Apothekensterben, Apotheke

Apothekensterben: Jede fünfte Apotheke verschwunden in 13 Jahren

10.06.2026 - 22:52:47 | boerse-global.de

Augenärzte kritisieren Pläne der Apotheker zur Selbstbehandlung von Augenreizungen. Sie warnen vor schwerwiegenden Risiken und Fehldiagnosen.

Apotheken-Kompetenzen: Augenärzte warnen vor gefährlichen Fehldiagnosen
Apothekensterben - Nahaufnahme eines leicht geröteten, irritierten Auges, unscharfer Hintergrund mit medizinischen Instrumenten. Symbolisiert Augenentzündung. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein Positionspapier der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) zur Primärversorgung sorgt für heftigen Streit. Vor allem die eigenständige Behandlung von Augenreizungen sehen Fachmediziner kritisch.

„Selbstbehandlung ist keineswegs trivial“

Am 8. Juni 2026 legten der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) und die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) nach. Ihre Kernbotschaft: Ohne fachärztliche Untersuchung drohen schwerwiegende Fehldiagnosen.

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Die Liste der Risiken ist lang. Ein unerkannter Glaukomanfall, Herpesinfektionen des Auges oder übersehene Fremdkörper – all das könne zu dauerhaften Sehschäden führen. Besonders tückisch: die kontaktlinsenassoziierte Bindehautentzündung. Hier entscheiden die ersten 24 bis 28 Stunden über den weiteren Verlauf und Therapieerfolg.

Antibiotika ohne Diagnose? Gefährlich

Die Fachärzte warnen auch vor den Folgen falscher Medikation. Werden Antibiotika ohne gesicherte Diagnose verschrieben, steigt das Risiko von Resistenzen. Die langfristigen Kosten für das Gesundheitssystem könnten dadurch steigen – wegen Folgeschäden und komplizierteren Krankheitsverläufen.

Der Hintergrund: Die Gesundheitsausgaben steigen rasant. Daten des AOK-Bundesverbandes für 2025 zeigen: Die GKV-Ausgaben für Heilmittel kletterten auf 14,7 Milliarden Euro – ein Plus von 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Kooperation zwischen Ärzten und Apothekern leidet

Die Fronten verhärten sich. Wie im Juni 2026 bekannt wurde, sind die Gespräche zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der ABDA über das Projekt ARMIN 2.0 vorerst ausgesetzt. Apothekerverbände in Sachsen und Thüringen zeigen sich besorgt. Sie fürchten eine nachhaltige Schädigung der Zusammenarbeit.

Gleichzeitig wird die Rolle der Apotheken grundsätzlich infrage gestellt. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen schlug vor, die Zahl der Apotheken drastisch zu reduzieren. Stattdessen sollen Abgabestellen in Drogerien und ein ärztliches Dispensierrecht kommen. Der Hessische Apothekerverband (HAV) warnt vor einer gefährlichen Ausdünnung der Versorgung. Immerhin entstehen rund 85 Prozent des Apothekenumsatzes durch verschreibungspflichtige Medikamente. Die Prüfung auf Wechselwirkungen und die Herstellung individueller Rezepturen – etwa für die Krebstherapie – bleiben zentrale Kernkompetenzen.

Apothekensterben: Jede fünfte ist weg

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Die Debatte bekommt durch harte Zahlen zusätzliche Brisanz. Eine ABDA-Analyse vom 31. März 2026 beziffert die Zahl der Apotheken in Deutschland auf 16.541. Das ist ein Rückgang von 20 Prozent innerhalb der letzten 13 Jahre.

Die Versorgungslücken sind regional extrem unterschiedlich. Rund 4 Millionen Menschen – etwa 4,9 Prozent der Bevölkerung – müssen mehr als sechs Kilometer bis zur nächsten Apotheke fahren. Besonders hart trifft es Mecklenburg-Vorpommern: Dort liegt der Anteil bei 21,7 Prozent.

Der Druck auf die Politik wächst. Gefragt sind Modelle für eine zukunftssichere Primärversorgung – ohne die diagnostische Sicherheit der Patienten zu gefährden.

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