Aortenklappenverkalkung, Befunden

Aortenklappenverkalkung: 84,3 Prozent fehlen in radiologischen Befunden

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 18:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
HealthAVC erkannte viele im Befund ausgelassene Verkalkungen; eine Studie bescheinigt CCTA-gestützter PCI vergleichbare Ergebnisse zu IVUS.
Ein leerer, steriler medizinischer Untersuchungsraum mit einem modernen Computertomographen in einem sanft beleuchteten Umfeld. Illustration mit AI erstellt.

Die bildgebende Diagnostik gewinnt bei der Früherkennung kardiovaskulärer Erkrankungen zunehmend an Bedeutung. Eine auf dem Fachkongress TCT 2026 in San Diego vorgestellte und im Journal JACC: Advances publizierte Untersuchung zu der Software HealthAVC von Nanox.AI beleuchtet nun eine erhebliche Lücke in der radiologischen Routineberichterstattung: In nicht-kontrastierten Thorax-Computertomografien (CT) von Erwachsenen ab 50 Jahren wurde eine Aortenklappenverkalkung (AVC) in der Mehrheit der Fälle im schriftlichen Befund nicht erwähnt, obwohl die Veränderungen im Bildmaterial vorhanden waren.

Hohe Dunkelziffer in radiologischen Befunden

Für die HealthAVC-Studie wurden nicht-kontrastierte Thorax-CT-Scans von 440 auswertbaren Erwachsenen ab 50 Jahren analysiert. Die Auswertung ergab, dass 145 von 172 manuell bestätigten AVC-positiven Scans die Aortenklappenverkalkung im Radiologiebericht nicht erwähnten. Dies entspricht einem Anteil von 84,3 Prozent nicht berichteter Befunde. Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich hierbei um ein Maß für die radiologische Berichterstattung und nicht um eine Diagnosefehlerrate handelt.

Von den insgesamt 496 eingereichten Scans erwiesen sich 56 Aufnahmen beziehungsweise 11,3 Prozent als nicht auswertbar. Die Software HealthAVC V1.0 erkannte 142 der 145 im Befund fehlenden Fälle, was einer Quote von 97,9 Prozent entspricht.

Insgesamt erzielte der Algorithmus bei den auswertbaren Scans eine Sensitivität von 98,3 Prozent (169 von 172 Fällen) und eine Spezifität von 96,6 Prozent (259 von 268 Fällen).

Unter Berücksichtigung aller eingereichten Aufnahmen lag die End-to-End-Sensitivität bei 89,9 Prozent (169 von 188 Fällen). Das Programm befindet sich derzeit in der Entwicklung und ist weder für den klinischen Einsatz zugelassen noch kommerziell verfügbar.

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Fortschritte bei der Koronar-Plaque-Analyse und PCI-Planung

Neben der Detektion von Klappenkalzifizierungen schreitet auch die CT-basierte Beurteilung der Herzkranzgefäße voran. Siemens Healthineers stellte die Software syngo.CT Coronary Cockpit vor.

Die Anwendung dient der KI-basierten Segmentierung, Visualisierung und Quantifizierung von Koronarplaque aus Daten der koronaren CT-Angiografie (CCTA) innerhalb der hauseigenen syngo.via-Plattform. Sie charakterisiert Menge sowie Morphologie der Plaque im gesamten Koronarbaum oder in einzelnen Läsionen, um die kardiovaskuläre Risikobewertung und die Planung perkutaner Koronarinterventionen (PCI) zu unterstützen.

Welchen praktischen Nutzen CCTA-Daten bei Interventionen haben können, untersuchte die ebenfalls auf dem TCT 2026 vorgestellte und zeitgleich im New England Journal of Medicine veröffentlichte P4-Studie.

An 23 Zentren in den USA, Europa und Japan wurden 1.105 Patienten mit einem medianen Alter von 65 Jahren (21,7 Prozent weiblich) randomisiert entweder einer CCTA- oder einer intravaskulären ultraschallgesteuerten PCI (IVUS) zugewiesen.

Die von GE HealthCare und Heartflow finanzierte Studie zeigte beim primären Endpunkt, dem 12-Monats-Target-Vessel-Failure, eine Rate von 4,1 Prozent unter CCTA gegenüber 4,6 Prozent unter IVUS. Die absolute Risikodifferenz lag innerhalb der festgelegten Nichtunterlegenheitsgrenze von 4,5 Prozentpunkten (P<0,001 für Noninferiorität).

Hinsichtlich der Verfahrensparameter verzeichnete die CCTA-Gruppe eine mediane Prozedurdauer von 46 Minuten im Vergleich zu 63 Minuten bei IVUS sowie ein geringeres Kontrastmittelvolumen von median 150 Millilitern gegenüber 170 Millilitern (P<0,001).

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Die Strahlendosis betrug 35,6 gegenüber 38,5 Gy·cm² (P=0,07). Fortgeschrittene Kalziummodifikationen wurden bei 9,2 Prozent in der CCTA-Gruppe im Vergleich zu 3,8 Prozent in der IVUS-Gruppe durchgeführt.

Daten aus dem NAVIGATE-PCI-Register von Heartflow mit 203 Patienten ergänzen diese Erkenntnisse: Dort wurden Behandlungspläne bei rund 70 Prozent der Patienten angepasst; die häufigsten Modifikationen betrafen die Stentlänge bei 41 Prozent sowie die Läsionspräparation bei 12 Prozent.

Risikomarker und Zufallsbefunde in der Vorsorge

Die Relevanz subklinischer Gefäßveränderungen verdeutlicht zudem das BRAVEHEART-Register. Bei 96 asymptomatischen Feuerwehrleuten mit einem mittleren Alter von 48,1 Jahren und mindestens zehn Jahren Rauchexposition wiesen 72 Prozent subklinische Plaques auf; schwere Plaque-Volumina von mehr als 250 Kubikmillimetern fanden sich bei 16 Prozent der Teilnehmenden.

Die Aufdeckung der Befunde zeigte Einfluss auf die Therapietreue: 68 Prozent äußerten die Bereitschaft zu einer lipidsenkenden Therapie und 93 Prozent zu Lebensstiländerungen.

Zusätzliche prognostische Hinweise liefert der perivaskuläre Fettattenuationsindex (FAI). Studienleiterin Dr. Leanne Eveson berichtete auf einem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), dass ein KI-gestützter, erhöhter FAI aus CCTA-Daten selbst bei Patienten ohne klassische Risikofaktoren wie Rauchen, Adipositas, Hypertonie oder Diabetes mit einem signifikant höheren kardiovaskulären Mortalitätsrisiko einhergeht.

Darüber hinaus belegt eine im Fachjournal European Radiology veröffentlichte Schweizer Studie, dass die Koronar-CT ein starkes Potenzial zur Identifikation extrakoronarer Pathologien, darunter auch maligne Anomalien, besitzt, was neue Möglichkeiten für ergänzende Screening-Protokolle bei Hochrisikogruppen eröffnet.

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