Antibiotika, Jugend

Antibiotika in der Jugend: Sechsfache Reizdarm-Chance bei Cephalosporinen

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine schwedische Kohortenanalyse verknüpft frühere Antibiotikaverordnungen mit Reizdarm im Alter von 24 Jahren.
Eine leere Laborschale in einer sterilen, klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Einnahme von Antibiotika von der Kindheit bis in das frühe Erwachsenenalter steht in einem messbaren Zusammenhang mit dem späteren Auftreten eines Reizdarmsyndroms.

Auf der Fachtagung UEG Week 2026 in Barcelona präsentierte Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass junge Erwachsene im Alter von 24 Jahren eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die funktionelle Magen-Darm-Erkrankung aufweisen, wenn sie in den Jahren zuvor medikamentös mit Antibiotika behandelt wurden. Die statistischen Wahrscheinlichkeiten steigen dabei mit der Gesamtzahl der Verordnungen an.

Datengrundlage der schwedischen Geburtskohorte

Grundlage der Untersuchung bilden die Daten von 2.853 Teilnehmern aus der schwedischen BAMSE-Geburtskohorte. Zur Erfassung der Medikamenteneinnahme werteten die Wissenschaftler Einträge aus dem schwedischen Arzneimittelregister aus.

Berücksichtigt wurden darin Verschreibungen ab dem Jahr 2005, als die Probanden im Alter zwischen 9 und 11 Jahren waren, bis zu einem Zeitpunkt von einem Jahr vor der standardisierten Erhebung des Reizdarmsyndroms im Alter von 24 Jahren.

Im Rahmen der Datenerhebung im Alter von 24 Jahren wurde bei 10,0 Prozent der Teilnehmer ein Reizdarmsyndrom diagnostiziert. Innerhalb der Gruppe der Betroffenen lag der Anteil derjenigen, die zuvor Antibiotika erhalten hatten, bei 87,8 Prozent.

Bei den Teilnehmern ohne Reizdarmsyndrom lag diese Quote hingegen bei 80,2 Prozent. Nach statistischer Adjustierung für Faktoren wie das Geschlecht sowie den sozioökonomischen Status ergab sich für Personen mit früherer Antibiotikaeinnahme eine 1,5-fache Chance (Odds Ratio) auf ein Reizdarmsyndrom (95% CI 1,0–2,2).

Anzeige

Wer sich mit chronischen Verdauungsproblemen oder unklaren Schmerzen befasst, findet in diesem Ratgeber wichtige Informationen über die Rolle von Entzündungsprozessen im Körper. Erfahren Sie im kostenlosen PDF-Report, wie Sie Beschwerden durch eine gezielte Ernährung lindern können. Gratis-Ratgeber zur entzündungshemmenden Ernährung sichern

Dosis-Wirkungs-Beziehung bei steigender Verordnungszahl

Die Analyse legt zudem eine deutliche Dosis-Wirkungs-Beziehung offen, wonach häufigere Verschreibungen mit kontinuierlich steigenden Wahrscheinlichkeiten einhergehen:

  • Bei 1 bis 2 Verschreibungen lag der Wert bei einer 1,3-fachen Odds (95% CI 0,9–2,0).
  • Bei 3 bis 5 Verschreibungen errechnete sich eine 1,6-fache Odds (95% CI 1,0–2,4).
  • Bei 6 oder mehr Verschreibungen stieg der Zusammenhang auf eine 1,7-fache Odds (95% CI 1,1–2,6).

Dieser kontinuierliche Anstieg verdeutlicht, dass wiederholte therapeutische Interventionen mit antimikrobiellen Substanzen über die Jugendjahre hinweg eine kumulative Rolle für das langfristige Krankheitsrisiko spielen können.

Deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Wirkstoffklassen

Neben der reinen Anzahl an Verschreibungen weisen die Auswertungen auf substanzspezifische Unterschiede hin. Die Einnahme von Tetracyclinen war demnach mit einer 1,4-fachen Odds (95% CI 1,1–1,8) assoziiert.

Besonders ausgeprägt zeigte sich das Verhältnis bei wiederholten Gaben bestimmter Breitbandwirkstoffe: Für Teilnehmer mit mindestens drei Verschreibungen von Cephalosporinen ermittelten die Forscher eine 6,0-fache Odds (95% CI 1,9–18,8) für die Entwicklung eines Reizdarmsyndroms im Alter von 24 Jahren.

Anzeige

Der Zusammenhang zwischen Medikamenteneinnahme und körperlichem Wohlbefinden betrifft Menschen in jeder Lebensphase. Dieser kostenlose Guide zeigt Ihnen, welche 12 natürlichen Lebensmittel wie sanfte Helfer gegen Erschöpfung und Magenprobleme wirken können. Jetzt kostenlosen PDF-Ratgeber herunterladen

Die Erkenntnisse liefern somit wichtige epidemiologische Einblicke in medikamentöse Risikofaktoren chronischer funktioneller Darmerkrankungen im Übergang vom Jugend- in das Erwachsenenalter.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70356964 |