Apherese, PFAS-Werte

Apherese: PFAS-Werte sanken nach einer Sitzung um bis zu 75,8 Prozent

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Dresdner Messungen zeigen sinkende Schadstoffwerte nach Apherese; kleine Stichproben und fehlende Kontrollgruppen begrenzen die Aussagekraft.

Apherese senkt PFAS- und Mikroplastikwerte in kleinen Patientengruppen
Moderne medizinische Laborausstattung mit gläsernen Filtersystemen und analytischen Instrumenten für die Blutreinigung. Illustration mit AI erstellt.

Eine Studie der TU Dresden und der Uniklinik Carl Gustav Carus liefert neue Hinweise darauf, dass die sogenannte Apherese – ein Blutreinigungsverfahren – nicht nur klassische Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, sondern auch die Belastung des Körpers mit sogenannten Ewigkeits-Chemikalien (PFAS) und Mikroplastik verringern kann. Erstautor der Untersuchung ist Stefan R. Bornstein, Leiterin ist Charlotte Steenblock.

Deutliche Rückgänge bei PFAS-Werten

Im Mittelpunkt der Studie stehen Messungen bei insgesamt 14 Patienten, bei denen vier häufige PFAS-Verbindungen nach der Behandlung um bis zu 25 Prozent sanken, ermittelt in einem Labor in Bremen. In einem zweiten Labor zeigte sich bei vier Patienten nach nur einer Sitzung ein noch deutlicherer Effekt: PFOS sank um 48,9 Prozent, PFOA um 43,5 Prozent, PFNA um 55,0 Prozent und PFDoDA um 75,8 Prozent.

Zugrunde liegt den Forschenden zufolge die Hypothese, dass solche Schadstoffe an Lipoproteine gebunden im Blut zirkulieren und mit einem Doppelfiltrations- beziehungsweise Adsorptionsverfahren entfernt werden können, ohne dass – anders als beim klassischen Plasmaaustausch – eine Ersatzflüssigkeit nötig wäre. Zum Einsatz kamen dabei Massenspektrometer und Raman-Spektroskopie, mit denen auch Polystyrol-Partikel in menschlichem Gewebe kartiert wurden.

Auch klassische Risikofaktoren und Mikroplastik im Blick

Bei einer größeren Gruppe von 34 Patienten sanken zudem CRP, Fibrinogen, LDL-Cholesterin und Lipoprotein(a) deutlich – allesamt Marker, die mit Entzündungsprozessen und Gefäßrisiken in Verbindung gebracht werden. Parallel untersuchten die Forschenden Mikroplastik im Blut von vier Patienten: Polyethylen ging bei allen vier zurück, PVC bei drei von vier.

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Polypropylen zeigte ein uneinheitliches Bild mit Anstieg bei zwei und Rückgang bei einem Patienten. Eine Durchflusszytometrie an vier Patienten in Spanien ergab einen Rückgang von rund 70 Prozent, der jedoch statistisch nicht signifikant war.

Einordnung in der Praxis

Das beteiligte Zentrum behandelt nach eigenen Angaben seit 25 Jahren Patienten mit Apherese, mit rund 200 Sitzungen pro Woche. Nach klinischer Erfahrung Bornsteins – nicht als Studienergebnis – blieben 70 bis 80 Prozent der behandelten Patienten ohne erneutes kardiovaskuläres Ereignis. Diese Einschätzung stützt sich jedoch auf Erfahrungswerte aus der Praxis und nicht auf die vorliegende Untersuchung selbst.

Grenzen der Aussagekraft

Die Autoren selbst verweisen auf deutliche Limitationen: Die Stichproben sind klein, es handelt sich nicht um eine randomisierte kontrollierte Studie, und gemessen wurde jeweils nur der akute Effekt einer Behandlung – Langzeitwirkungen bleiben offen. Zudem bestehen finanzielle Verbindungen zu Geräteherstellern.

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Auch die Kunststoffanalysen gelten als explorativ, die Patientengruppen als heterogen. Als nächsten Schritt plant Bornstein laut einem Bericht die Verfolgung von Mikroplastik in Studien an größeren Tieren. Gefördert wird ein entsprechendes Forschungsprogramm über das ARPA-H-Programm mit 144 Millionen US-Dollar.

Einbettung in einen größeren Forschungstrend

Die Dresdner Ergebnisse reihen sich ein in eine wachsende Zahl von Arbeiten, die einen Zusammenhang zwischen Kunststoffbelastung im Körper und kardiovaskulären Risiken nahelegen.

Eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Beobachtungsstudie unter Leitung von Raffaele Marfella (Universität Kampanien, Neapel) hatte bereits zuvor 257 Patienten nach einer Karotisendarteriektomie über 34 Monate begleitet: Bei knapp 60 Prozent der Patienten fand sich Polyethylen in den entfernten Gefäßplaques, bei 12 Prozent zusätzlich PVC.

Patienten mit nachgewiesenem Mikroplastik in den Plaques hatten demnach ein 4,5-fach höheres Risiko für Schlaganfall, nicht-tödlichen Herzinfarkt oder Tod im Beobachtungszeitraum.

Auch hier handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die einen Zusammenhang, aber keine Kausalität belegt; Faktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel oder Luftverschmutzung wurden nicht gesondert berücksichtigt. Kommentiert wurden die Ergebnisse von Philip J. Landrigan vom Boston College.

Auch unabhängig von diesen Arbeiten mehren sich Warnungen aus der Wissenschaft: Forschende der Universität Amsterdam weisen auf eine Zunahme potenziell gefährlicher PFAS-Belastungen im menschlichen Körper hin, was politisch Rückenwind für Forderungen nach schärferer Regulierung von Ewigkeits-Chemikalien gibt.

Insgesamt deuten die Dresdner Daten darauf hin, dass Apherese-Verfahren über ihren etablierten Einsatz bei Fettstoffwechselstörungen hinaus auch als Werkzeug zur Reduktion von Umweltschadstoffen im Blut untersucht werden könnten. Angesichts der kleinen Fallzahlen und fehlender randomisierter Kontrollgruppen bleibt jedoch offen, ob und in welchem Umfang sich daraus belastbare klinische Empfehlungen ableiten lassen.

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