Apothekenreform, Aufgaben

Apothekenreform beschlossen: Neue Aufgaben ab Juli für Millionen

12.06.2026 - 19:10:25 | boerse-global.de

Der Bundesrat beschließt erweiterte Befugnisse für Apotheker, darunter Impfungen und Diagnostik, sowie die erste Anhebung des Fixums seit 2013.

Apotheken-Reform: Neue Aufgaben und höhere Vergütung ab Juli 2026
Apothekenreform - A pharmacist in a modern German pharmacy consults a patient, with digital tools and medication shelves visible. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Reform markiert einen tiefgreifenden Wandel in der Rolle der Apotheker im deutschen Gesundheitswesen. Künftig dürfen sie klinische Aufgaben und diagnostische Untersuchungen übernehmen, die bislang Ärzten vorbehalten waren.

Das Gesetz soll den Apothekenstandort stabilisieren – besonders in ländlichen Regionen. Gleichzeitig modernisiert es das Leistungsangebot für Patienten direkt vor Ort.

Impfungen, Blutabnahmen und Vorsorge

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Die neuen Regelungen erlauben Apotheken, alle Totimpfstoffe zu verabreichen – etwa gegen Tetanus oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Darüber hinaus dürfen sie Blut abnehmen und bestimmte Vorsorgeuntersuchungen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes durchführen. Auch Raucherentwöhnungsprogramme gehören künftig zum Leistungsspektrum.

Eine wichtige Neuerung betrifft chronisch Kranke: In dringenden Fällen, wenn kein neues Rezept vorliegt, dürfen Apotheker die kleinste Packungsgröße eines Dauermedikaments aushändigen. Dies gilt als einmalige Leistung für Selbstzahler. Medikamente mit hohem Missbrauchspotenzial sind davon ausdrücklich ausgeschlossen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zeigt sich skeptisch. Diagnostische und therapeutische Entscheidungen sollten Kernaufgaben der Ärzteschaft bleiben, argumentiert der Verband. Besonders kritisch sehen Mediziner die Möglichkeit, dass Apotheken auf verschiedene Erreger testen – darunter Influenza, RSV, Noroviren, Rotaviren und Adenoviren. Solche Screenings folgten nicht immer evidenzbasierten Standards.

Finanzielle Anpassungen nach Jahren des Stillstands

Die Reform sieht eine schrittweise Erhöhung der Vergütung für Apotheken vor. Ab dem 1. Juli 2026 steigt das Fixum für verschreibungspflichtige Medikamente auf 9,50 Euro. Das ist die erste Erhöhung der Grundgebühr seit 2013, als sie bei 8,35 Euro lag. Gleichzeitig erhöht sich der Kassenabschlag, den Apotheken an die gesetzlichen Krankenkassen zahlen müssen, auf 2,07 Euro.

Die finanziellen Maßnahmen kommen zu einer Zeit, in der die Zahl der Apotheken in Deutschland kontinuierlich sinkt. Lag sie vor zehn Jahren noch bei über 20.000, sind es heute rund 16.600. Zwar erwirtschaftet noch jede zweite Apotheke einen Jahresüberschuss von über 150.000 Euro – doch dieser Anteil ist in den letzten fünf Jahren von 60 Prozent gefallen. Verschreibungspflichtige Medikamente machen im Schnitt 85 Prozent des Umsatzes aus.

Die gesetzlichen Krankenkassen kritisieren die pauschale Erhöhung. Sie befürchten, dass vor allem umsatzstarke Apotheken profitieren, während kleine, kämpfende Standorte leer ausgehen.

Hausärzte als Lotsen: Der größere Plan

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Die Apothekenreform ist Teil einer umfassenderen Strategie der Gesundheitsminister. Auf einer Konferenz unter Vorsitz von Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi sprachen sich die Länder einstimmig dafür aus, Hausärzte zu zentralen Lotsen im Gesundheitssystem zu machen.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will noch bis Ende Sommer 2026 einen entsprechenden Gesetzentwurf für dieses hausarztzentrierte Versorgungsmodell vorlegen. Pilotregionen sind geplant, erste messbare Effekte für die Patientenversorgung erwartet die Regierung jedoch erst 2028.

Neben der Apotheken-Reform verabschiedete der Bundesrat am heutigen Freitag weitere Maßnahmen: Die Renten steigen ab Juli um 4,24 Prozent. Eine bundesweite Pflicht zur elektronischen Fußfessel für Gewalttäter in häuslicher Beziehung wurde beschlossen. Und die Luftverkehrssteuer sinkt – je nach Streckenlänge zwischen 2,50 und 11,40 Euro pro Ticket – ebenfalls ab Juli.

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