Antibiotika, Kindheit

Antibiotika in der Kindheit: 1,5-fach höhere Reizdarm-Odds mit 24

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 02:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine schwedische Kohorte verbindet Antibiotikarezepte in jungen Jahren mit mehr Reizdarmsyndrom bis zum Alter von 24 Jahren; Kausalität ist nicht belegt.
Mikroskopische Aufnahme einer komplexen biologischen Zellstruktur zur Veranschaulichung des Darmmikrobioms. Illustration mit AI erstellt.

Die Verordnung von Antibiotika im Kindes- und Jugendalter steht in Verbindung mit einem erhöhten Risiko für ein Reizdarmsyndrom im frühen Erwachsenenalter. Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse mahnt die Hauptautorin Dr. Jessica Sjölund eine ausgewogene Verschreibungspraxis bei Kindern an. Als möglicher zugrundeliegender Mechanismus wird eine langfristige Veränderung des Darmmikrobioms diskutiert.

Ergebnisse aus der schwedischen BAMSE-Kohorte

Die Auswertung der schwedischen BAMSE-Kohorte, die im Rahmen der UEG Week 2026 in Barcelona vorgestellt wurde, zeigt bei einer Antibiotikaverordnung in Kindheit und Jugend 1,5-fach höhere Odds für ein Reizdarmsyndrom (IBS) bis zum Alter von 24 Jahren (95% CI 1,0–2,2). Die Analyse wurde für Geschlecht und sozioökonomischen Status adjustiert; eine Kausalität ist damit nicht belegt.

Die Untersuchung stützt sich auf eine Datengrundlage von 2.853 Teilnehmern in Stockholm ab dem Jahr 1994. Dabei wurden Antibiotika-Rezepte aus einem nationalen Register vom Alter von 9 bis 11 Jahren (ab 2005) bis zum Jahr vor der IBS-Bewertung mit 24 Jahren erfasst.

Die IBS-Prävalenz lag im Alter von 24 Jahren bei 10,0 Prozent, wobei 79,4 Prozent der Betroffenen Frauen waren. Zudem hatten 87,8 Prozent der IBS-Fälle Antibiotika erhalten, verglichen mit 80,2 Prozent in der Gruppe ohne Reizdarmsyndrom.

Dosisabhängigkeit und spezifische Wirkstoffklassen

Die Daten der Kohorte weisen auf einen dosisabhängigen Zusammenhang hin, bei dem der Trend statistisch signifikant ausfällt (p für Trend <0,001). Bei 1 bis 2 Rezepten lag die Odds Ratio bei 1,3 (95% CI 0,9–2,0), bei 3 bis 5 Rezepten bei 1,6 (95% CI 1,0–2,4) und bei mindestens 6 Rezepten bei 1,7 (95% CI 1,1–2,6).

Auch die Art der Medikation spielt eine Rolle. So waren Tetracycline mit einer Odds Ratio von 1,4 (95% CI 1,1–1,8) for IBS assoziiert. Für die Gabe von mindestens 3 Cephalosporin-Rezepten ergab sich am 19. Oktober 2026 eine Assoziation mit einer Odds Ratio von 6,0 (95% CI 1,9–18,8).

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Auf der Fachtagung UEG Week 2026 wurde zudem festgehalten, dass etwa jeder zehnte Erwachsene unter anhaltenden oder rezidivierenden Darmbeschwerden mit Bauchschmerzen und Blähungen leidet, die meist mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen. Die Symptome beginnen häufig im frühen Erwachsenenalter, schwächen sich im Lebensverlauf oft ab, während die Ursachen weiterhin unbekannt sind.

Direkte Effekte auf den Wirtsorganismus und Ernährungseinflüsse

Ergänzende Grundlagenforschung liefert Hinweise auf biologische Mechanismen. Eine in Nature Microbiology veröffentlichte Mausstudie mittels Metagenomik und Transkriptomik an konventionellen und keimfreien Mäusen verdeutlicht, dass der Applikationsweg sowie Kombinationen von Antibiotika die Antworten von Wirt und Mikrobiota beeinflussen. Ein neu entwickeltes Analysewerkzeug namens CompoRes ermöglichte dabei die Trennung mikrobiota-unabhängiger Effekte.

In dieser Studie veränderte Vancomycin das Fütterungsverhalten mikrobiota-unabhängig und in evolutionär konservierter Weise. Dies führte über glukosegesteuerte Mechanismen zu einem Verlust der tageszeitlichen MHC-Klasse-II-Expression im Kolon der Mäuse, was belegt, dass Antibiotika direkt auf die Wirtsphysiologie wie Immunität und circadiane Rhythmik einwirken können.

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Zusätzlich zeigte eine Krebspatienten-Studie, dass eine hohe Zuckeraufnahme während einer Antibiotikatherapie mit einem weiteren Verlust der bakteriellen Vielfalt im Darm assoziiert war und die Vermehrung potenziell pathogener Bakterien begünstigte.

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