Apothekenreform: Packungsentgelt steigt ab Juli auf 9 Euro
28.05.2026 - 05:06:42 | boerse-global.deDie Verbraucherorganisation Stiftung Warentest hat neun Online-Apotheken unter die Lupe genommen – nur zwei schneiden mit „GUT“ ab. DocMorris und medpex setzen sich in der aktuellen Studie aus dem Juni-Heft 2026 an die Spitze. Die Ergebnisse kommen zu einer Zeit, in der sich der deutsche Apothekenmarkt grundlegend neu sortiert.
Qualität als entscheidender Faktor
Die Tester legten ihr Hauptaugenmerk auf die fachliche Qualität, die mit 55 Prozent in die Gesamtbewertung einfloss. DocMorris sicherte sich den Spitzenplatz, dicht gefolgt von medpex auf Rang zwei. Besonders bei der Erkennung und Vermeidung von Wechselwirkungen zwischen Medikamenten punkteten beide Anbieter.
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Die Studie zeigt auch: Für Kunden lohnt sich der Gang ins Netz. Bei rezeptfreien Präparaten sind Einsparungen von bis zu einem Drittel gegenüber den üblichen Listenpreisen möglich. DocMorris gibt zudem an, für gesetzlich Versicherte die Zuzahlungen bei verschreibungspflichtigen Medikamenten zu übernehmen.
Das Schweizer Unternehmen DocMorris kommt auf einen externen Umsatz von 1.122,6 Millionen Franken im Geschäftsjahr 2025 und zählt rund 12 Millionen aktive Kunden. Die Aktie notierte am Mittwoch bei 7,305 Euro.
Neue Regeln für den Versandhandel
Die Veröffentlichung der Testergebnisse fällt mit einer grundlegenden Reform zusammen. Am 22. Mai 2026 verabschiedete der Bundestag das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG). Der Bundesrat berät am 12. Juni darüber. Die Reform bringt weitreichende Änderungen:
- Strengere Versandauflagen: Unterschrift bei der Zustellung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, höhere Anforderungen an die Kühllogistik
- Höhere Gebühren: Das Packungsentgelt steigt in zwei Stufen – auf 9,00 Euro ab 1. Juli, auf 9,50 Euro ab 1. Januar
- Mehr Geld für Notdienste: Der Zuschuss pro Packung verdoppelt sich von 21 auf 41 Cent
- Erweiterte Befugnisse: Vor-Ort-Apotheken dürfen künftig Impfungen, Blutuntersuchungen und Präventionsleistungen anbieten
Die Bundesregierung sieht darin einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Apotheken vor Ort und zum Bürokratieabbau.
Cannabis-Boom bereitet Sorgen
Trotz der guten Noten für die Online-Marktführer zeigt die Stimmung in der Branche tiefe Risse. Der APOkix für Mai 2026 offenbart: 65 Prozent der Apotheker bewerten die Cannabis-Legalisierung negativ. Besonders brisant: 83 Prozent vermuten, dass abgegebene Cannabisblüten nicht medizinisch, sondern zu Genusszwecken verwendet werden.
Die Folge: 86 Prozent der Befragten fordern ein Verbot des Online-Vertriebs von Medizinal-Cannabis, 74 Prozent wünschen sich strengere Regeln. Während Privatrezepte für Cannabis in 37 Prozent der Apotheken zunahmen, stiegen die Verordnungen auf Kassenrezept nur in 23 Prozent.
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Der Geschäftsklimaindex der Branche liegt bei mageren 58,0 Punkten, die Erwartungen für die Zukunft sogar nur bei 40,2 Punkten.
Klarheit bei digitaler Abrechnung
In einem weiteren wichtigen Punkt für den Online-Apothekenmarkt sorgte das Sozialgericht München für Klarheit. Die Richter entschieden, dass die AOK Nordost Rezepte vergüten muss, die über das digitale Abrechnungszentrum Scanacs abgewickelt wurden. Das Gericht bestätigte: Scanacs ist ein zulässiges Rechenzentrum, und Apotheken dürfen E-Rezepte und Papierrezepte gleichzeitig über verschiedene Abrechnungsstellen laufen lassen.
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