Apikale, Parodontitis

Apikale Parodontitis: Review findet 32 Prozent höheres Herz-Kreislauf-Risiko

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 09:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsarbeiten verbinden Parodontalerkrankungen mit Herz-Kreislauf-Risiken, belegen aber keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung.

Mundentzündungen und Herzrisiko: Was Studien über den Zusammenhang zeigen
Heller, steriler Behandlungsraum in einer medizinischen Einrichtung mit Fokus auf Licht und Schatten ohne medizinische Geräte. Illustration mit AI erstellt.

Der Zusammenhang zwischen oralen Anzeichen und dem Risiko für akute kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte sowie deren langfristige Bewältigung rückt zunehmend in den Fokus medizinischer Berichterstattung. Neben klassischen Risikofaktoren weisen Fachleute und wissenschaftliche Arbeiten verstärkt darauf hin, dass chronische Entzündungsprozesse im Mundraum eng mit der kardiovaskulären Gesundheit verknüpft sind.

Wissenschaftliche Befunde zu Entzündungen im Mundraum

Ein wissenschaftliches Review aus Indien aus dem Jahr 2025 untersuchte den Einfluss der apikalen Parodontitis. Demnach war das relative Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Vorliegen dieser Erkrankung um 32 Prozent erhöht, während die statistischen Chancen (Odds) um 83 Prozent höher lagen als bei Personen ohne apikale Parodontitis.

Die Autoren um Talekar hielten im Fachjournal Journal of Dentistry (Vol. 161, 2025) fest, dass apikale Parodontitis als unabhängiger, klinisch relevanter Risikomarker dienen könne.

Eine direkte kausale Interpretation werde jedoch durch uneinheitliche diagnostische Kriterien erschwert, weshalb große prospektive Kohortenstudien mit standardisierten Definitionen und strenger Störfaktorkontrolle erforderlich seien.

Auch die breitere Forschungsliteratur belegt einen Zusammenhang zwischen Parodontalerkrankungen und Herzerkrankungen. Studien zufolge haben Betroffene mit Erkrankungen des Zahnhalteapparats ein etwa zwei- bis dreifach höheres Risiko für ein schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis, wenngleich eine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung nicht bewiesen ist.

Eine wissenschaftliche Stellungnahme der American Heart Association bestätigt diesen starken statistischen Zusammenhang, verweist jedoch ebenfalls auf das Fehlen eines nachgewiesenen Kausalitätsnachweises.

Als Erklärungswege gelten chronische Entzündungen, die Ausbreitung von oralen Bakterien über die Blutbahn sowie gemeinsame Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes, Fettleibigkeit, hohes Alter, Fehlernährung und Bewegungsmangel. Bei statistischer Berücksichtigung des Rauchens schwächt sich ein Teil dieser Korrelation ab.

Entzündungsmechanismen und Symptome beim Herzinfarkt

Chronische Parodontitis gilt überdies als Faktor für beschleunigte Alterungsprozesse, da Bakterien und entzündliche Botenstoffe wie Zytokine über die Blutbahn zirkulieren. Diese Entzündungsmarker können das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und kognitive Beeinträchtigungen steigern. Prophylaxe und gezielte Parodontaltherapien können diese systemische Entzündungslast reduzieren.

Die Relevanz kardiovaskulärer Prävention bleibt hoch: Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung ereignen sich in Deutschland jährlich über 300.000 Herzinfarkte. Nach Daten des NDR sterben 43 Prozent der betroffenen Frauen und 37 Prozent der betroffenen Männer an den Folgen eines Infarkts.

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Zudem ereignen sich drei Viertel aller Todesfälle nach einem Herzinfarkt zu Hause, ohne dass zuvor ein Arzt alarmiert wurde. Zu den bekannten Risikofaktoren zählen Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Rauchen und Diabetes.

Die Symptome erfordern erhöhte Aufmerksamkeit: Schmerzen können in Hals, Rachen sowie Unter- oder Oberkiefer ausstrahlen. Insbesondere bei Frauen äußern sich Beschwerden mitunter als Zahnschmerzen oder atypische Anzeichen wie Kurzatmigkeit, Schweißausbrüche, Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen, Ziehen in den Armen sowie ausgeprägte Müdigkeit.

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Zahnpflege und langfristige Versorgung

Zahnfleischrückgang und Entzündungen entstehen oft durch suboptimale Mundhygiene, falsche Putztechniken, Parodontitis, Rauchen oder genetische Faktoren. Unbehandelt drohen Zahnlockerung und Zahnverlust.

Bei wiederkehrendem oder anhaltendem Zahnfleischbluten sowie Begleitsymptomen wie Schwellungen oder Schmerzen wird eine zahnärztliche Abklärung empfohlen. Neben professionellen Zahnreinigungen unterstützen Interdentalbürsten und schonende Putztechniken die Mundgesundheit.

Nach überstandenen akuten Ereignissen wie einem STEMI oder NSTEMI steht zudem das kardiovaskuläre Risikomanagement im Fokus. Die Initiative „Hochfranken auf Ziel >>> 55“ der Deutschen Gesellschaft für Lipidologie veranstaltet am 14. Oktober 2026 eine Fachtagung in Hof unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Dr. Anil-Martin Sinha, um die Nachsorge zu verbessern. Ein zentraler Bestandteil liegt dabei auf der Absenkung des LDL-Cholesterins auf einen Zielwert von unter 55 mg/dl.

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