Antibiotika in der Tierhaltung: Probiotika steigern Überlebensrate um 50%
16.06.2026 - 12:24:30 | boerse-global.de
Besonders die Geflügelmast leidet unter bakteriellen Infektionen – mit jährlichen Verlusten von vier bis sechs Milliarden US-Dollar. Die Forschung setzt jetzt auf Probiotika und bessere Haltungsbedingungen.
Probiotika mit doppelter Wirkung
Forscher der Oklahoma State University haben ein neuartiges Probiotikum entwickelt. Es steigert die Überlebensrate von Masthähnchen bei einer Clostridium perfringens-Infektion um 50 Prozent – im Vergleich zu herkömmlichen Präparaten. Der Trick: Ein spezielles Herstellungsverfahren sorgt für eine beschleunigte Auskeimung der nützlichen Bakterien im Darm.
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Der Markt für Futtermittel-Probiotika wächst rasant. 2025 erreichte er ein Volumen von rund vier Milliarden US-Dollar, die jährliche Wachstumsrate liegt bei etwa sieben Prozent. Besonders gefragt: wasserlösliche Bazillen-Probiotika auf Basis von Bacillus subtilis oder Bacillus licheniformis. Sie sind stabiler als Milchsäurebakterien und lassen sich präzise über Tränkesysteme dosieren – ideal für große Tierhaltungsbetriebe.
Europa zeigt, wie es geht
Das deutsche Projekt MiniAbeR – eine Kooperation der TU München und der Universität Bonn – sucht nach effektiven Strategien gegen den Medikamenteneinsatz in der Geflügelhaltung. Schwerpunkte: optimierte Reinigung, angepasste Besatzdichte und die Herkunft der Tiere.
Noch konkretere Erfolge meldet das Unternehmen Nanta aus Spanien und Portugal. In der Futtermittelproduktion sank der Antibiotikaeinsatz bei Schafen und Ziegen um 98 Prozent, bei Schweinen um 93 Prozent – jeweils im Vergleich zu den Vorjahren. 2025 folgte eine weitere Reduktion um 28 Prozent. Möglich machten das konsequente Sensitivitätstests, regelmäßige Audits und besseres Management.
Dänemark zeigt: Der Weg ist steinig
Nicht überall läuft die Entwicklung rund. In Dänemark stieg der Antibiotikaverbrauch in der Schweinehaltung 2025 um 2,2 Prozent – gemessen in Kilogramm Aktivstoff. Zwar sank der Verbrauch pro Tier, doch das Ziel für 2027 (minus acht Prozent gegenüber 2018) rückt in weite Ferne. Besonders die Ferkelaufzucht bereitet Sorgen: Hier steigen die Werte, während Sauen und Schlachtschweine rückläufig sind.
Auch die Milchviehhaltung bleibt ein Problemfeld. Ein Schweizer Fachsymposium im Juni 2026 thematisierte den hohen Medikamenteneinsatz bei Euterentzündungen (Mastitis). Die gute Nachricht: Eine Analyse von fast 12.000 deutschen Milchkuhbetrieben zeigt, dass 94 Prozent der Kühe inzwischen in Laufställen leben – eine wichtige Basis für bessere Tiergesundheit.
Neue Wirkstoffe und alternative Fütterung
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Die Wissenschaft arbeitet parallel an völlig neuen Ansätzen. Ein internationales Team mit Beteiligung der Universität Hamburg entdeckte in Streptomyces rimosus das Antibiotikum Manikomycin. Es wirkt gegen multiresistente Keime und zeigte sich in ersten Mausstudien verträglich. Problem: Der Wirkstoff wird im Blutplasma noch zu schnell abgebaut.
Ein weiteres Forschungsfeld: die Phagentherapie. Wissenschaftler aus Düsseldorf und Jülich fanden heraus, dass bestimmte Krebswirkstoffe die Vermehrung von Bakteriophagen stören können. Das ist entscheidend für die Entwicklung künftiger Alternativtherapien gegen Resistenzen.
In der Fütterungstechnologie startet im Sommer 2026 ein Projekt der Hochschule Osnabrück. Ziel: Grünlandprotein als regionale Eiweißquelle in der Broilerfütterung etablieren und importiertes Soja ersetzen. Industriepartner wie Evonik treiben solche biobasierten Lösungen voran – das Unternehmen investierte 2025 rund 418 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung.
