Anthropic-Klage: 200-Euro-Tarif mit versteckten Nutzungslimits
15.06.2026 - 23:58:27 | boerse-global.de
Der Vorwurf: Das Unternehmen täuscht Kunden mit versprochenen, aber nicht eingehaltenen Nutzungslimits seiner teuren Premium-Tarife.
Die Klage wurde heute vor dem US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk Kaliforniens eingereicht. Im Zentrum stehen die beiden teuersten Abo-Stufen des KI-Assistenten Claude: Der „Max 5x"-Tarif für umgerechnet rund 100 Euro monatlich und der „Max 20x"-Tarif für etwa 200 Euro pro Monat.
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Versteckte Deckel statt versprochener Freiheit
Der Kläger Karl Kahn aus Washington, D.C. wirft Anthropic vor, die tatsächlichen Nutzungsbeschränkungen zu verschleiern. Die beworbenen höheren Kapazitäten würden durch versteckte Limits unterlaufen, die viel früher greifen als erwartet.
Konkret schildert Kahn einen Fall: Eine einzige fünftstündige Programmier-Sitzung habe 15 Prozent seines gesamten Wochenkontingents verbraucht. Zudem sollen die Nutzungslimits ohne klare Benachrichtigung der Abonnenten geändert worden sein.
Finanzielle Dimension: Von 200 Euro bis zur Millionenrechnung
Die Sammelklage soll alle Claude-Max-Abonnenten seit April 2025 vertreten. Ziel ist die Rückerstattung der gezahlten Beiträge. Die Klage stützt sich auf interne Unternehmenskommunikation aus Mitte 2025, die die Existenz dieser wöchentlichen Deckel bestätigen soll.
Besonders brisant: Die Klage verweist auf extreme finanzielle Folgen für einige Nutzer. Einzelpersonen sollen monatlich bis zu 50.000 Euro belastet worden sein. Ein Unternehmenskunde soll sogar eine Rechnung in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro für einen einzigen Monat erhalten haben.
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Brisanter Zeitpunkt für den Börsenkandidaten
Die Klage kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Anthropic bereitet sich auf einen Börsengang vor. Rechtsexperten warnen, dass Vorwürfe irreführenden Marketings und Verbraucherbetrugs das Vertrauen potenzieller Investoren erschüttern könnten.
Hinzu kommt ein separater Rechtsstreit über 1,5 Milliarden Dollar wegen Urheberrechtsverletzungen. Zudem hat Anthropic Berichten zufolge den Betrieb seiner Modelle Fable 5 und Mythos 5 eingestellt.
Schweigen aus dem Unternehmen
Anthropic lehnte eine offizielle Stellungnahme zu den laufenden Verfahren ab. Während Wettbewerber im KI-Sektor über Preissenkungen nachdenken, bleibt Anthropic auf die hohen Abo-Einnahmen angewiesen. Branchenbeobachter schätzen, dass ein einziges 200-Euro-Abo den Kunden tatsächlich Rechenleistung im Wert von 600 bis 1.500 Euro bietet – ein Geschäftsmodell, das bei sinkenden Nutzungslimits schnell fragwürdig wird.
