Anti-Aging-Mittel, Metformin

Anti-Aging-Mittel: Metformin und Rapamycin fehlen Langzeitdaten am Menschen

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 15:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bewegung und Tabakverzicht sind gut belegt; für viele Biomarker und Anti-Aging-Wirkstoffe fehlen aussagekräftige Langzeitdaten.

Longevity-Markt wächst, doch belastbare Belege bleiben begrenzt
Laborausstattung mit Glasgefäßen auf einer hellen Oberfläche in einem neutralen, lichtdurchfluteten Raum. Illustration mit AI erstellt.

Der Markt für Langlebigkeit und gesundes Altern verzeichnet ein starkes Wachstum, bewegt sich jedoch in einem wissenschaftlich uneinheitlichen Umfeld. Angebote wie Bluttests, Wearables, Nahrungsergänzungsmittel, Kältetherapien und Rotlichtbehandlungen erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Einer Analyse der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge fehlt bislang jedoch eine umfassende, robuste Studie zum gesamten Longevity-Konzept. Zudem seien Untersuchungen zu einzelnen Verfahren mitunter direkt durch die jeweiligen Anbieter finanziert.

Das Interesse der Bevölkerung ist dennoch ausgeprägt: Laut Erhebungen des Beratungsunternehmens McKinsey messen bis zu 60 Prozent der befragten Verbraucher dem gesunden Altern eine hohe oder sehr hohe Priorität bei.

Diagnostik zwischen Vorsorge und Validierungsproblemen

Kommerzielle Check-up-Programme verlangen erhebliche finanzielle Investitionen. Beim Anbieter Aeon kosten entsprechende Untersuchungen zwischen 2.500 und 3.000 Schweizer Franken. Nach Unternehmensangaben ergaben sich bei rund 11 Prozent der Kunden zuvor unbekannte medizinisch relevante Befunde, während bei 95 Prozent zuvor unentdeckte erhöhte Erkrankungsrisiken festgestellt wurden.

Gleichzeitig mahnen Experten zur Vorsicht bei der Interpretation von Messwerten. Auf dem gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie sowie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie mit rund 1.200 Teilnehmenden in Frankfurt vom 23. bis 26. September 2026 thematisierte Brian Kennedy von der National University of Singapore die biomarkergestützte Prävention.

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Kennedy betonte, dass ein gemessenes biologisches Alter von beispielsweise 55 statt 62 Jahren keineswegs belege, dass eine Person tatsächlich sieben Jahre langsamer altere. Biomarker müssten vor ihrem Einsatz hinreichend validiert sein. Zudem fehlten für viele sogenannte Altersuhren sowie für pharmakologische Interventionen belastbare Langzeitdaten beim Menschen.

Evidenz von Wirkstoffen und Lebensstilfaktoren

Hinsichtlich konkreter Interventionen warnen Fachleute vor verfrühten Hoffnungen. Die Alternsforscherin Susanne Wurm hob hervor, dass positive Effekte von körperlicher Bewegung sowie dem Verzicht auf Tabak wissenschaftlich solide belegt seien. Im Gegensatz dazu sei die langfristige Wirkung potenzieller Anti-Aging-Substanzen wie Metformin und Rapamycin beim Menschen bislang nicht hinreichend erforscht.

Dass Prävention dennoch eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe darstellt, zeigt das Beispiel Singapur, wo rund jeder fünfte Einwohner älter als 65 Jahre ist und die Lebenserwartung bei der Geburt im Jahr 2025 fast 84 Jahre betrug. Dort fördern staatliche Initiativen wie Healthier SG und Age Well SG gezielt vorsorgende Maßnahmen und ein selbstständiges Altern.

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Gesellschaftliche Rahmenbedingungen des Alterns

Neben medizinischen und diagnostischen Aspekten stehen zunehmend strukturelle Fragen im Fokus. Der Philosoph Otfried Höffe plädierte auf dem Kongress in Frankfurt dafür, gesellschaftlich nicht von einer Überalterung, sondern von einer Unterjüngung zu sprechen, da zusätzliche Lebensjahre für den Einzelnen vielfach einen Gewinn darstellten.

Kongresspräsident Hans-Werner Wahl unterstrich in diesem Kontext, dass Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und entsprechende Rahmenbedingungen entscheidend seien, damit eine gestiegene Lebenserwartung auch in mehr gesunde Lebenszeit münde.

Ergänzend dazu wies Joan Costa-Fonts in der Fachzeitschrift PLOS Aging and Health darauf hin, dass die strikte Trennung von Akutmedizin und Langzeitpflege angesichts des demografischen Wandels nicht mehr tragfähig sei.

Da ältere Menschen häufig beide Versorgungsformen gleichzeitig benötigten, sei eine engere Integration von Finanzierung und Planung erforderlich, auch wenn dies nicht zwingend eine bauliche Zusammenlegung von Einrichtungen bedeuten müsse.

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