Antibiotika, Süßes

Antibiotika und Süßes: Studie findet 24,1 Prozent weniger Darmvielfalt

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 01:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei Blutkrebspatienten war mehr Süßes unter Antibiotika mit weniger Darmbakterienvielfalt und mehr Enterokokken verknüpft; allgemeine Ernährungsvorgaben fehlen.

Studie: Zuckerreiche Kost während Antibiotika mit geringerem Mikrobiom verbunden
Eine Nahaufnahme von natürlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten und Getreide auf einer Holzoberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Die Zusammensetzung der Nahrung kann während medizinischer Behandlungen spürbare Auswirkungen auf das bakterielle Gleichgewicht im Verdauungstrakt haben. Eine am 30. September 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung liefert nun detaillierte Einblicke in das Zusammenspiel von zuckerhaltigen Lebensmitteln und antibiotischen Therapien.

Bei schwer kranken Krebspatienten ging ein höherer Zuckerkonsum während der Verabreichung von Antibiotika mit einer deutlich verringerten Artenvielfalt im Darm sowie einer Zunahme potenziell problematischer Keime einher.

Mikrobiom-Daten von Krebspatienten ausgewertet

Für die Untersuchung analysierten die Forschenden insgesamt 9.419 Mahlzeiten und 1.009 Stuhlproben von 173 erwachsenen Blutkrebspatienten, die sich einer allogenen Stammzelltransplantation unterzogen hatten. Bei 158 dieser Patienten lagen geeignete, zeitlich aufeinanderfolgende Mikrobiomproben vor. Rund 80 Prozent der beobachteten Personen erhielten im Rahmen ihrer stationären Versorgung mindestens ein Breitbandantibiotikum.

Dabei zeigte sich ein klarer statistischer Zusammenhang: Wurden während einer Antibiotikatherapie mehr süße Nahrungsmittel verzehrt, sank die bakterielle Vielfalt im Darm ab, während sich gleichzeitig Enterokokken vermehrten.

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Laut einer Modellschätzung war die sogenannte Alpha-Diversität je 100 Gramm zusätzlicher süßigkeiten- und zuckerreicher Lebensmittel – gemessen am Trockengewicht und nicht als reiner Zucker – um etwa 24 Prozent geringer.

Für Phasen einer Behandlung mit Breitbandantibiotika bezifferte das Modell diesen Rückgang der durchschnittlichen Mikrobiomvielfalt auf 24,1 Prozent je 100 Gramm zusätzlicher Süßwaren. Wurden entsprechende Produkte in den 48 Stunden vor Beginn der Medikation konsumiert, war die Diversität dem Modell zufolge um weitere 21 Prozent vermindert.

Laborversuche stützen die Beobachtungen

Neben dem allgemeinen Verlust an Bakterienarten war die Kombination aus Antibiotika und zuckerreicher Kost spezifisch mit einem Anstieg von Enterococcus faecium verbunden.

Ergänzende Versuche an Mäusen untermauerten dieses Phänomen: Erhielten die Tiere Saccharose gemeinsam mit dem Antibiotikum Biapenem, lag die Menge an Enterokokken am dritten Tag 16,3-mal und am sixth Tag 33,4-mal höher als bei einer Verabreichung des Antibiotikums allein. Zucker ohne gleichzeitige Antibiotikagabe bewirkte hingegen keine wesentliche Zunahme der Keime.

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Fehlende Evidenz für allgemeine Ernährungsvorgaben

Trotz der deutlichen Labor- und Modellwerte warnen Fachleute davor, vorschnelle Schlüsse für den Alltag zu ziehen. Eine sichere oder schädliche Verzehrmenge lässt sich aus den Berechnungen nicht ableiten.

Zudem belegt die Erhebung weder einen generellen Nutzen eines Zuckerverzichts noch beweist sie, dass die Reduktion von Süßem konkrete Infektionen oder Nebenwirkungen verhindert. Eine direkte Übertragbarkeit der Resultate von schwer erkrankten Transplantationspatienten auf gesunde Personen ist bisher nicht gegeben.

Forschende halten pauschale Ernährungsempfehlungen daher für verfrüht, da belastbare klinische Interventionsstudien bislang fehlen. Marcel van den Brink verwies darauf, dass ein geringerer Konsum von Süßem während einer Antibiotikatherapie das Mikrobiom möglicherweise schützen könnte, dieser Ansatz jedoch erst in weiteren klinischen Untersuchungen systematisch überprüft werden muss.

Weitergehende Behauptungen über konkrete Karenzzeiten nach Behandlungsende oder Effekte auf spezifische andere Erreger werden von den aktuellen Studiendaten nicht gestützt.

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