Anti-Aging-Plasmapherese: Todesfall in Athen zeigt Risiken
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 01:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Tod eines Patienten in einer Athener Privatpraxis hat eine weitreichende Debatte über die Sicherheit von Plasmapherese-Behandlungen zu Anti-Aging-Zwecken ausgelöst. Im Fokus stehen dabei medizinische Einrichtungen, die den sogenannten therapeutischen Plasmaaustausch (TPE) ohne die erforderlichen Lizenzen und Sicherheitsvorkehrungen anbieten, sowie die Herausforderungen bei der behördlichen Aufsicht in diesem Wachstumsmarkt.
Der Fall Mazonakis und die Ermittlungen in Athen
Am 9. September 2026 ereignete sich in einer Praxis in der Karneadou-Straße im Athener Stadtteil Kolonaki ein folgenschwerer Zwischenfall. Der 54-jährige Giorgos Mazonakis erlitt während einer Plasmapherese-Behandlung einen Herzstillstand.
Laut Einsatzprotokollen der Rettungskräfte ging um 16:30 Uhr ein Notruf beim Rettungsdienst EKAB ein. Der Patient wurde um 16:45 Uhr ohne Puls in das Elpis-Krankenhaus eingeliefert, wo er nach einer 55-minütigen Reanimation um 17:40 Uhr für tot erklärt wurde.
Die Ermittlungen der Polizei Athen deckten erhebliche Ungereimtheiten auf. Die Praxisinhaber Ilias Theodoropoulos und Ioanna Gaku wurden vorübergehend festgenommen, wobei der Vorwurf der Aussetzung mit Todesfolge im Raum steht.
Ein zentraler Punkt der Untersuchung ist die Diskrepanz zwischen den Aussagen der Mediziner und den technischen Daten der medizinischen Geräte. Während die verantwortlichen Ärzte behaupteten, das Verfahren habe zum Zeitpunkt des Notfalls noch nicht begonnen, bestätigten Rettungskräfte, dass das Plasmapheresegerät bei ihrem Eintreffen in Betrieb war.
Technische Auswertungen der Maschine ergaben eine Laufzeit von etwa 42 bis 45 Minuten. Zudem belegen Aufnahmen von Überwachungskameras, dass Mazonakis die Praxis bereits gegen 13:00 Uhr betrat, während die Mediziner den Ankunftszeitpunkt mit 16:00 Uhr angaben.
Fehlende Lizenzen und technische Mängel
Untersuchungen der Behörden ergaben, dass die Räumlichkeiten in Kolonaki lediglich als privattherapeutische Praxis registriert waren und keine Lizenz für die Durchführung von TPE besaßen. Bereits bei Inspektionen in den Jahren 2024 und 2025 waren in der Praxis weder ein Plasmapheresegerät noch ein erforderlicher Defibrillator vorgefunden worden. Dennoch bewarb die Einrichtung neben der Plasmapherese auch CD34+-Stammzelltherapien.
Im Rahmen einer Durchsuchung stellten Ermittler fünf Ordner mit Dokumenten sowie Materialtaschen sicher. Die Familie des Verstorbenen hat Strafanzeige gegen zwei beteiligte Ärzte wegen fahrlässiger Tötung eingereicht und fordert eine Verschärfung des Vorwurfs auf Totschlag mit möglichem Vorsatz.
Ein 54-Jähriger stirbt während einer Plasmapherese in einer Athener Privatpraxis — die Räume hatten nie eine Lizenz für den Plasmaaustausch, ein Defibrillator war bei früheren Kontrollen nicht vorhanden. Wer solche Behandlungen für sich oder Angehörige in Erwägung zieht, sollte die Anbieter vorher genau prüfen. Kostenlosen Warn-Ratgeber mit Klinik-Checkliste anfordern
Eine gerichtsmedizinische Untersuchung konnte bislang kein eindeutiges Ergebnis zur Todesursache liefern, weshalb weitere forensische Gutachten ausstehen.
Medizinische Einordnung und behördliche Warnungen
Die Anwendung der Plasmapherese als Verjüngungsmethode wird von internationalen Fachgesellschaften kritisch bewertet. Die American Society for Apheresis stufte den Plasmaaustausch zu Anti-Aging-Zwecken in einer Bewertung vom 10. September 2026 als Kategorie IV ein, was einer ausdrücklichen Nicht-Empfehlung entspricht.
Der Hämatologe Sotiris Koumas wies darauf hin, dass Plasmapherese nur in spezialisierten Zentren für spezifische klinische Indikationen durchgeführt werden dürfe. Die möglichen Komplikationen reichen von leichten Reaktionen bis hin zu schweren Arrhythmien, Blutdruckabfällen oder Infektionen durch Katheter.
Auch staatliche Behörden warnen seit längerem vor entsprechenden Trends. Die US-Gesundheitsbehörde FDA gab bereits im Jahr 2019 und erneut im Dezember 2024 Warnungen bezüglich der Verwendung von Plasma junger Spender heraus.
Die wissenschaftliche Datenlage bleibt widersprüchlich: Eine Studie aus dem Jahr 2025 mit 42 Teilnehmern über 50 Jahren deutete zwar auf eine mögliche Senkung biologischer Altersmarker hin, eine zweite Humanstudie aus demselben Jahr konnte jedoch keine Verjüngungseffekte an epigenetischen Uhren nachweisen.
Erfahrungen in Zypern und mangelnde Strafverfolgung
Ähnliche Problematiken zeigen sich in Zypern, wo Mediziner wie Marinos Sotiriou vor einem zunehmenden Scharlatan-Tourismus warnen. Im November 2023 wurde ein Fall bekannt, bei dem ein Patient nach einer Plasmapherese in einer nicht lizenzierten Einrichtung in Larnaka mit einer schweren Thrombose auf eine Intensivstation eingeliefert werden musste.
Die American Society for Apheresis stuft den Plasmaaustausch zu Anti-Aging-Zwecken als Kategorie IV ein — also als ausdrücklich nicht empfohlen. Zwei Humanstudien aus 2025 kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen zu Verjüngungseffekten. Unser Faktencheck zeigt, was belegt ist und welche Versprechen reines Marketing bleiben. Faktencheck jetzt kostenlos anfordern
Obwohl das zypriotische Gesundheitsministerium den Vorfall polizeilich meldete, sah der zuständige Rechtsdienst keine Grundlage für eine Strafverfolgung mangels ausreichender Beweise.
Arzt Vassos Oikonomou berichtete über mehrere Beschwerden gegen unlizenzierte Zentren, auf die Behörden oft nur zögerlich reagierten. Angesichts der aktuellen Ereignisse fordern Fachleute nun eine sofortige und lückenlose Überprüfung aller Einrichtungen, die solche Verfahren anbieten, um die Patientensicherheit zu gewährleisten und illegale medizinische Praktiken zu unterbinden.
