Apothekenreform: Impfungen und Tests statt nur Medikamente
12.06.2026 - 20:23:25 | boerse-global.de
Während die neue Apothekenreform den Pharmazeuten mehr Kompetenzen einräumt, drohen milliardenschwere Sparpläne die Erfolge zunichte zu machen.
Apotheken werden zur Anlaufstelle für Impfungen und Tests
Der Bundesrat billigte im Juni 2026 die Apothekenreform. Sie gibt Apothekern künftig erweiterte Befugnisse – weit über die reine Medikamentenabgabe hinaus. Dazu gehören Impfungen mit Totimpfstoffen gegen Tetanus oder FSME, Blutentnahmen und Schnelltests. Auch Präventionsangebote für chronische Erkrankungen wie Diabetes sollen in den Apotheken stattfinden.
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Ein Knackpunkt: In Notfällen dürfen Apotheken künftig verschreibungspflichtige Medikamente einmalig in der kleinsten Packungsgröße ohne Rezept abgeben. Voraussetzung: kein hohes Missbrauchspotential. Die Kosten tragen die Patienten selbst.
Um die Versorgung auf dem Land zu sichern, steigt die Notdienstpauschale. Zudem dürfen pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) die Apotheke an bis zu 20 Tagen im Jahr vertreten. Auch Job-Sharing in der Apothekenleitung wird möglich.
Fixum rauf, Abschlag rauf – ein Nullsummenspiel?
Die wirtschaftliche Basis der Apotheken bleibt umstritten. Das Fixum steigt in zwei Stufen bis zum 1. Januar 2027 auf 9,50 Euro. Gleichzeitig erhöht das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) den Apothekenabschlag von 1,77 auf 2,07 Euro.
Branchenvertreter schlagen Alarm. Thomas Preis, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, warnte: Die Sparmaßnahmen konterkarierten die Fixum-Erhöhung. Eine seit Februar 2026 laufende Petition der ABDA haben bereits 315.000 Bürger unterzeichnet. Sie fordern eine dauerhafte Stabilisierung ohne zusätzliche Belastungen.
Staatssekretär Kippels (CDU) rechtfertigt die Maßnahmen mit der notwendigen Konsolidierung der GKV. Oppositionspolitiker sprechen dagegen von einem Nullsummenspiel zu Lasten der pharmazeutischen Versorgung.
Milliardenloch: GKV droht ein Defizit von 44 Milliarden Euro
Hintergrund der Sparbemühungen ist die prekäre Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bezifferte das Defizit im ersten Quartal 2026 auf 3,5 Milliarden Euro. Ohne Reformen drohe bis 2027 eine Finanzlücke von knapp 19 Milliarden Euro. Bis 2030 könnte sie auf 44 Milliarden Euro anwachsen.
Das geplante Sparpaket soll bis 2027 eine Entlastung von 16,3 Milliarden Euro bringen. Die Kernpunkte:
- Ausgabenbremsen für Krankenhäuser, Arztpraxen und Pharmaindustrie
- Höhere Zuzahlungen für Versicherte (7,50 bis 15 Euro)
- Einschränkung der beitragsfreien Mitversicherung für Ehepartner
- Streichung von Homöopathie und Cannabis als Regelleistung
- Einführung einer Zuckersteuer zur Prävention
Widerstand aus den Ländern – Vermittlungsausschuss droht
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Die Sparpläne stoßen auf erheblichen Widerstand. Ländervertreter warnten im Bundesrat vor einer Gefährdung der Versorgungsstrukturen und einem drohenden Kliniksterben. Krankenhäuser hätten bereits signifikante Einsparbeträge geleistet.
Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte rechnet mit der Anrufung des Vermittlungsausschusses für das GKV-Spargesetz.
Parallel passierten weitere Vorhaben den Bundesrat: eine Rentenerhöhung um 4,24 Prozent zum 1. Juli 2026 sowie Maßnahmen zum Bürokratieabbau und zur Digitalisierung im Justizwesen. Die Bundesregierung will das GKV-Sparpaket bis zur Sommerpause Mitte Juli durch den Bundestag bringen – um die Beitragssätze stabil zu halten.
