

Die gesundheitspolitischen Sparmaßnahmen belasten auch das Verhältnis zwischen Staat und Pharmaindustrie. Steigende Herstellerabschläge im Rahmen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes zeigen bereits konkrete Folgen:

Eli Lilly reduzierte geplante Investitionen in Alzey von 2,5 Milliarden auf 1,25 Milliarden US-Dollar. Boehringer Ingelheim strich Investitionsmittel in Höhe von 900 Millionen Euro.

Wirtschaftsexperten werten das als Warnsignal für den Standort Deutschland. AOK-Chefin Dr. Carola Reimann hält dagegen: Angesichts hoher Konzerngewinne seien die Drohungen der Industrie übertrieben. Die IG BCE fordert eine Korrektur der Reformpläne und schlägt einen Deal vor: niedrigere Preise gegen besseren Zugang zu Patientendaten für die Forschung.

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