Anthropic reicht S-1 ein: KI-Unternehmen plant Börsengang an der Nasdaq
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 17:26 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic, PBC hat bei der Börsenaufsicht SEC einen Registrierungsantrag auf dem Formular S-1 für einen geplanten Börsengang seiner Class-A-Stammaktien eingereicht. Angestrebt wird eine Notierung am Nasdaq Global Select Market unter dem Tickersymbol „ANT“.
Die genaue Anzahl der anzubietenden Aktien sowie die angestrebte Preisspanne stehen bislang nicht fest. Der Registrierungsantrag ist noch nicht wirksam, Verkäufe sind vor Inkrafttreten unzulässig. Das Emissionsangebot wird von einem Bankenkonsortium begleitet, bei dem Goldman Sachs und Morgan Stanley als federführende Institute auftreten.
Ambitionierte Bewertungsziele und Governance-Struktur
Aus informierten Kreisen verlautete, dass Anthropic im Rahmen des Börsengangs bis zu 100 Milliarden US-Dollar einsammeln könnte. Die dabei angestrebte Bewertung liege Berichten zufolge zwischen 1,5 und 2 Billionen US-Dollar, wobei einige Marktteilnehmer das Unternehmen nach einer jüngsten Investorenveranstaltung zuletzt bei rund 1,5 Billionen US-Dollar taxierten.
Als möglicher Termin für den Gang an die Börse gilt die Woche des 16. November, wobei sich der Zeitplan noch ändern kann. Das geplante Volumen könnte damit das Debüt von SpaceX übertreffen, das im Juni rund 75 Milliarden US-Dollar erlöst hatte.
Anthropic ist im Bundesstaat Delaware als Public Benefit Corporation registriert. Die gesellschaftsrechtliche Struktur weist Besonderheiten auf: Ein sogenannter Long-Term Benefit Trust kontrolliert über Aktien der Klasse T die Mehrheit der Verwaltungsratsmitglieder.
Die Gründer um Dario und Daniela Amodei sowie fünf Mitgründer halten über Anteile der Klasse F 50,1 Prozent der Stimmrechte, verfügen damit jedoch über keine wirtschaftlichen Gewinnansprüche.
Starkes Umsatzwachstum bei hohem bilanziellen Nettoverlust
Die im Rahmen des Antrags offengelegten Zahlen für das erste Halbjahr 2026 zeigen ein massives Erlöswachstum. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1.300 Prozent von 1,16 Milliarden auf rund 16,3 Milliarden US-Dollar.
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Nutzungsbasierte Verkäufe machten 80 Prozent dieser Erlöse aus. Das Unternehmen zählte zum Stichtag Ende September mehr als 1.900 Kunden mit einem Jahresumsatz von mindestens 1 Million US-Dollar, davon etwa 250 mit mehr als 10 Millionen US-Dollar.
Während der operative Verlust von 2,14 Milliarden auf 693 Millionen US-Dollar sank und der operative Cashflow bei plus 3,93 Milliarden US-Dollar lag, wies das Unternehmen einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden US-Dollar aus. Dieser resultiert überwiegend aus buchhalterischen Anpassungen: Rund 72,4 Milliarden US-Dollar entfielen auf nicht zahlungswirksame Neubewertungen von Wandelanleihen, weitere 8,72 Milliarden US-Dollar auf sonstige bargeldlose Effekte. Das bereinigte operative Ergebnis lag bei 1,62 Milliarden US-Dollar.
Hohe finanzielle Verpflichtungen für Recheninfrastruktur
Das rasante Wachstum erfordert erhebliche Mittel für Rechenkapazitäten. Allein im ersten Halbjahr beliefen sich die Ausgaben für Rechen- und Infrastruktur auf 8,95 Milliarden US-Dollar. Zur Sicherung künftiger Kapazitäten ging das Unternehmen milliardenschwere langfristige Vereinbarungen ein.
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Nach vollständiger Bereitstellung von Nvidia-Grafikprozessoren fließen an SpaceX monatlich rund 3,1 Milliarden US-Dollar, was sich bis 2029 auf bis zu 120,5 Milliarden US-Dollar summieren kann.
Zudem bestehen Verpflichtungen über 44,9 Milliarden US-Dollar gegenüber Microsoft bis 2033, mindestens 114,5 Milliarden US-Dollar gegenüber Google bis 2033 sowie 110 Milliarden US-Dollar über eine Laufzeit von zehn Jahren an Amazon.
In den Pflichtangaben verweist Anthropic neben klassischen Geschäftsrisiken auf ungewöhnliche Gefahrenpotenziale. Das Unternehmen warnt vor existenziellen Risiken durch fortschrittliche Systeme und verweist darauf, dass KI-Modelle Formen von Bewusstsein entwickeln könnten.
Kein einzelner Versicherer sei derzeit in der Lage, derartige Katastrophenrisiken abzudecken. Zudem bestehen juristische Konflikte: Anthropic wehrt sich gerichtlich gegen eine Einstufung durch das US-Verteidigungsministerium, das das Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt und als Risiko für Lieferketten eingestuft hatte.
