Apothekensterben: Deutschland fällt unter europäischen Durchschnitt
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 13:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit fast fünf Jahrzehnten gefallen. Das erklärte Abda-Präsident Thomas Preis mit Blick auf die aktuellen Strukturdaten der Apothekenlandschaft. Der Befund reiht sich in eine seit Jahren anhaltende Entwicklung ein, wirft aber angesichts der jüngsten Vergütungsanpassungen für den Berufsstand neue Fragen zur Versorgungssicherheit auf.
Datenlage zum Halbjahr
Zum 30. Juni 2026 zählte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda) bundesweit 16.488 Apotheken – 113 weniger als noch zum Jahreswechsel.
Der Rückgang fiel damit kleiner aus als im ersten Halbjahr 2025, als binnen sechs Monaten 238 Standorte verschwanden. Seit Januar 2026 standen 30 Neueröffnungen insgesamt 143 Schließungen gegenüber. Die Abwärtsbewegung setzt sich damit fort, wenn auch etwas gebremst.
Im europäischen Vergleich fällt die Apothekendichte in Deutschland deutlich niedriger aus: Hierzulande kommen laut Abda knapp 20 Apotheken auf 100.000 Einwohner, im europäischen Durchschnitt sind es rund 31. Diese Diskrepanz untermauert die Einschätzung, dass die wohnortnahe Arzneimittelversorgung in Deutschland strukturell unter Druck steht.
Warnung vor einem „Strohfeuer“
Die Abda meldet 16.488 Apotheken — der niedrigste Stand seit fast fünf Jahrzehnten, und mit knapp 20 Betrieben pro 100.000 Einwohner liegt Deutschland klar unter dem europäischen Durchschnitt von rund 31. Wer die Strukturdaten hinter dieser Entwicklung einordnen will, findet in diesem kostenlosen Report die zentralen Kennzahlen und Vergütungsvergleiche. Kostenlosen Analyse-Report anfordern
Preis ordnete die Zahlen als historischen Tiefpunkt ein – die niedrigste Apothekenzahl seit fast fünf Jahrzehnten. Zugleich warnte er vor einem „Strohfeuer“: Die zuletzt beschlossenen finanziellen Verbesserungen könnten den Negativtrend zwar kurzfristig abmildern, aber nicht nachhaltig umkehren, so seine Einschätzung.
Honoraranhebung als Gegenmaßnahme
Um die wirtschaftliche Lage der Apotheken zu stabilisieren, hat die Bundesregierung den Fix-Bestandteil der Apotheken-Vergütung für rezeptpflichtige Medikamente zum 1. Juli 2026 von 8,35 Euro auf 9,00 Euro pro Packung angehoben. Zum 1. Januar 2027 soll dieser Betrag weiter auf 9,50 Euro pro Packung steigen. Die Maßnahme soll den wirtschaftlichen Druck auf die Betriebe mindern, der als einer der Haupttreiber für Schließungen gilt.
Ob die Honorarerhöhung ausreicht, um die Schließungswelle spürbar zu bremsen, bleibt nach den Worten von Preis offen. Der leicht abgeschwächte Rückgang im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum könnte ein erstes Signal sein – Preis mahnt jedoch, dies nicht als dauerhafte Trendwende misszuverstehen.
Die Anhebung des Fix-Honorars auf 9,00 Euro pro Packung und die geplante weitere Erhöhung auf 9,50 Euro sollen den wirtschaftlichen Druck mindern — Abda-Präsident Preis warnt jedoch vor einem Strohfeuer. Dieser Leitfaden zeigt Betreibern, welche Handlungsoptionen über die Honoraranpassung hinaus bestehen. Handlungsoptionen für Betreiber jetzt sichern
Ausblick auf den Apothekertag
Die aktuelle Datenlage dürfte Thema sein, wenn der Deutsche Apothekertag in München beginnt. Erwartet wird dort auch Gesundheitsminister Linnemann (CDU). Die Veranstaltung bietet dem Berufsstand eine Bühne, um über die Zukunft der Apothekenstruktur und mögliche weitere politische Unterstützung zu diskutieren – vor dem Hintergrund einer Versorgungsdichte, die im europäischen Vergleich bereits deutlich unter dem Durchschnitt liegt.
