Apotheken-Reform, Impfen

Apotheken-Reform: Impfen und Telemedizin ab Juli 2026

18.06.2026 - 17:12:25 | boerse-global.de

Der Bundestag beschließt erweiterte Befugnisse für Apotheken. Impfungen, Blutentnahmen und assistierte Telemedizin sind ab Juli 2026 möglich.

Apotheken-Reform 2026: Neue Leistungen wie Impfen und Telemedizin
Apotheken-Reform - Eine Apothekerin verabreicht einem Patienten in einer modernen Apotheke eine Impfung, symbolisch für erweiterte Serviceangebote. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Bundestag beschloss die Reform im Mai 2026, der Bundesrat billigte sie am 12. Juni. Ziel: Die flächendeckende Versorgung sichern und Apotheken stärker in die Gesundheitsvorsorge einbinden.

Impfen, Blut abnehmen, testen

Ein Kernstück der Reform: Apotheken dürfen künftig mit Totimpfstoffen impfen – gegen Tetanus, Polio, Keuchhusten oder FSME. Dafür gibt es 15 Euro Vergütung. Zudem sind venöse Blutentnahmen und Schnelltests für Patienten ab 18 Jahren erlaubt.

Anzeige: Wer die neuen Apotheken-Leistungen ab Juli nutzen will, findet in diesem Leitfaden eine praktische Checkliste – von Impfungen über Blutanalysen bis zur Telemedizin. Jetzt kostenlosen Reform-Leitfaden anfordern

Die Landgraf-Karl-Apotheke in Kassel bietet bereits Blutwertanalysen an – etwa für Blutzucker, Cholesterin oder Vitamin D. Die Apotheker begrüßen die gesetzliche Bestätigung. In Bremen und Niedersachsen sollen die Angebote bald flächendeckend starten. Die Vergütung für Blutentnahmen läuft voraussichtlich als Selbstzahlerleistung.

Telemedizin startet am 1. Juli

Ein digitaler Meilenstein folgt zum 1. Juli 2026: die assistierte Telemedizin (aTM) in Apotheken. Das Bundesgesundheitsministerium hat die Vergütung im Juni 2026 abgesegnet, der Weg ist frei.

Apotheken-Teams unterstützen Patienten bei Videosprechstunden mit Ärzten. Dafür gibt es zunächst 30 Euro pro Fall. Ab Juli 2029 sinkt die Vergütung auf 21,50 Euro. Branchenvertreter wie der Bundesverband Deutscher Versandapotheken diskutierten Mitte Juni in Berlin über KI und eCommerce als nächste Schritte.

Mehr Geld – aber reicht das?

Trotz neuer Aufgaben bleibt die wirtschaftliche Lage vieler Apotheken angespannt. Das Fixum für verschreibungspflichtige Medikamente steigt von 8,35 auf 9,50 Euro. Der Kassenabschlag wird aber um 30 Cent angehoben – effektiv bleiben 9,20 Euro.

Apotheker im Werra-Meißner-Kreis kritisieren das als unzureichend. Die Personalnot sei groß, das Packungsfixum seit 2013 nicht angepasst. Die ABDA wehrt sich zudem gegen das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das ab 2027 den Apothekenabschlag von 1,77 auf 2,07 Euro erhöhen will. Der Bundesrat lehnte das am 12. Juni ab. Eine Anhörung im Gesundheitsausschuss ist für den 22. Juni angesetzt.

Ärzte warnen vor Risiken

Die Reform stößt auf Widerstand aus der Ärzteschaft. Der Hausärzteverband Bremen sorgt sich um die Patientensicherheit. Diagnosen müssten ärztliche Kernaufgabe bleiben. Die Verlagerung von Leistungen in Apotheken bringe womöglich keine echte Entlastung, sondern schaffe Unsicherheiten bei der Nachverfolgung von Behandlungen.

Apothekensterben: Sachsen legt Sicherungsplan vor

Die Diskussion um das sogenannte Apothekensterben verschärft sich. Die Zahl der Apotheken sank von rund 20.000 im Jahr 2016 auf zuletzt 16.600. In Sachsen fiel die Zahl binnen fünf Jahren von 938 auf 887 (Stand 2024). Ein Sicherungsplan vom Juni 2026 sieht eine Landapothekerquote, mobile Angebote und verstärkte Fachkräftesicherung vor.

Anzeige: Sorgen Sie sich wegen langer Wartezeiten beim Arzt? Ab Juli 2026 können Apotheken bei Impfungen, Tests und Telemedizin helfen. Dieser Leitfaden zeigt, welche Angebote es gibt und was sie kosten. Mehr erfahren – Leitfaden anfordern

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner besuchte am 16. Juni den Logistikstandort von Phoenix in Bad Kreuznach. Themen: die Reform, Lieferengpässe und Drohnenlieferungen als innovative Lösung.

Bevölkerung skeptisch

Eine YouGov-Umfrage vom Juni 2026 zeigt: 61 Prozent der Befragten lehnen das Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken ab. Besonders höhere Zuzahlungen für Medikamente stoßen auf breite Ablehnung.

de | wissenschaft | 69574027 |