Anthropic plant neues KI-Modell vor Börsengang gegen OpenAI
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 06:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic erwägt die Veröffentlichung eines neuen Modells, um seine Marktposition vor einem erwarteten Börsengang zu stärken. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am 18. September 2026 unter Berufung auf drei informierte Quellen berichtete, soll dieser Schritt dem wachsenden Wettbewerbsdruck durch den Rivalen OpenAI begegnen. OpenAI hatte am 3. September 2026 sein Modell GPT-6 Astra auf den Markt gebracht.
Das neue Modell von Anthropic soll noch vor dem anvisierten Debüt an den Finanzmärkten erscheinen. Marktbeobachter rechnen damit, dass der Börsengang womöglich nach den US-Zwischenwahlen im November stattfinden könnte.
Druck auf die Marktanteile bei Unternehmenskunden
Der Vorstoß des Konkurrenten zeigt bereits Wirkung im Markt für Unternehmenssoftware. Nach Auswertungen des Finanzdienstleisters Ramp entfallen auf GPT-6 Astra von OpenAI mittlerweile rund 13 Prozent der Ausgaben für Enterprise-KI. Das Konkurrenzmodell Claude Fable von Anthropic erreicht demnach einen Anteil von rund 8 Prozent.
Trotz des verschärften Wettbewerbs wachsen beide Unternehmen rasant. Anthropic verzeichnete Ende Juli eine annualisierte Revenue-Run-Rate von mehr als 65 Milliarden US-Dollar, nachdem dieser Wert Ende 2025 noch bei rund 9 Milliarden US-Dollar gelegen hatte.
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Für das Jahr 2028 prognostiziert das Unternehmen eine Run-Rate von rund 190 bis 200 Milliarden US-Dollar. Bei OpenAI lag die annualisierte Revenue-Run-Rate im Juli bei mehr als 40 Milliarden US-Dollar.
Zunehmende Automatisierung der eigenen Forschung
Anthropic setzt bei der Weiterentwicklung seiner Systeme zunehmend auf eigene Technologie. Nach Unternehmensangaben führte das Modell Claude zuletzt 26 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für neue Modelle aus, wobei rund 90 Prozent dieser Tätigkeiten in Kollaboration mit menschlichen Entwicklern stattfanden.
Während dieser Anteil im Februar noch bei 0 Prozent gelegen hatte, stieg er bis August auf 26 Prozent an. Im August waren bei Anthropic bereits rund 30.000 KI-Agenten für Forschung und Engineering im Einsatz.
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Debatte über das Entwicklungstempo der Branche
Die Überlegungen zu einem zeitnahen Release stehen vor dem Hintergrund einer intensiv geführten Debatte über das Entwicklungstempo der Branche. Am 12. September 2026 hatte Anthropic-Chef Dario Amodei in einem 3.800 Wörter umfassenden Essay eine Verlangsamung der KI-Entwicklung gefordert.
Amodei und weitere Führungskräfte der Technologiebranche plädieren für einen solchen Schritt, um Risiken kontrollierbar zu halten. Zudem fordert Anthropic die Einführung öffentlicher Metriken zur KI-Entwicklung sowie den Einsatz externer Prüfer.
Dieser Haltung widersprechen unter anderem Donald Trump und weitere Stimmen, die vor den wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen einer drosselung warnen.
