Antikörper-Forschung, KI-Labor

Antikörper-Forschung: KI-Labor entwickelt Wirkstoffe gegen seltene Krankheiten

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 13:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Anthropic verbindet Claude mit Laborrobotern und präklinischer Forschung. Das Wet Lab soll biologische Modelle prüfen, ohne klinische Studien zu planen.

Anthropic eröffnet Wet Lab für KI-gestützte Biologieforschung
Modernes, hochmodernes Nasslabor mit automatisierten Laborgeräten und Glasgefäßen für die biologische Wirkstoffforschung. Illustration mit AI erstellt.

Das Technologieunternehmen Anthropic hat seine Forschungsaktivitäten auf den Bereich der physischen Biologie ausgeweitet. Wie Eric Kauderer-Abrams, Leiter der Sparte Life Sciences bei Anthropic, Mitte September 2026 bestätigte, betreibt das Unternehmen in der San Francisco Bay Area ein eigenes Nasslabor („Wet Lab“).

Die Einrichtung dient der Durchführung physischer Experimente, um die theoretischen Modelle der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Praxis zu validieren. Laut Kauderer-Abrams stelle die reale Laborarbeit die finale Prüfung für biologische Erkenntnisse dar.

Integration von Claude in die physische Laborarbeit

Ein zentraler Aspekt der Laborstrategie von Anthropic ist die Verknüpfung der hauseigenen KI Claude mit der Laborautomatisierung. Das System soll Berichten zufolge Roboter steuern, um Experimente eigenständig durchzuführen. Zur Standardisierung dieser Prozesse initiierte Anthropic bereits im August 2026 den sogenannten „Model Hardware Standard“, der die Steuerung von Laborgeräten durch KI-Modelle vereinheitlichen soll.

Inhaltlich liegt der Fokus der Laborarbeit auf der präklinischen Wirkstoffforschung. Dabei konzentriert sich das Unternehmen insbesondere auf seltene, vernachlässigte sowie als kaum behandelbar („undruggable“) geltende Krankheiten.

Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Entwicklung von bispezifischen und trispezifischen Antikörpern. Ein Sprecher des Unternehmens präzisierte jedoch, dass das Labor nicht ausschließlich für die Medikamentenentwicklung konzipiert worden sei. Klinische Studien am Menschen seien in dieser Einrichtung nicht vorgesehen.

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Strategische Zukäufe und personelle Neuausrichtung

Die Expansion in den Life-Sciences-Sektor wurde durch gezielte Akquisitionen und personelle Weichenstellungen vorbereitet. Bereits im April 2026 übernahm Anthropic das Unternehmen Coefficient Bio. Das Transaktionsvolumen belief sich Berichten zufolge auf rund 400 Mio. USD in Aktien, was zum damaligen Kurs etwa 348 Mio. € entsprach. Zudem verstärkte sich das Unternehmen im Verwaltungsrat durch die Berufung von Vas Narasimhan, dem Chef des Pharmakonzerns Novartis.

Parallel zum Aufbau der physischen Infrastruktur startete das Unternehmen das „Life Sciences Verification Program“. Im Rahmen seiner Aktivitäten arbeitet Anthropic zudem mit namhaften Partnern aus der Pharmaindustrie zusammen, darunter Roche, Bristol-Myers Squibb und Novo Nordisk.

Trotz dieser Kooperationen betonte ein Unternehmenssprecher, dass kein Fokus auf der direkten Wirkstoffsuche liege, um eine direkte Konkurrenzsituation zur etablierten Pharmaindustrie zu vermeiden.

Marktpositionierung und Sicherheitsbedenken im Vorfeld des IPO

Die Aktivitäten im Bereich der Biowissenschaften fallen in eine Phase, in der über einen bevorstehenden Börsengang (IPO) von Anthropic spekuliert wird. Analysten zufolge könnte das Unternehmen dabei eine Bewertung von bis zu 2 Billionen USD erreichen, was rund 1,74 Bio. € entspräche.

Trotz der technologischen Fortschritte rufen die Ambitionen im Laborbereich auch kritische Stimmen hervor. Kunden äußerten laut Berichten von September 2026 Besorgnis über einen möglichen Abfluss sensibler Daten im Zusammenhang mit den Labortätigkeiten.

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Zudem werden Sicherheitsaspekte innerhalb des Unternehmens diskutiert: Der Sicherheitschef von Anthropic schätzt das Risiko schwerer Schäden durch KI für die Menschheit innerhalb des nächsten Jahrzehnts auf über 10 %. In diesem Spannungsfeld zwischen Innovation und Risikoabsicherung versucht Anthropic, sich als führender Akteur an der Schnittstelle von KI und Biologie zu positionieren.

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