Apotheken, Video-Sprechstunden

Apotheken starten Video-Sprechstunden im Juli 2026

08.05.2026 - 23:34:03 | boerse-global.de

Ab Juli 2026 bieten Apotheken per Video ärztliche Konsultationen an. Ein Schiedsspruch regelt die Vergütung, während Pilotprojekte laufen.

Apotheken starten Video-Sprechstunden im Juli 2026 - Foto: über boerse-global.de
Apotheken starten Video-Sprechstunden im Juli 2026 - Foto: über boerse-global.de

Juli 2026 sollen Apotheken per Video Patienten mit Ärzten verbinden. Ein Schiedsspruch Mitte April hat den Weg dafür freigemacht. Der Deutsche Apothekerverband erwartet nun den offiziellen Start der sogenannten „begleiteten Telemedizin“ in den Beratungsräumen der Apotheken. Ziel ist es, die digitale Bequemlichkeit mit der notwendigen ärztlichen Aufsicht zu verbinden – und das zu einer Zeit, in der die Zahl der Apotheken auf ein Rekordtief gefallen ist.

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Rechtsrahmen und Start im Juli

Am 16. April 2026 fällte eine Schiedsstelle die entscheidende Entscheidung zur Vergütung der neuen Dienstleistung. Damit stehen die finanziellen und operativen Leitplanken für Apotheker, die künftig Video-Konsultationen zwischen Patienten und Ärzten ermöglichen. Der Deutsche Apothekerverband rechnet damit, dass das Bundesgesundheitsministerium den Schiedsspruch zeitnah bestätigt – der Startschuss soll dann am 1. Juli fallen. Die Apotheken stellen dafür eigene Beratungsräume und die nötige Technik bereit.

Die Ausweitung kommt nicht von ungefähr: Erst Anfang der Woche, am 5. Mai 2026, verbot das Landgericht Köln die Ausstellung von Rezepten allein auf Basis von Online-Fragebögen. Solche Praktiken, vor allem bei Lifestyle-Medikamenten verbreitet, genügten nicht mehr den medizinischen Standards. Die neue Apotheken-Lösung umgeht dieses Problem: Ein Arzt oder Apotheker ist stets persönlich eingebunden.

Auch der Europäische Datenschutzbeauftragte mischt mit. Sein Jahresbericht 2025, Anfang Mai 2026 veröffentlicht, fokussiert auf internationale Datentransfers und den Ausbau von KI-Einheiten. Das dürfte die künftige Handhabung von Telemedizin-Daten in der gesamten EU prägen – besonders mit dem europäischen Gesundheitsdatenraum als neuer Rechtsgrundlage.

Handel testet die Praxis

Während der offizielle Start näher rückt, erproben große Handelsketten bereits die Infrastruktur. In Baden-Württemberg hat Kaufland ein Pilotprojekt mit Apotheken-Terminals an fünf Standorten gestartet – darunter Schwetzingen, Bietigheim und Sinsheim. Kunden können dort elektronische Rezepte einlösen und rezeptfreie Medikamente bestellen, die sie vor Ort abholen oder liefern lassen.

Auch Krankenhausgruppen experimentieren mit neuen Modellen. Der Sana Medical Room in einem Mosbacher Einzelhandelsgeschäft versorgt seit Ende 2025 mehr als 75 Prozent der Patienten ausreichend. Asklepios startete Anfang 2026 seinen VirtualWard für Pflegeheime. Start-ups wie Medivise entwickeln spezielle Telemedizin-Kabinen für Apotheken – kleine Boxen mit Diagnosewerkzeugen und Privatsphäre. Allerdings haben einige Anbieter ihre Rollouts pausiert, um die sich ständig ändernden Vorschriften abzuwarten.

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Der Vorstoß kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Nur noch 16.541 Apotheken waren im ersten Quartal 2026 aktiv – ein historischer Tiefstand. Der Apothekerverband hat deshalb eine Petition für eine Reform der Apothekenvergütung gestartet. Gefordert wird eine Erhöhung der Festgebühr pro Rezept von 8,35 auf 9,50 Euro. Gesundheitsministerin Nina Warken signalisierte Unterstützung – schließlich brauche es ein flächendeckendes Apothekennetz, um die neuen digitalen Dienste zu tragen.

Digitalisierung mit Hindernissen

Die Telemedizin-Initiative ist Teil eines größeren Modernisierungsprojekts des Digitalministeriums. Minister Wildberger zog nach einem Jahr Amtszeit Bilanz: beschleunigte Genehmigungsverfahren, Ausbau der Glasfasernetze. Mitte Juli 2026 ist ein Spitzentreffen zur weiteren Verwaltungsentlastung geplant – das Ziel: drei Milliarden Euro Einsparungen durch digitale Effizienz.

Doch die Realität hinkt hinterher. Der Bitkom-Länderindex 2026 sieht Hamburg als digitalsten Bundesstaat, gefolgt von Berlin und Hessen. Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern bilden das Schlusslicht. Und eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts zeigt: Nur 56 Prozent der Kliniken haben die nötigen Software-Updates für die elektronische Patientenakte (ePA) abgeschlossen. Ärzte sollen die Akten ab Oktober 2025 befüllen – aber nur etwa 650 von 1.800 Krankenhäusern nutzen das System aktiv.

Im kommerziellen Bereich haben die E-Commerce-Riesen längst Fuß gefasst. Neue Marktdaten zeigen: Amazon ist mit rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz bei rezeptfreien Gesundheitsprodukten im Jahr 2025 zur dominierenden Kraft im deutschen Gesundheitsmarkt aufgestiegen. Damit liegt der Konzern vor etablierten Online-Apotheken wie DocMorris. Die wiederum kontert mit eigenen Innovationen – etwa einer Mehrweg-Verpackungsinitiative in Ludwigshafen zur Reduzierung von Müll und CO2-Emissionen.

Die digitale Kluft überbrücken

Die Digitalisierung hat auch eine Schattenseite. Eine Studie namens „Care on Hold“ , Anfang Mai veröffentlicht, zeigt: Rund ein Drittel der über 75-Jährigen ist gezwungen, Termine online zu buchen – eine Methode, die 77 Prozent dieser Gruppe ablehnt. Fast 70 Prozent der älteren Bürger fehlt die nötige Ausstattung oder das Wissen, um Online-Gesundheitssysteme eigenständig zu nutzen.

Genau hier setzt die Apotheken-Lösung an. Die Apotheke wird zur „digitalen Brücke“ : Sie bietet die Vorteile der Telemedizin – kürzere Wartezeiten, Zugang zu Spezialisten –, bewahrt aber den menschlichen Kontakt und die räumliche Nähe. Dieser Ansatz stand auch im Mittelpunkt eines internationalen Forums zur Digitalisierung des öffentlichen Sektors. Die Botschaft der Experten: Vertrauen in KI und Telemedizin entsteht nur durch schrittweise Modernisierung und Sicherheitskonzepte nach dem Zero-Trust-Prinzip.

Ausblick: Was kommt nach dem Start?

Der Erfolg der begleiteten Telemedizin wird davon abhängen, wie nahtlos verschiedene digitale Werkzeuge ineinandergreifen. Die Regierung plant die Einführung einer digitalen Brieftasche (Eudi Wallet) und einer einheitlichen „Deutschland-App“ . Die Wallet soll Anfang 2027 einsatzbereit sein und Identitätsnachweise sowie Verwaltungsaufgaben für Patienten vereinfachen.

Kurzfristig liegt der Fokus auf dem 1. Juli und der Frage, ob die Apotheken die neuen Beratungsmodelle flächendeckend umsetzen können. Große Klinikgruppen und Handelsketten machen mit Pilotprojekten den Anfang. Doch der wahre Test wird sein, ob die verbliebenen 16.000 inhabergeführten Apotheken mitziehen. In einem sich konsolidierenden Markt könnte die Fähigkeit, telemedizinische Dienste anzubieten, für viele unabhängige Apotheken zur Existenzfrage werden.

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